Amundi Index Euro Corporate SRI ETF: Warum 57 Prozent in Finanzanleihen stecken
Der Amundi EUR Corporate Bond ESG ETF gehört zu den größten Unternehmensanleihen-ETFs am Markt. Auffällig ist, dass Banken und andere Finanzkonzerne mehr als die Hälfte des Portfolios ausmachen.
Werte in diesem Artikel
Das Wichtigste in Kürze:
- Der Amundi Index Euro Corporate SRI UCITS ETF investiert in auf Euro lautende Unternehmensanleihen mit Investment-Grade-Rating und zusätzlichen ESG-Filtern.
- Mit mehr als 3.000 einzelnen Anleihen ist das Risiko auf Wertpapierebene extrem breit gestreut. Gleichzeitig entfallen allerdings 57 Prozent des Portfolios auf den Finanzsektor.
- Der ETF richtet an Anleger, die mit Unternehmensanleihen einen vergleichsweise schwankungsarmen Baustein in ihr Portfolio aufnehmen möchten.
Über 3.000 Unternehmensanleihen mit Investment Grade
Mit der ISIN LU1437018168 gehört der Amundi Index Euro Corporate SRI UCITS ETF DR (C) zu den Schwergewichten unter den Unternehmensanleihen-ETFs. Unter mehr als 300 hierzulande verfügbaren ETFs für Unternehmensanleihen zählt er gemessen am Fondsvolumen zu den sechs größten Produkten. Mit einer TER von 0,14 Prozent pro Jahr positioniert sich der ETF preislich im Mittelfeld der großen Unternehmensanleihen-Produkte. Anlegern könnte der ETF noch unter dem Namen Amundi Index Euro Corporate SRI UCITS ETF DR bekannt sein. Amundi bezeichnet ihn inzwischen als Amundi EUR Corporate Bond ESG UCITS ETF DR. Laut Amundi war damit keine Änderung der grundlegenden Indexmethodik verbunden.
Der Index enthält festverzinsliche Unternehmensanleihen, deren Zins- und Rückzahlungen auf Euro lauten und die über ein Investment-Grade-Rating verfügen. Das Rating bedeutet vereinfacht, dass Ratingagenturen die Zahlungsfähigkeit eines Schuldners als vergleichsweise hoch einschätzen. Zusätzlich kommen Nachhaltigkeitskriterien zum Einsatz. Unternehmen mit bestimmten kontroversen Geschäftsaktivitäten oder besonders schwachen ESG-Bewertungen können deshalb ausgeschlossen werden. Der Index verlangt unter anderem ein ausstehendes Anleihevolumen von mindestens 300 Millionen Euro und mindestens ein Jahr Restlaufzeit. Die nach den Regeln verbleibenden Wertpapiere werden grundsätzlich entsprechend ihres Marktwertes gewichtet. Vereinfacht gesagt erhalten große, liquide Anleiheemissionen damit mehr Gewicht als kleine Emissionen. Zusätzlich wird die Gewichtung so angepasst, dass die Sektorstruktur nahe am übergeordneten Bloomberg-Euro-Corporate-Index bleibt. Die Zusammensetzung wird monatlich überprüft. Der ETF bildet diesen Markt physisch über ein Sampling-Verfahren ab. Er muss also nicht zwangsläufig jede einzelne Indexanleihe exakt halten, sondern kann eine repräsentative Auswahl nutzen. Zinserträge werden nicht an die Anleger ausgeschüttet, sondern innerhalb des Fonds wieder angelegt. Wer hier investiert, sollte nicht primär auf möglichst hohe langfristige Kursgewinne setzen. Im Vordergrund stehen regelmäßige Zinserträge der Unternehmen, eine deutlich geringere Schwankungsanfälligkeit als bei Aktien und die Möglichkeit, das Gesamtrisiko eines Portfolios zu reduzieren.
Was sich hinter den drei größten Anleihen verbirgt
Die betrachtete Portfolioaufstellung enthält 3.049 Positionen, während die zehn größten zusammen gerade einmal 1,03 Prozent ausmachen. Besonders anschaulich wird die Funktionsweise des ETFs zudem anhand der drei größten Positionen. Sie besitzen in der betrachteten Portfolioaufstellung jeweils lediglich 0,11 Prozent Gewicht, unterscheiden sich aber hinsichtlich Zinssatz und Konstruktion deutlich. An der Spitze steht eine Anleihe von Banco Santander mit einem Kupon von 4,875 Prozent und einer Fälligkeit am 18. Oktober 2031. Wird die Anleihe bis zur Fälligkeit gehalten und Santander kann seinen Verpflichtungen nachkommen, wird zusätzlich der Nominalbetrag zurückgezahlt.
An zweiter Stelle steht eine JPMorgan-Chase-Anleihe mit 1,963 Prozent und Laufzeit bis März 2030. Sie zeigt zusätzlich, dass die verkürzte Bezeichnung einer ETF-Datenbank nicht immer sämtliche Eigenschaften einer Anleihe offenlegt. Der Zinssatz beträgt zunächst 1,963 Prozent. Die Konstruktion sieht später aber einen variablen Zinssatz vor. Noch auffälliger ist die dritte Position: UBS Group, 7,75 Prozent bis 1. März 2029. Die Anleihe wurde ursprünglich im November 2022 von Credit Suisse ausgegeben. Nach der Fusion übernahm UBS die Verpflichtungen. UBS führt das Papier als Instrument zur Verlustabsorptionsfähigkeit, außerdem besitzt der Emittent eine Kündigungsmöglichkeit zum 1. März 2028. Der Zinssatz kann anschließend neu festgesetzt werden. Der außergewöhnlich hohe Kupon von 7,75 Prozent ist damit ebenfalls kein kostenloses Geschenk. Die Anleihe entstand Ende 2022 in einem deutlich höheren Zinsumfeld und weist zusätzliche bankspezifische Risiken und Bedingungen auf. Entsprechend wird sie heute auch nicht zwingend zu 100 Prozent ihres Nominalwertes gehandelt.
Warum 57 Prozent des ETFs im Finanzsektor stecken
Bereits die Top-10-Liste liefert einen deutlichen Hinweis auf die wichtigste Besonderheit des Portfolios. Neben Banco Santander, JPMorgan und UBS finden sich dort Morgan Stanley, HSBC und Goldman Sachs. Tatsächlich entfallen 57,4 Prozent des ETFs auf den Finanzsektor. Mit weitem Abstand folgen Industrie mit 7,6 Prozent, Gesundheitswesen mit 7,3 Prozent und Telekommunikation mit 6,57 Prozent.
Banken gehören zu den größten Anleiheemittenten überhaupt. Sie finanzieren einen Teil ihres Geschäfts regelmäßig über den Kapitalmarkt und müssen darüber hinaus regulatorisch vorgeschriebene Puffer aus Eigenmitteln und bestimmten berücksichtigungsfähigen Verbindlichkeiten vorhalten. In Europa spielt dabei insbesondere das sogenannte MREL eine Rolle. Die Vorgaben sollen sicherstellen, dass Banken im Krisenfall ausreichend Kapital und verlustabsorbierende Verbindlichkeiten besitzen, sodass zunächst Eigentümer und Gläubiger Verluste tragen können. Da der Index nach dem Marktwert der geeigneten Anleihen gewichtet wird und gleichzeitig die Branchenstruktur des breiten Euro-Unternehmensanleihenmarktes weitgehend erhalten soll, schlägt sich dieser enorme Kapitalbedarf der Finanzbranche direkt im ETF nieder.
Für Anleger hat das zwei Seiten. Positiv ist, dass das Risiko innerhalb des Finanzsektors auf sehr viele Banken, Länder, Laufzeiten und Einzelanleihen verteilt wird. Keine einzelne Santander- oder JPMorgan-Anleihe entscheidet über Erfolg und Misserfolg des ETFs. Auf Sektorebene bleibt die Konzentration jedoch bestehen. Sollte eine neue Bankenkrise ausbrechen, können die Risikoaufschläge vieler Bankanleihen gleichzeitig steigen. Dann hilft es nur begrenzt, dass die einzelnen Papiere jeweils lediglich rund 0,1 Prozent ausmachen.
Frankreich vor den USA: Warum ein Euro-Anleihen-ETF trotzdem weltweit investiert
Auch die Länderverteilung unterscheidet sich deutlich von einem klassischen Welt-Aktien-ETF. Frankreich steht mit 20,1 Prozent an erster Stelle. Die USA folgen mit 17,7 Prozent, Deutschland mit 11,0 Prozent und Großbritannien mit 10,2 Prozent. Damit dominiert kein einzelnes Land das Portfolio annähernd so stark, wie es die USA beispielsweise bei einem MSCI-World-Aktien-ETF tun. Entscheidend für die Aufnahme in den Index ist nicht, dass ein Unternehmen aus dem Euroraum stammt, sondern dass Zinsen und Rückzahlung der jeweiligen Anleihe auf Euro lauten. Der Index kann deshalb beispielsweise auch eine Anleihe von JPMorgan, Apple oder einem japanischen Unternehmen aufnehmen, sofern diese die übrigen Kriterien erfüllt und in Euro begeben wurde.
Wann der ETF besonders gut und wann eher schwach läuft
2022 verlor der ETF 13,8 Prozent. Für eine Anlageklasse, die normalerweise als defensiv wahrgenommen wird, ist das ein außergewöhnlich hoher Verlust. Nach Jahren extrem niedriger und teilweise negativer Zinsen stieg die Inflation massiv an. Die EZB reagierte mit schnellen Zinserhöhungen. Gleichzeitig stiegen die längerfristigen Marktzinsen kräftig. Die durchschnittlichen Renditen von Unternehmensanleihen zogen ebenfalls deutlich an. Interessanterweise legte derselbe ETF bereits 2023 um 7,7 Prozent zu. Der Kurseinbruch von 2022 hatte die Renditen der Anleihen deutlich angehoben. Neue Papiere kamen mit höheren Kupons auf den Markt, während ältere Anleihen zu niedrigeren Kursen und damit höheren effektiven Renditen gehandelt wurden. Anleger starteten 2023 somit von einem erheblich attraktiveren Zinsniveau.
2024 setzte sich die positive Entwicklung mit +4,5 Prozent in abgeschwächter Form fort.2025 folgten weitere +2,9 Prozent. Die Abfolge zeigt ziemlich gut, welche Erwartung Anleger an einen solchen ETF stellen sollten. Sieben oder acht Prozent in einem guten Jahr sind möglich, aber nicht der Normalfall, auf den die Strategie langfristig ausgelegt ist. Besonders günstige Voraussetzungen entstehen häufig, wenn Anleger zunächst auf einem relativ hohen Renditeniveau einsteigen und die Marktzinsen anschließend fallen. Dann kassieren sie einerseits vergleichsweise attraktive Zinsen und profitieren andererseits davon, dass bereits existierende Anleihen mit höheren Kupons wertvoller werden. Weniger günstig sind überraschend stark steigende Inflation und schnelle Zinserhöhungen, wie 2022. Auch eine schwere Rezession kann problematisch werden. Selbst wenn Zentralbanken in einer Rezession die Zinsen senken, können gleichzeitig die Bonitätssorgen zunehmen und die Risikoaufschläge von Unternehmensanleihen steigen.
Nur 2,7 Prozent Volatilität: Warum der ETF so viel ruhiger läuft als Aktien
Der große Gegenpol zu den überschaubaren Renditen sind die Risikokennzahlen. Über ein Jahr liegt die Volatilität bei lediglich 2,7 Prozent, über drei Jahre bei 3,0 Prozent und über fünf Jahre bei 4,0 Prozent. Damit schwankt der ETF erheblich weniger als selbst ein extrem breit gestreuter weltweiter Aktien-ETF. Eine klassische Anleihe hat vertraglich definierte Zahlungsströme. Solange der Schuldner zahlungsfähig bleibt, stehen Zinsen und Rückzahlung grundsätzlich fest. Nähert sich eine Anleihe ihrer Fälligkeit, orientiert sich ihr Kurs deshalb zunehmend am vorgesehenen Rückzahlungsbetrag.
Über die vergangenen drei Jahre führte das dazu, dass der größte zwischenzeitliche Rückgang gerade einmal 2,6 Prozent betrug. Über fünf Jahre liegt der maximale zwischenzeitliche Verlust dagegen bei 17,0 Prozent, seit der Auflage bei 17,4 Prozent. Der entscheidende Zeitraum war wiederum der historische Zinsanstieg 2021/2022. Die langfristigen Euro-Zinsen stiegen in kürzester Zeit um mehrere Prozentpunkte. Gleichzeitig verschlechterte sich zeitweise das konjunkturelle Umfeld. Die Kurse bestehender Unternehmensanleihen mussten sich entsprechend stark an das neue Zinsniveau anpassen. Die EZB bezeichnete den Zinsanstieg 2022 selbst als erheblich und stellte sowohl bei Investment-Grade- als auch bei High-Yield-Unternehmensanleihen kräftig gestiegene Renditen fest. Der ETF ist deshalb zwar wesentlich defensiver als ein Aktienportfolio, aber keineswegs mit einem Tages- oder Festgeldkonto vergleichbar.
Für wen sich der Amundi Index Euro Corporate SRI UCITS ETF eignet
Der Amundi Index Euro Corporate SRI UCITS ETF eignet sich insbesondere für Anleger, die ihrem Portfolio einen vergleichsweise defensiven Euro-Anleihenbaustein hinzufügen möchten und dabei lieber auf Unternehmen als ausschließlich auf Staaten setzen. Mehr als 3.000 Investment-Grade-Anleihen sorgen dafür, dass kein einzelnes Wertpapier die Entwicklung entscheidend bestimmen kann. Da alle relevanten Zahlungsströme der Indexanleihen auf Euro lauten, entsteht zudem kein unmittelbares Dollar-, Yen- oder Pfund-Währungsrisiko, obwohl auch amerikanische, japanische oder britische Unternehmen enthalten sein können. Anleger sollten zugleich wissen, worauf sie verzichten: Zweistellige langfristige Renditen wie bei Aktien sind nicht das Ziel, und aufgrund des Finanzanteils von mehr als 57 Prozent besteht trotz der enormen Zahl einzelner Anleihen eine deutliche Branchenkonzentration. Außerdem hat 2022 eindrucksvoll gezeigt, dass selbst ein breit gestreutes Investment-Grade-Portfolio bei einem außergewöhnlich schnellen Zinsanstieg zwischenzeitlich zweistellig verlieren kann. Wer dagegen einen langfristigen Ausgleich zu einem aktienlastigen Portfolio sucht, moderate Renditeerwartungen besitzt und die Kombination aus laufenden Zinseinnahmen, niedriger Volatilität und breiter Streuung schätzt, findet hier einen interessanten Kandidaten.
Daniel Dünn, Redaktion TraderFox (finanzen.net)
Dieser Artikel stellt keine Anlageberatung dar. Anleihen-ETFs unterliegen Kursschwankungen, zwischenzeitliche Verluste sind möglich.
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