Amundi Europe 600 Banks ETF: Über 200 Prozent Plus in drei Jahren

Über 200 Prozent Plus in nur drei Jahren, angeführt von einer Bank, deren Aktie im vergangenen Jahr um 72 Prozent zulegte. Wie stark sich Europas Bankensektor seit dem Ende der Nullzinsphase wandelte.
Werte in diesem Artikel
Das Wichtigste in Kürze:
- In den vergangenen drei Jahren erzielte dieser Fonds eine Rendite von 200,8 Prozent, mit jedem Jahr seit 2022 stärker als das vorherige.
- Die größte Position HSBC bringt es allein auf 14,5 Prozent Gewicht, ihre Aktie legte in den vergangenen zwölf Monaten um 72 Prozent zu.
- Seit Auflage im Jahr 2006 liegt der maximale Kursrückgang bei minus 81,82 Prozent, einer der höchsten Werte, die für einen etablierten, breit gehandelten ETF überhaupt zu finden sind.
Wie der Index seine Bankaktien auswählt
Der Amundi STOXX Europe 600 Banks UCITS ETF Acc bildet den STOXX Europe 600 Banks Index nach. Ausgangspunkt ist der breite STOXX Europe 600 Index, der große, mittelgroße und kleinere Unternehmen aus 17 europäischen Ländern bündelt, darunter neben der Eurozone auch Großbritannien, Norwegen, die Schweiz, Polen, Schweden und Dänemark. Aus diesem breiten Universum filtert der Banken-Index gezielt jene Unternehmen heraus, die nach der international gängigen Branchenklassifizierung dem Bankensektor zugeordnet sind, aktuell 57 Werte. Gewichtet wird nach frei handelbarer Marktkapitalisierung, größere Banken erhalten also mehr Gewicht. Der Fonds bildet seinen Index synthetisch über ein Swap-Geschäft nach, angestrebt wird dabei eine maximale Abweichung zur Indexrendite von bis zu 1 Prozentpunkt. Der Fonds thesauriert seine Erträge und wurde bereits im August 2006 aufgelegt. Unter den vier größten ETFs auf europäische Finanzdienstleister zählt er mit 0,30 Prozent laufenden Kosten pro Jahr zu den günstigeren Varianten, teurer sind der iShares STOXX Europe 600 Banks UCITS ETF mit 0,47 Prozent und der iShares EURO STOXX Banks 30-15 UCITS ETF mit 0,52 Prozent, während der ebenfalls von Amundi angebotene Euro Stoxx Banks UCITS ETF gleichauf bei 0,30 Prozent liegt. Bezieht man weitere, kleinere Anbieter mit ein, bewegen sich die Kosten in diesem Marktsegment zwischen 0,18 und 0,52 Prozent, wodurch dieser Fonds im vorderen Mittelfeld liegt.
HSBC, Santander und BBVA: Die drei Schwergewichte im Fonds
Die zehn größten Positionen vereinen 60,5 Prozent des Fondsvermögens bei 57 enthaltenen Werten. Mit weitem Abstand größte Position ist HSBC Holdings mit 14,47 Prozent, mehr als anderthalbmal so viel wie die zweitgrößte Position. HSBC zählt zu den größten Banken Europas und ist zugleich eine der am stärksten international ausgerichteten Banken des Kontinents, mit einer besonders starken Präsenz in Asien und dem Nahen Osten. Diese globale Aufstellung hat der Bank in den vergangenen Jahren gleich mehrfach geholfen. Sie profitierte sowohl von den lange hohen Zinsen in den westlichen Kernmärkten als auch vom Wirtschaftswachstum in Asien. Allein in den vergangenen zwölf Monaten legte die Aktie um 72 Prozent zu. Auf Platz zwei folgt mit 8,93 Prozent Banco Santander. Die spanische Großbank ist in zehn Kernmärkten aktiv, von Spanien über Deutschland, Polen und Großbritannien bis nach Brasilien, Mexiko und in die USA, und profitiert von dieser breiten geografischen Streuung ebenso wie von zuletzt weiter gesteigerten Gewinnen. Die Aktie legte über zwölf Monate um 66,4 Prozent zu. An dritter Stelle steht mit 6,19 Prozent Banco Bilbao Vizcaya Argentaria, kurz BBVA, eine weitere spanische Großbank mit bedeutendem Geschäft in Mexiko und der Türkei. Auch hier trieben höhere Zinserträge den Gewinn zuletzt deutlich nach oben, begleitet von einem eigenen Aktienrückkaufprogramm, was der Aktie über zwölf Monate ein Plus von 65,5 Prozent bescherte.
Großbritannien vor Spanien und Italien: Was die Länderverteilung bedeutet
Bei der Länderverteilung dominiert Großbritannien mit 28,2 Prozent, gefolgt von Spanien mit 18,8 Prozent, Italien mit 14,5 Prozent und Frankreich mit 9,2 Prozent. Der Fonds bildet also nicht nur die Bankenlandschaft der Eurozone ab, sondern auch bedeutende Bankenmärkte außerhalb des Euroraums, insbesondere Großbritannien mit eigener Geldpolitik der Bank of England. Das bringt eine zusätzliche Diversifikation über unterschiedliche nationale Regulierungsregime und Zinszyklen mit sich, bedeutet aber auch, dass der Fonds stärker von der Verfassung weniger, sehr bankenlastiger Länder abhängt, insbesondere Großbritannien, Spanien und Italien zusammen stellen bereits über 60 Prozent des gesamten Fondsvermögens.
Vom Ende der Nullzinsphase zur Rekordrendite: Was die Jahre seit 2022 erklärt
2022 legte der Fonds nur moderat um 1,3 Prozent zu, 2023 bereits um 26,8 Prozent, 2024 um 33,5 Prozent und 2025 sogar um 75,0 Prozent, drei Jahre in Folge mit jeweils stärkerem Zuwachs als im Vorjahr. Der zentrale Treiber dahinter war die Zinswende der Europäischen Zentralbank und der Bank of England. Nach über einem Jahrzehnt extrem niedriger oder sogar negativer Zinsen konnten Banken durch die 2022 einsetzenden Zinserhöhungen ihre Zinserträge kräftig steigern, da sie Kredite zu höheren Zinsen vergeben, während viele Einlagen weiterhin vergleichsweise gering verzinst blieben. Hinzu kamen historisch niedrige Bewertungen europäischer Bankaktien zu Beginn dieser Entwicklung sowie umfangreiche Aktienrückkaufprogramme, die zusätzlich Kurse stützten. Im laufenden Jahr liegt der Fonds nach sieben Monaten bereits bei einem Plus von 23,4 Prozent, auch wenn eine Wiederholung der 75 Prozent aus dem Vorjahr eher unwahrscheinlich erscheint, da sich die Zinserträge mit den mittlerweile wieder sinkenden Leitzinsen der Europäischen Zentralbank etwas normalisieren dürften.
Warum die Volatilität konstant erhöht bleibt, und was der historische Absturz erklärt
Die Volatilität liegt über ein, drei und fünf Jahre konstant bei 20 bis 22 Prozent, deutlich höher als bei einem breiten Welt- oder Europa-ETF. Das liegt am Geschäftsmodell von Banken selbst, das naturgemäß stark von Zinsentwicklungen, Kreditzyklen und der allgemeinen Konjunktur abhängt und dadurch überdurchschnittlich schwankungsanfällig ist. Der maximale Kursrückgang seit Auflage im Jahr 2006 liegt bei minus 81,8 Prozent, einer der höchsten Werte, die bei einem etablierten, breit gehandelten ETF überhaupt zu finden sind. Dieser historische Einbruch geht auf die globale Finanzkrise 2008 und die anschließende europäische Staatsschuldenkrise der frühen 2010er-Jahre zurück, als europäische Banken durch faule Kredite, notleidende Staatsanleihen und in einigen Fällen sogar drohende Zusammenbrüche extrem hart getroffen wurden, deutlich härter als die meisten anderen Branchen. Positiv hervorzuheben ist dagegen der maximale Kursrückgang der vergangenen fünf Jahre von minus 27,7 Prozent, ein im Vergleich zur Gesamthistorie deutlich moderaterer Rahmen, der zeigt, dass sich die Kapitalausstattung und Widerstandsfähigkeit europäischer Banken seit der Finanzkrise erheblich verbessert hat.
Für welche Strategie sich dieser Banken-ETF eignet
Der Fonds eignet sich als gezielte, spekulative Beimischung für Anleger, die überzeugt sind, dass europäische Banken auch künftig von robusten Zinserträgen, soliden Kapitalquoten und fortgesetzten Aktienrückkäufen profitieren, und die bereit sind, dafür eine deutlich erhöhte Schwankungsbreite in Kauf zu nehmen. Die historisch hohen Kursrückgänge während der Finanzkrise zeigen dabei eindrücklich, wie stark der Bankensektor in schweren Wirtschaftskrisen leiden kann, auch wenn sich die regulatorische und kapitalseitige Verfassung der Branche seither deutlich verbessert hat. Wegen der Konzentration auf einen einzelnen, zyklischen Sektor eignet sich der Fonds nicht als Grundbaustein, sondern ausschließlich als eine von mehreren möglichen Ergänzungen zu einem bereits breit gestreuten Basisinvestment, mit einem langen Anlagehorizont und der Bereitschaft, auch mehrjährige Schwächephasen auszuhalten.
Daniel Dünn, Redaktion TraderFox (finanzen.net)
Dieser Artikel stellt keine Anlageberatung dar. Aktien-ETFs unterliegen Kursschwankungen, zwischenzeitliche Verluste sind möglich. Die Konzentration auf einen einzelnen Sektor kann das Risiko im Vergleich zu breit gestreuten Fonds deutlich erhöhen.
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