Brasilien-ETF

Franklin FTSE Brazil ETF: Vom Rekordtief der Landeswährung zur besten Rendite unter allen Brasilien-ETFs


Franklin FTSE Brazil ETF: Vom Rekordtief der Landeswährung zur besten Rendite unter allen Brasilien-ETFs

Der kleinste, aber günstigste ETF seines Marktsegments zeigt eindrücklich, wie schnell sich das Bild an Schwellenländerbörsen drehen kann, in diesem Fall klar ins Positive.

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Devisen

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Das Wichtigste in Kürze:

  • Unter fünf verfügbaren Brasilien-ETFs ist dieser Fonds zwar der kleinste, zugleich aber der günstigste und lieferte in den vergangenen zwölf Monaten die höchste Rendite.
  • 2024 verlor der Fonds 23,0 Prozent, ausgelöst durch eine Währungskrise und fiskalische Sorgen, seither hat sich das Bild komplett gedreht.
  • Im Oktober 2026 wählt Brasilien einen neuen Präsidenten, was die Kursentwicklung in den kommenden Wochen maßgeblich mitbestimmen dürfte.

Warum die FTSE-Variante zuletzt etwas besser abschnitt als der MSCI Brazil

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Der Franklin FTSE Brazil UCITS ETF bildet den FTSE Brazil 30/18 Capped Index nach und ist der einzige unter fünf verfügbaren Brasilien-ETFs, der einen FTSE- statt einen MSCI-Index abbildet. Das größte Unternehmen im Index darf höchstens 30 Prozent ausmachen, alle übrigen Positionen jeweils höchstens 18 Prozent. Die vier übrigen Brasilien-ETFs bilden dagegen den MSCI Brazil Index ab, der ein leicht anderes Anlageuniversum sowie eine andere Gewichtungsmethodik verwendet. Da beide Indizes den brasilianischen Aktienmarkt aber inhaltlich sehr ähnlich abdecken, lässt sich die zuletzt etwas bessere Rendite der FTSE-Variante am ehesten mit kleinen, aber sichtbaren Unterschieden bei der genauen Einzelgewichtung sowie unterschiedlichen Überprüfungszeitpunkten erklären. Mit einem Fondsvolumen von 137 Millionen Euro ist dieser Fonds der kleinste unter den fünf hierzulande verfügbaren Brasilien-ETFs, bei den Kosten mit 0,19 Prozent pro Jahr aber zugleich der günstigste, deutlich unter den bis zu 0,74 Prozent der teuersten Alternative. Der Fonds repliziert seinen Index physisch und vollständig, thesauriert seine Erträge und wurde im Juni 2019 aufgelegt.

Wahljahr, Zinswende und Handelsabkommen: Was Brasiliens Börse 2026 prägt

Brasilien befindet sich 2026 in einer besonders ereignisreichen Phase. Die brasilianische Notenbank hatte den Leitzins Selic zur Inflationsbekämpfung auf 15 Prozent angehoben, den höchsten Stand seit fast zwei Jahrzehnten, bevor sie im März 2026 eine vorsichtige Zinswende einleitete und seither in mehreren Schritten senkt. Hierbei gibt es weiteren Spielraum nach unten, sollte die Inflation wie erwartet weiter nachlassen. Die Regierung von Präsident Luiz Inácio Lula da Silva hat zudem eine neue Einkommensteuerbefreiung eingeführt, die Millionen Brasilianer von der Steuer befreit und der Wirtschaft nach Schätzungen mehrere Milliarden US-Dollar an zusätzlicher Kaufkraft verschaffen dürfte, ein Schritt, der auch mit Blick auf die im Oktober 2026 anstehende Präsidentschaftswahl erfolgt. Bei dieser Wahl tritt der 80-jährige Lula für eine vierte Amtszeit an, sein aussichtsreichster Herausforderer ist Flávio Bolsonaro, Sohn des früheren Präsidenten Jair Bolsonaro, wobei aktuelle Umfragen ein Kopf-an-Kopf-Rennen erwarten. Ein eindeutig positiver Faktor ist dagegen das seit dem 1. Mai 2026 vorläufig angewendete Freihandelsabkommen zwischen der Europäischen Union und den Mercosur-Staaten, das Waren mit EU-Ursprung zollbegünstigt nach Brasilien einführen lässt und dem Land hilft, seine Handelspartner angesichts globaler Handelsspannungen breiter aufzustellen. Als Schwellenland und bedeutender Rohstoffexporteur bleibt Brasilien zudem stark von den Weltmarktpreisen für Eisenerz und Öl sowie von der allgemeinen Risikobereitschaft internationaler Investoren gegenüber Schwellenländern abhängig.

Vale, Itaú Unibanco und Petrobras: Die drei prägenden Konzerne

Die zehn größten Positionen vereinen 55,6 Prozent des Fondsvermögens bei 73 enthaltenen Werten. Größte Position ist mit 11,33 Prozent Vale, mit einem Weltmarktanteil von rund 35 Prozent der größte Eisenerz-Exporteur der Welt, ergänzt um Nickel, Kupfer, Kohle und weitere Industriemetalle. Der Konzern profitiert von niedrigen Förder- und Lohnkosten in Brasilien sowie einer vertikal integrierten Produktion, bleibt aber stark von den international schwankenden Rohstoffpreisen sowie der Nachfrage aus der globalen Stahlindustrie abhängig. Auf Platz zwei folgt mit 9,82 Prozent Itaú Unibanco, Brasiliens größte Privatbank und eine der größten Banken Lateinamerikas, mit einem breiten Angebot von klassischem Bankgeschäft über Vermögensverwaltung bis zu Versicherungen sowie zunehmender internationaler Präsenz in Chile, Kolumbien, Panama, Paraguay und Uruguay. Die Bank profitiert von der aktuell noch hohen Zinsmarge im brasilianischen Bankgeschäft, dürfte im Zuge sinkender Leitzinsen aber mit etwas geringeren Zinserträgen rechnen müssen. An dritter und vierter Stelle steht mit zusammen sogar 15,00 Prozent Petróleo Brasileiro, besser bekannt als Petrobras, aufgeteilt auf zwei unterschiedliche Aktiengattungen mit Anteilen von 7,8 sowie 7,2 Prozent am ETF. Der teilstaatliche Ölkonzern ist das größte börsennotierte Unternehmen Brasiliens mit integriertem Geschäft von der Förderung über die Raffination bis zum Vertrieb, aktiv in 19 Ländern. Als Risiko gilt hier vor allem der staatliche Einfluss auf den Konzern. Petrobras gilt vielen Brasilianern als nationales Symbol, was politische Eingriffe in die Preis- oder Dividendenpolitik, insbesondere im Umfeld der anstehenden Präsidentschaftswahl, nicht ausschließt.

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Warum Finanzwerte den größten Anteil stellen und wieso das dennoch keine Branchenabhängigkeit bedeutet

Nach Sektoren führt Finanzwesen mit 30,4 Prozent, getragen von mehreren großen Banken wie Itaú Unibanco und Banco Bradesco sowie der Börsenbetreibergesellschaft B3. Das erklärt sich damit, dass der brasilianische Finanzsektor traditionell zu den am weitesten entwickelten und liquidesten Teilen des heimischen Aktienmarkts zählt. Positiv ist dabei, dass mit Energie, nicht-energetischen Grundstoffen und Versorgern gleich drei weitere Branchen jeweils über 15 Prozent Gewicht erreichen, sodass Anleger zwar eine regionale, aber keine einseitige sektorale Abhängigkeit eingehen.

Vom Rekordtief der Landeswährung zur besten Rendite unter allen Wettbewerbern

2022 und 2023 legte der Fonds um jeweils 18 bis 28 Prozent zu, bevor 2024 mit minus 23,0 Prozent ein deutlicher Rückschlag folgte. Auslöser war eine Währungskrise. Die brasilianische Landeswährung Real fiel im Dezember 2024 auf ein Rekordtief von 6,75 Real je US-Dollar, belastet durch fiskalische Sorgen sowie eine zu dieser Zeit noch unsichere Zinspolitik. 2025 drehte sich das Bild mit 27,9 Prozent Rendite deutlich, getragen von einer Stabilisierung der Währung, die sich in den folgenden Monaten auf 5,1 bis 5,2 Real je US-Dollar erholte, sowie von einem Höhepunkt und anschließenden Rückgang der Leitzinsen und robusten Rohstoffpreisen. Im laufenden Jahr steht mit Stand 18. September bereits ein Plus von 26,2 Prozent zu Buche, womit sich abzeichnet, dass sowohl das Jahr 2025 als auch 2023 übertroffen werden könnten. Der Fonds entwickelt sich damit besonders stark in Phasen einer stabilen bis sich aufwertenden Landeswährung, sinkender Zinsen und robuster Rohstoffpreise, während er in Phasen fiskalischer Unsicherheit, einer schwachen Währung oder fallender Rohstoffpreise besonders anfällig für deutliche Rückschläge ist.

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Erhöhte, aber für ein Schwellenland typische Schwankungsbreite

Die Volatilität liegt über ein, drei und fünf Jahre zwischen 21,2 und 25,2 Prozent, erhöht gegenüber einem breiten Welt-ETF, aber nicht höher, als es für einen auf ein einzelnes Schwellenland konzentrierten ETF zu erwarten wäre. Der maximale Verlust der vergangenen fünf Jahre liegt bei minus 28,7 Prozent und geht maßgeblich auf die beschriebene Währungskrise des Jahres 2024 zurück. Seit Auflage im Jahr 2019 liegt der maximale Verlust bei minus 55,1 Prozent, ein Wert, der zusätzlich den pandemiebedingten Markteinbruch im Frühjahr 2020 mit einschließt, als Schwellenländer weltweit besonders stark unter Druck gerieten.

Für welche Strategie sich dieser Brasilien-ETF eignet

Der Fonds eignet sich für Anleger, die gezielt an der wirtschaftlichen Erholung Brasiliens teilhaben möchten, getragen von sinkenden Zinsen, einer stabileren Währung und der Diversifizierung internationaler Handelsbeziehungen, und die dabei auf den günstigsten und zuletzt renditestärksten verfügbaren Zugang Wert legen. Wegen der bevorstehenden Präsidentschaftswahl im Oktober 2026 sowie der grundsätzlichen Abhängigkeit von Rohstoffpreisen und der Landeswährung sollten Anleger in den kommenden Wochen mit einer erhöhten Schwankungsbreite rechnen. Und wegen der Konzentration auf ein einzelnes Schwellenland eignet sich der Fonds nicht als Grundbaustein, sondern als gezielte Beimischung für risikobewusste Anleger mit langem Anlagehorizont.

Daniel Dünn, Redaktion TraderFox (finanzen.net)

Dieser Artikel stellt keine Anlageberatung dar. Aktien-ETFs unterliegen Kursschwankungen, zwischenzeitliche Verluste sind möglich. Investitionen in einzelne Schwellenländer sind mit einem erhöhten politischen und wirtschaftlichen Risiko gegenüber etablierten Industrieländermärkten verbunden.

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Bildquellen: Filipe Frazao / Shutterstock.com, Filipe Matos Frazao / Shutterstock.com

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