Frankfurter Modern Value ETF: starke Eigentümer und ein Burggraben, den kaum ein Konkurrent überwinden kann

Der ETF beinhaltet nur 25 Aktien, denn er filtert nach zwei strengen Kriterien. Wir erklären deshalb, was Eigentümerstruktur und Economic Moat bedeuten und welchen Einfluss sie auf die Rendite haben.
Werte in diesem Artikel
Das Wichtigste in Kürze:
- Wer kürzlich auf unseren Artikel über den spannenden, aber in Deutschland nicht handelbaren Invesco S&P Spin-Off ETF gestoßen ist, findet in diesem Fonds eine ähnlich argumentierende, aber problemlos zugängliche Alternative.
- Nur 25 Unternehmen schaffen es in diesen Fonds, ausgewählt nach zwei strengen Kriterien: einer starken Eigentümerstruktur und einem dauerhaften wirtschaftlichen Wettbewerbsvorteil.
- 2023 legte der Fonds um fast 30 Prozent zu, im laufenden Jahr ist dagegen fast nichts passiert. Wir erklären warum.
Eine Alternative zum nicht handelbaren US-Konzept: Was diesen ETF besonders macht
Vor Kurzem haben wir uns mit dem Invesco S&P Spin-Off ETF beschäftigt, einem spannenden US-Fonds, der gezielt auf frisch abgespaltene Unternehmen setzt. Leider ist dieser ETF für deutsche Privatanleger nicht regulär handelbar, und ein direktes europäisches Pendant mit identischer Methodik existiert nicht. Der Frankfurter UCITS ETF Modern Value verfolgt jedoch eine verwandte Grundidee: Statt auf den kurzfristigen Sondereffekt einer Unternehmensabspaltung zu setzen, sucht dieser Fonds gezielt nach Unternehmen mit besonders stabilen, auf Dauer angelegten Strukturen, die sich am Markt gegen Wettbewerber durchsetzen können. Aufgelegt wurde der Fonds am 30. Juni 2022 von der Frankfurter Vermögensverwaltung Shareholder Value Management gemeinsam mit der Luxemburger Kapitalverwaltungsgesellschaft Axxion. Der Fonds bildet den Frankfurter Modern Value Index nach, einen gleichgewichteten, weltweiten Aktienindex mit nur 25 Unternehmen, physisch und vollständig repliziert, mit vierteljährlichem Rebalancing jeweils am zweiten Freitag der Monate März, Juni, September und Dezember.
Starke Eigentümer, dauerhafter Wettbewerbsvorteil: Wie der Index seine Unternehmen auswählt
Der Auswahlprozess beginnt mit einem breiten Anlageuniversum aus Industrieländern, das zunächst durch Ausschlusskriterien für nicht nachhaltige Geschäftsfelder sowie durch Handelbarkeitsfilter eingeschränkt wird. Die verbleibenden Unternehmen werden anschließend von den Analysten des Frankfurter Fondshauses fundamental und qualitativ geprüft, bevor sie auf eine Beobachtungsliste gelangen. Entscheidend für die endgültige Auswahl ist eine Kennzahl namens Total Shareholder Return, welche die erwartete Gesamtrendite eines Investors über die kommenden fünf Jahre abbildet, zusammengesetzt aus Kurssteigerung, Dividenden, Aktienrückkäufen, Wachstum und der Rendite auf reinvestiertes Kapital. In den Index schaffen es die 25 Unternehmen mit dem höchsten prognostizierten Wert dieser Kennzahl. Zwei qualitative Kriterien spielen bei der Vorauswahl eine zentrale Rolle. Mit einer starken Eigentümerstruktur ist gemeint, dass ein Unternehmen über langfristig orientierte, stabile Eigentümer verfügt, etwa Gründerfamilien mit dauerhafter Kontrollmehrheit oder ein Management mit spürbarem eigenen Kapitaleinsatz, was die Interessen von Eigentümern und Aktionären eng aneinander koppelt und kurzfristigem, quartalsgetriebenem Handeln entgegenwirkt. Der wirtschaftliche Burggraben, auf Englisch Economic Moat, ein von Warren Buffett geprägter Begriff, beschreibt dagegen einen dauerhaften strukturellen Vorteil gegenüber Wettbewerbern, etwa durch Skaleneffekte, Markenstärke, Patente oder hohe Wechselkosten für Kunden, der die Ertragskraft eines Unternehmens auch über Jahrzehnte vor Verdrängung schützen soll. Ergänzt wird das um harte fundamentale Kennzahlen wie eine gesunde Bilanz, eine beständig überdurchschnittliche Eigenkapitalrendite und einen niedrigen Verschuldungsgrad. Der Vorteil dieser Kombination liegt auf der Hand: Unternehmen, die sowohl von eng verzahnten, langfristig denkenden Eigentümern geführt werden als auch über einen strukturellen Vorteil verfügen, gelten als besonders widerstandsfähig gegenüber kurzfristigen Markteinbrüchen und Wettbewerbsdruck, was das Risiko für Anleger reduzieren soll, ohne auf Renditechancen zu verzichten.
Gleichgewichtung bei nur 25 Werten: Vor- und Nachteile
Anders als viele größere Indizes gewichtet dieser Fonds seine Positionen nicht nach Marktkapitalisierung, sondern rechnerisch gleich, jedes Unternehmen erhält bei der vierteljährlichen Überprüfung ein Ausgangsgewicht von 4 Prozent. Der Vorteil: Kein einzelnes, besonders stark gestiegenes Unternehmen kann den Fonds dominieren, und Gewinne werden bei jeder Überprüfung systematisch in die zurückgebliebenen Werte umgeschichtet. Der Nachteil zeigt sich allerdings bei nur 25 Positionen deutlich: Selbst mit Gleichgewichtung trägt jede einzelne Position ein spürbares Gewicht von rund 4 Prozent, deutlich mehr als die oft unter einem Prozent liegenden Einzelgewichte in breiten Indizes mit hunderten oder tausenden Werten. Die Gleichgewichtung mildert das Konzentrationsrisiko also nur bedingt, da die grundsätzlich geringe Anzahl an Positionen die Diversifikation stärker begrenzt als die Gewichtungsmethode selbst.
Nicht der kleinste, aber der teuerste unter vier Burggraben-ETFs
Unter den vier in Deutschland verfügbaren Burggraben-ETFs liegt dieser Fonds mit 0,54 Prozent laufenden Kosten pro Jahr knapp über dem VanEck Morningstar Global Wide Moat UCITS ETF mit 0,52 Prozent sowie dem aktiv gemanagten Xtrackers Global Growth Leaders Active UCITS ETF mit 0,50 Prozentund deutlich über dem L&G Global Brands UCITS ETF mit 0,39 Prozent. Mit einem Fondsvolumen von 73 Millionen Euro ist der Frankfurter-ETF der zweitgrößte in diesem Vergleich, nach dem VanEck-Pendant mit 148 Millionen Euro.
Merck KGaA, Ryanair und Allianz: Eigentümerstruktur und Burggraben im Detail
Da die Zusammensetzung allein davon abhängt, welche Werte seit der letzten Überprüfung am stärksten gestiegen sind, hilft ein Blick auf die aktuellen Top-3-Positionen, das Auswahlprinzip besser zu verstehen. Größte Position ist mit 4,35 Prozent Merck KGaA, deren Eigentümerstruktur geradezu ein Lehrbuchbeispiel für das Auswahlkriterium ist: Rund 70 Prozent der Anteile liegen bei der Gründerfamilie über die E. Merck KG, nur etwa 30 Prozent befinden sich im freien Streubesitz. Der wirtschaftliche Burggraben des Pharma-, Life-Science- und Elektronikkonzerns liegt in seiner breiten Diversifizierung über mehrere margenstarke Geschäftsfelder sowie einer jahrzehntelang gewachsenen Forschungs- und Patentbasis. Auf Platz zwei folgt mit 4,32 Prozent Ryanair. Die irische Fluggesellschaft wird seit Jahrzehnten von einer außergewöhnlich disziplinierten, kostenfokussierten Führung geprägt, deren wirtschaftlicher Burggraben in der mit Abstand niedrigsten Kostenstruktur unter Europas Fluggesellschaften liegt, erreicht durch eine einheitliche Flotte, hohe Flugzeugauslastung und den gezielten Einsatz kleinerer Regionalflughäfen. An dritter Stelle steht mit 4,25 Prozent Allianz, einer der weltweit größten Versicherungs- und Vermögensverwaltungskonzerne. Der Burggraben liegt hier in der schieren Größe, der globalen Diversifizierung über Versicherungssparten und Vermögensverwaltung sowie einer stabilen, auf Kapitaldisziplin ausgerichteten Unternehmensführung mit langjährig etablierter institutioneller Eigentümerbasis.
Eine seltene Branchenbalance: Finanzwesen, Gesundheit, Technologie und Industrie fast gleichauf
Nach Branchen zeigt sich eine für einen Aktienfonds ungewöhnlich ausgewogene Verteilung. Finanzwesen führt mit 24,59 Prozent, dicht gefolgt von Gesundheitswesen mit 24,06 Prozent, Technologie mit 19,97 Prozent und Industrie mit 15,94 Prozent. Der Vorteil dieser Balance liegt darin, dass der Fonds nicht wie viele US-lastige ETFs von einer einzigen Branche wie Technologie dominiert wird, was das Risiko branchenspezifischer Rückschläge streut. Der Nachteil: Andere Branchen wie Energie, Grundstoffe, Versorger oder Immobilien sind in der aktuellen Zusammensetzung kaum oder gar nicht vertreten, sodass der Fonds trotz seiner Balance unter den vier Hauptbranchen insgesamt weniger breit aufgestellt ist als ein klassischer Welt-ETF.
80 Prozent Europa, aber nicht ohne die USA: Regionale Verteilung als Depot-Ergänzung
Regional entfallen rund 81 Prozent des Fonds auf Europa, davon 28,6 Prozentpunkte auf den deutschsprachigen Raum Deutschland, Österreich und Schweiz und weitere 52,3 Prozentpunkte auf das übrige Europa, während Nordamerika mit etwas mehr als 19 Prozent vertreten ist. Diese Verteilung macht den Fonds zu einer interessanten Ergänzung für Anleger mit ohnehin stark US-lastigen Depots. Die USA und ihre Renditepotenziale werden nicht komplett ausgeklammert, machen aber nur einen kleinen Teil des Fonds aus, während der klare Schwerpunkt auf europäischen Qualitätsunternehmen liegt, die in vielen klassischen Welt-ETFs kaum eine Rolle spielen.
Starke erste Jahre, ruhiges laufendes Jahr: Was die Rendite erklärt
Seit Auflage im Sommer 2022 zeigt der Fonds in allen drei vollen Kalenderjahren eine mindestens attraktive Rendite. 2023 legte er um 29,64 Prozent zu, getragen von der allgemeinen Markterholung nach dem Zinsschock des Vorjahres, von der besonders robuste, bilanzstarke Qualitätsunternehmen profitierten. 2024 und 2025 folgten mit 8,99 und 10,29 Prozent moderatere, aber weiterhin solide Jahre. Im laufenden Jahr hat sich die Entwicklung dagegen auf ein Minus von 0,42 Prozent eingependelt, wofür sich am Beispiel der zweitgrößten Position ein konkreter Grund finden lässt: Ryanair musste zuletzt spürbare Gewinnbelastungen durch den eskalierenden Nahost-Konflikt hinnehmen, der die Treibstoffkosten und die allgemeine Reiseplanungssicherheit europäischer Fluggesellschaften belastet. Ob die grundsätzliche Systematik des Fonds auch langfristig eine mindestens solide Rendite wahrscheinlich macht, lässt sich aufgrund der noch jungen, gut dreijährigen Historie nicht abschließend beurteilen, die bisherige Erfolgsbilanz spricht aber für den grundsätzlichen Ansatz, gezielt auf bilanzstarke, wettbewerbsgeschützte Unternehmen mit stabiler Eigentümerstruktur zu setzen, auch wenn einzelne Jahre wie das laufende von externen Einflüssen geprägt sein können. Bei der Volatilität liegt der Fonds über ein und drei Jahre bei rund 13 Prozent, ein für einen konzentrierten 25-Werte-Fonds moderater Wert, der maximale Verlust über drei Jahre bei minus 15,07 Prozent. Angesichts der noch kurzen Historie seit 2022, die bislang keine ausgeprägte, mehrjährige Krisenphase enthält, sollten diese Risikokennzahlen als vorläufig betrachtet werden, belastbarere Aussagen lassen sich erst mit einer längeren Historie treffen.
Für welche Strategie sich dieser Burggraben-ETF eignet
Der Fonds eignet sich für Anleger, die gezielt auf besonders widerstandsfähige, von langfristig orientierten Eigentümern geführte Qualitätsunternehmen mit strukturellem Wettbewerbsvorteil setzen möchten, statt breit über den gesamten Markt zu streuen, und die dabei bereit sind, eine höhere Konzentration auf nur 25 Positionen und die damit verbundenen Kosten in Kauf zu nehmen. Als Ergänzung zu einem oft US- und technologielastigen Basisdepot bietet der Fonds durch seinen europäischen Schwerpunkt sowie die ausgewogene Branchenverteilung einen echten Diversifikationsvorteil. Ein mittel- bis langfristiger Anlagehorizont sowie das Bewusstsein für die noch junge Historie und die im Vergleich zu breiteren ETFs höhere Kostenquote sind für dieses Investment hilfreich.
Daniel Dünn, Redaktion TraderFox (finanzen.net)
Dieser Artikel stellt keine Anlageberatung dar. Aktien-ETFs unterliegen Kursschwankungen, zwischenzeitliche Verluste sind möglich.
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| 13.05.2026 | Allianz Neutral | UBS AG |
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