Europa-ETF

Amundi Core MSCI Europe: Fünf Länder tragen diesen Europa-ETF nahezu gleichmäßig

27.07.26 10:35 Uhr

Amundi Core MSCI Europe UCITS ETF Acc (LU1437015735) im Check: Kosten, Top-Positionen und Länderverteilung | finanzen.net

Fünf Länder tragen diesen Europa-ETF nahezu gleichmäßig, ein seltener Kontrast zur sonst üblichen Dominanz eines einzigen Landes in vielen anderen ETFs.

Das Wichtigste in Kürze:

  • Fünf Länder tragen diesen Europa-ETF nahezu gleichmäßig, ein seltener Kontrast zur sonst üblichen Konzentration auf ein einzelnes Land in vielen anderen ETFs.
  • Eine einzige Position wiegt in den Top 10 doppelt so schwer wie alle anderen, und der Grund dafür sagt viel über Europas wertvollstes Unternehmen aus.
  • 2022 verlor der Fonds knapp 9 Prozent, danach folgten drei Jahre mit teils zweistelligen Gewinnen, ein Muster mit klar benennbaren Ursachen.

Fünf Länder statt einem: Wie der Amundi Core MSCI Europe zusammengesetzt ist

Der Amundi Core MSCI Europe UCITS ETF Acc bildet den MSCI Europe Index nach, der große und mittelgroße Unternehmen aus 15 europäischen Industrieländern bündelt und nach Marktkapitalisierung gewichtet. Der Fonds repliziert seinen Index physisch und vollständig und thesauriert seine Erträge. Bei den Kosten liegt er mit 0,12 Prozent pro Jahr gleichauf mit den beiden großen iShares-Varianten und dem Xtrackers MSCI Europe UCITS ETF, günstiger nur der UBS Core MSCI Europe UCITS ETF mit 0,06 Prozent, teurer dagegen der Deka MSCI Europe UCITS ETF mit 0,30 Prozent. Mit einem Fondsvolumen von 4,1 Milliarden Euro und einem Auflagedatum vom Juni 2016 zählt der Fonds zu den etablierten, breit gehandelten Anbietern in diesem Marktsegment.

Warum ASML fast doppelt so schwer wiegt wie jede andere Top-10-Position

Die zehn größten Positionen vereinen 20,57 Prozent des Fondsvermögens, bei insgesamt 418 Werten ein für einen Europa-ETF moderater Konzentrationsgrad. Auffällig ist dabei ASML Holding mit 4,35 Prozent, deutlich vor der zweitgrößten Position HSBC Holdings mit 2,27 Prozent. Der Grund dafür liegt in der Marktkapitalisierungsgewichtung des Index: ASML ist als praktisch konkurrenzloser Hersteller von Lithografie-Anlagen für modernste Chipfertigung das mit Abstand wertvollste Technologieunternehmen Europas und einer der wenigen europäischen Konzerne, die von der globalen KI- und Halbleiter-Nachfrage in ähnlichem Ausmaß profitieren wie die großen US-Technologiewerte. Diese hohe Bewertung schlägt sich direkt in einem überproportionalen Indexgewicht nieder, während die übrigen Top-10-Positionen aus Pharma, Finanzwesen und Konsumgütern jeweils deutlich kleinere, aber ähnlich große Anteile untereinander aufweisen.

Fünf Länder mit relevantem Gewicht: Ein seltener Kontrast zur üblichen Länderdominanz

Bei der Länderverteilung zeigt sich eine für ETFs ungewöhnlich ausgewogene Struktur: Großbritannien führt mit 19,24 Prozent, gefolgt von Deutschland mit 13,87 Prozent, der Schweiz mit 12,55 Prozent, Frankreich mit 12,39 Prozent und den Niederlanden mit 9,46 Prozent. Fünf Länder tragen den Fonds damit nahezu gleichmäßig, ein deutlicher Unterschied zu vielen anderen ETFs, in denen ein einzelnes Land, meist die USA, den Löwenanteil stellt und oft nur ein zweites Land überhaupt nennenswert vertreten ist. Besonders die Gewichtung Großbritanniens als größte Einzelposition verdient eine genauere Einordnung: Der britische Aktienmarkt gilt nach Jahren der Zurückhaltung seit 2026 wieder als attraktiv, gestützt von spürbar günstigeren Bewertungen im Vergleich zu anderen Industrieländern, sinkenden Leitzinsen der Bank of England, einem kürzlich geschlossenen Handelsabkommen mit den USA sowie einer sich spürbar aufhellenden Unternehmensstimmung. Traditionell stark vertretene britische Branchen wie Banken, Versicherungen, Energie und Bergbau profitieren dabei besonders von dieser Kombination aus günstiger Bewertung und wieder anziehender Konjunktur.

Finanzdienstleister und Industrie: Die beiden größten Branchen im Fonds

Nach Sektoren führt Finanzdienstleistungen mit 22,58 Prozent vor Industrie mit 18,07 Prozent. Der europäische Bankensektor hat sich seit der Zinswende 2022 zu einem der stärksten Sektoren Europas entwickelt: Die Zinserhöhungen der Europäischen Zentralbank ließen die Zinserträge der Banken nach einem Jahrzehnt der Nullzinsphase kräftig steigen, und obwohl die EZB seit 2024 die Leitzinsen wieder senkt, wächst der Zinserfolg der Banken laut Analysteneinschätzungen weiterhin, wenn auch langsamer, da sich Zinsänderungen nur allmählich auf den Bankenmarkt durchschlagen. Hinzu kommen weiterhin attraktive Bewertungen nahe dem langjährigen Durchschnitt sowie hohe Dividendenrenditen und umfangreiche Aktienrückkäufe, die den Sektor stützen. Die Industriebranche profitiert dagegen von mehreren strukturellen Rückenwinden, darunter der europaweite Ausbau von Verteidigungs- und Infrastrukturausgaben sowie die fortschreitende Energiewende, auch wenn einzelne Industriezweige weiterhin unter internationalem Wettbewerbsdruck stehen.

Vom Zinsschock zur Erholung: Was 2022 und die Folgejahre erklärt

2022 verlor der Fonds 9,25 Prozent, ausgelöst durch die schnellen und massiven Leitzinserhöhungen der großen Notenbanken, die besonders hoch bewertete Wachstumswerte unter Druck setzten, verstärkt durch die Energiekrise infolge des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine, die insbesondere energieintensive europäische Industrieunternehmen belastete. Ab 2023 drehte sich das Bild: Die Zinserhöhungen liefen aus, die Inflation begann zu sinken, und sowohl der europäische Bankensektor als auch Technologiezulieferer wie ASML profitierten von den beschriebenen Entwicklungen. 2023 legte der Fonds um 16,06 Prozent zu, 2024 um 8,78 Prozent und 2025 sogar um 19,67 Prozent, im laufenden Jahr steht bereits ein Plus von 11,62 Prozent zu Buche. Bei der Volatilität zeigt sich der Fonds bemerkenswert stabil: Sie liegt über ein, drei und fünf Jahre durchgehend zwischen 12 und 14 Prozent, ohne auffällige Ausreißer. Auch die maximalen Kursrückgänge fallen moderat aus: Über fünf Jahre liegt der maximale Verlust bei minus 19,37 Prozent, seit Auflage im Jahr 2016 bei minus 35,27 Prozent, ein für einen Aktien-ETF mit fast zehnjähriger Historie nicht ungewöhnlicher Wert, der zudem das Krisenjahr 2022 mit einschließt.

ASML, HSBC und Roche: Die Schwergewichte im Fonds

Größte Position ist ASML Holding mit 4,35 Prozent. Der Konzern meldete für das zweite Quartal 2026 einen Nettoumsatz von 9,3 Milliarden Euro und einen Nettogewinn von 2,9 Milliarden Euro und erreichte zudem einen wichtigen Reifegrad-Meilenstein für seine High-NA-EUV-Technologie, die erstmals ein Logik-Produkt in hohem Volumen erreicht hat, ein wichtiger Fortschritt für die nächste Generation modernster Chipfertigung. Auf Platz zwei folgt HSBC Holdings mit 2,27 Prozent. Die britische Großbank kündigte zuletzt an, ihr Geschäft in der Türkei künftig stärker auf internationale Firmenkunden zu fokussieren, ein Beleg für die gezielte Ausrichtung auf besonders profitable, global vernetzte Kundensegmente. An dritter Stelle steht Roche Holding mit 2,07 Prozent. Der Basler Pharmakonzern erhielt zuletzt eine positive Empfehlung der europäischen Zulassungsbehörde für sein Medikament Susvimo als erste kontinuierliche Behandlungsoption gegen eine altersbedingte Netzhauterkrankung und meldete zudem ein Umsatzwachstum von 6 Prozent zu konstanten Wechselkursen im ersten Halbjahr 2026.

Für welche Strategie sich dieser Europa-ETF eignet

Der Fonds eignet sich als gezielte Ergänzung für Anleger, die ihr oft stark US-lastiges Depot, etwa durch einen MSCI-World- oder S&P-500-ETF, um eine breit gestreute europäische Position ergänzen möchten, ohne sich dabei auf ein einzelnes europäisches Land zu beschränken. Die ungewöhnlich ausgewogene Verteilung über fünf Länder sowie die Streuung über Finanzwesen, Industrie, Gesundheitswesen und Technologie sprechen für eine sinnvolle Diversifikation gegenüber der sonst üblichen US-Technologielastigkeit vieler Basisinvestments. Ein mittel- bis langfristiger Anlagehorizont sowie das Bewusstsein für die weiterhin bestehende Abhängigkeit von der europäischen Konjunktur- und Zinsentwicklung sind für dieses Investment hilfreich einzuordnen.

Daniel Dünn, Redaktion TraderFox (finanzen.net)

Dieser Artikel stellt keine Anlageberatung dar. Aktien-ETFs unterliegen Kursschwankungen, zwischenzeitliche Verluste sind möglich.

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Bildquellen: nito / Shutterstock.com, Victor Maschek / Shutterstock.com

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