Xtrackers Physical Gold ETC: Was Gold-Anleger jetzt über die Marktlage wissen sollten

Erst zwei Rekordjahre in Folge, dann eine deutliche Verschnaufpause. Wir klären die Frage, wie es 2025 zu einem Plus von 45 Prozent und jetzt zu einem Rückgang von fast 12 Prozent binnen sechs Monaten kam.
Das Wichtigste in Kürze:
- Mit 0,25 Prozent laufenden Kosten pro Jahr ist dieser ETC mehr als doppelt so teuer wie die drei größten Konkurrenten von iShares, Invesco und Amundi, die jeweils 0,12 Prozent verlangen.
- 2025 legte der Goldpreis um 45,52 Prozent zu, in den vergangenen sechs Monaten kam es dagegen zu einem Rückgang von 11,88 Prozent.
- Auch bei Xetra-Gold, das mit 0,00 Prozent Kosten wirbt, zahlen Anleger tatsächlich, nur eben nicht in Form einer klassischen Verwaltungsgebühr.
Was dieser Gold-ETC abbildet, und worauf Anleger damit setzen
Der Xtrackers Physical Gold ETC (EUR) bildet die Wertentwicklung des Goldpreises nach, genauer den LBMA Gold Price. Der ETC ist vollständig durch physisch hinterlegtes Gold gedeckt, das in London bei der Deutschen Bank AG und bei JP Morgan Chase verwahrt wird. Wer diesen ETC kauft, erwirbt wirtschaftlich einen Anteil an real existierendem, eingelagertem Gold, ohne es selbst physisch besitzen zu müssen. Rechtlich handelt es sich dabei nicht um ein Sondervermögen wie bei einem klassischen Fonds, sondern um eine sogenannte Inhaberschuldverschreibung, also eine Art Anleihe. Der Anleger hat eine Forderung gegenüber dem Emittenten, den Wert des hinterlegten Goldes auszuzahlen oder zu liefern, wobei die zugrunde liegenden Goldbestände zugunsten eines Treuhänders verpfändet sind, um sie im Insolvenzfall des Emittenten vor dem Zugriff anderer Gläubiger zu schützen. Der ETC ist bereits seit August 2010 am Markt und mit einem Fondsvolumen von 2,38 Milliarden Euro entsprechend etabliert.
Warum dieser ETC doppelt so viel kostet wie die Konkurrenz, und ob das gerechtfertigt ist
Mit 0,25 Prozent laufenden Kosten pro Jahr liegt dieser ETC deutlich über den 0,12 Prozent, die die großen Konkurrenten von iShares, Invesco und Amundi verlangen. Bei der Prüfung, ob sich dieser Preisunterschied durch eine unterschiedliche Konstruktion der Inhaberschuldverschreibung oder eine andere Art der Besicherung erklären lässt, zeigt sich: Grundsätzlich funktionieren alle vier Produkte nach demselben Prinzip, einer mit physischen Goldbeständen besicherten Schuldverschreibung, ohne dass sich eine grundsätzlich bessere oder schlechtere Absicherung für den Anleger feststellen lässt. Der plausibelste Grund für den Preisunterschied liegt stattdessen im Alter und der Herkunft des Produkts. DerETC wurde bereits 2010 unter einer älteren, in Jersey ansässigen Rechtsstruktur aufgelegt, aus einer Zeit, in der Gold-ETCs allgemein noch teurer waren. Xtrackers selbst bietet inzwischen mit dem neueren, in Irland ansässigen Xtrackers IE Physical Gold ETC Securities eine Alternative für nur 0,11 Prozent an, physisch ebenso vollständig besichert. Ältere, etablierte Fonds mit bereits treuer Anlegerbasis werden dabei nicht automatisch im Preis an neuere, gezielt auf niedrige Kosten ausgelegte Konkurrenzprodukte angepasst. Wirklich gerechtfertigt im Sinne eines Mehrwerts für den Anleger ist der höhere Preis damit nicht. Wer ausschließlich auf die Kosten schaut, findet mit den günstigeren Alternativen ein nahezu identisches Produkt. Auch der auf den ersten Blick kostenlose Xetra-Gold ist keine echte Ausnahme: Dort fällt zwar keine klassische Verwaltungsgebühr an, dafür aber separat ausgewiesene Lagerkosten von rund 0,36 Prozent pro Jahr, die technisch anders verbucht werden, wirtschaftlich aber genauso wirken wie eine laufende Gebühr.
Vor- und Nachteile gegenüber physischem Gold, und ob eine Kombination sinnvoll ist
Gegenüber dem Kauf von Münzen oder Barren beim Händler bietet dieser ETC mehrere Vorteile. Er lässt sich wie eine Aktie über die Börse handeln, ist in kleinen Beträgen teilbar und damit auch sparplanfähig, verursacht keine Kosten für Tresor, Versicherung oder sicheren Transport, und der Spread zwischen An- und Verkaufspreis fällt in der Regel deutlich geringer aus als beim Münz- oder Barrenhandel. Physisches Gold im eigenen Besitz bietet dafür einen Vorteil, den ein ETC grundsätzlich nicht bieten kann: die vollständige Unabhängigkeit vom Finanzsystem, ohne Verwahrstelle, Börse oder Emittentin dazwischen, was gerade in Extremszenarien für manche Anleger ein entscheidendes Kriterium ist. Eine Kombination aus beidem kann durchaus sinnvoll sein. Der ETC eignet sich gut für den renditeorientierten, liquiden Teil einer Goldposition, den man unkompliziert handeln und ins Depot integrieren möchte, während ein kleinerer Anteil an physisch selbst verwahrtem Gold als zusätzliche, vom Finanzsystem unabhängige Absicherung dienen kann, etwa für den Krisenfall. Welche Gewichtung zwischen beiden Formen sinnvoll ist, hängt davon ab, wie stark der einzelne Anleger Wert auf Liquidität und einfache Handelbarkeit gegenüber vollständiger physischer Unabhängigkeit legt.
Warum der Goldpreis 2024 und 2025 so stark stieg, und weshalb er zuletzt wieder nachgab
2024 legte der Goldpreis um 34,3 Prozent zu, 2025 sogar um 45,5 Prozent, eines der stärksten Goldjahre der Geschichte. Die US-Notenbank senkte im Jahresverlauf 2025 mehrfach die Leitzinsen, was zinslos gehaltenes Gold im Vergleich zu verzinsten Anlagen attraktiver machte, gleichzeitig kauften Notenbanken weltweit in großem Stil Gold für ihre Währungsreserven, um sich unabhängiger vom US-Dollar zu machen. Hinzu kam anhaltende geopolitische Unsicherheit, die die klassische Rolle von Gold als sicherer Hafen stärkte. In den vergangenen sechs Monaten zeigt sich dagegen mit einem Rückgang von 11,9 Prozent ein deutlich schwächeres Bild. Nachdem der Goldpreis Anfang 2026 ein neues Rekordhoch erreicht hatte, kam es zu einer spürbaren Korrektur, ausgelöst durch veränderte Erwartungen an die US-Zinspolitik, die sich von weiteren Senkungen hin zu einer möglicherweise strafferen Linie verschoben haben, verbunden mit einem zeitweise festeren US-Dollar und nachlassenden Zuflüssen in goldgedeckte Fonds. Nicht jedes Jahr verläuft hierbei so turbulent wie die vergangenen beiden. 2023 legte der Goldpreis nur moderat um 2,7 Prozent zu, 2022 gab es mit minus 0,7 Prozent sogar ein nahezu unverändertes Jahr. Gold kann also durchaus auch über längere Phasen hinweg wenig Bewegung zeigen, bevor sich wie 2024 und 2025 eine außergewöhnliche Rally entwickelt.
Fazit: Für wen sich dieser Gold-ETC eignet
Der ETC eignet sich als unkomplizierter, börsengehandelter Baustein zur Diversifikation eines bereits aus Aktien und Anleihen bestehenden Depots, etwa zur Absicherung gegen geopolitische Unsicherheit oder eine mögliche Abwertung von Währungen. Wer sich gezielt für diesen Anbieter entscheidet, etwa aus Vertrautheit mit der Marke Xtrackers oder weil er bereits andere Xtrackers-Produkte im Depot hält, sollte sich der höheren Kosten bewusst sein und prüfen, ob nicht die hauseigene, günstigere Variante oder ein vergleichbares Produkt von iShares, Invesco oder Amundi mit identischer physischer Besicherung die bessere Wahl ist. Ein mittel- bis langfristiger Anlagehorizont sowie die Bereitschaft, auch mehrmonatige oder mehrjährige Konsolidierungsphasen wie zuletzt auszuhalten, sind für dieses Investment hilfreich einzuordnen.
Daniel Dünn, Redaktion TraderFox (finanzen.net)
Dieser Artikel stellt keine Anlageberatung dar. Auch Gold unterliegt Kursschwankungen, zwischenzeitliche Verluste sind möglich.
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