VanEck Gold Miners ETF: Warum Goldminenaktien bei steigendem Goldpreis überproportional profitieren
Plus 126 Prozent im besten Jahr, aber minus 37 Prozent binnen der vergangenen zwölf Monate. Dieser Goldminen-ETF zeigt, was der operative Hebel auf den Goldpreis in beide Richtungen bedeuten kann.
Werte in diesem Artikel
Das Wichtigste in Kürze:
- Anders als ein klassischer Gold-ETC investiert dieser Fonds in Aktien von Goldförderunternehmen, die bei steigendem Goldpreis überproportional von wachsenden Gewinnmargen profitieren können.
- 2025 legte der Fonds um 126,1 Prozent zu, deutlich mehr als das Doppelte der bereits außergewöhnlich starken 45,7 Prozent eines klassischen Gold-ETCs im selben Jahr.
- Kanada dominiert die Länderverteilung mit 54,5 Prozent, weit vor den USA, ein Ergebnis der historisch gewachsenen Rolle Kanadas als globales Finanzierungszentrum für den Bergbau.
Der operative Hebel: Was Goldminenaktien von physischem Gold unterscheidet
Der VanEck Gold Miners UCITS ETF bildet den NYSE Arca Gold Miners Index nach, der überwiegend börsennotierte Unternehmen aus dem Bereich der Gold- und Silberförderung bündelt. Anders als ein klassischer Gold-ETC, der lediglich die Wertentwicklung des physischen Goldpreises abbildet, investiert dieser Fonds in operativ tätige Unternehmen, deren Gewinne von der Differenz zwischen dem Goldpreis und ihren eigenen Förderkosten abhängen. Die Förderkosten einer Mine, etwa für Personal, Energie und Maschinen, bleiben hierbei kurzfristig weitgehend konstant. Steigt der Goldpreis, fließt ein überproportional großer Teil der zusätzlichen Erlöse direkt in die Gewinnmarge. Liegen die gesamten Förderkosten eines Unternehmens beispielsweise bei 1.200 US-Dollar je Feinunze und der Goldpreis steigt von 1.500 auf 1.600 US-Dollar, steigt der Gewinn um etwa 33 Prozent. Dieser operative Hebel funktioniert allerdings in beide Richtungen. Fällt der Goldpreis, sinken die Gewinnmargen der Förderer überproportional stark. Ein Goldminen-ETF eignet sich also besonders für risikobereitere Anleger, die eine verstärkte, gehebelte Wette auf die Richtung des Goldpreises eingehen möchten, ergänzt um Aspekte wie Dividenden und Aktienrückkäufe, die ein reiner Gold-ETC naturgemäß nicht bieten kann.
Wie die Auswahl und Gewichtung erfolgt
Aufgenommen werden überwiegend Unternehmen, die den Großteil ihrer Erlöse aus der Goldförderung erzielen, gewichtet nach einer modifizierten Marktkapitalisierung. Eine wichtige Sonderregel begrenzt dabei den kombinierten Anteil von Unternehmen, deren Erträge maßgeblich vom Silberbergbau abhängen, auf maximal 20 Prozent des gesamten Index, wodurch der Fonds trotz seines Namens auch einige Silberförderer wie Wheaton Precious Metals und Pan American Silver enthält, ohne dass diese den Fonds dominieren können. Unter acht verfügbaren Goldminen-ETFs ist dieser Fonds mit 3,9 Mrd. Euro Fondsvolumen ganz knapp der zweitgrößte hinter dem iShares Gold Producers UCITS ETF, bei den Kosten mit 0,53 Prozent pro Jahr aber ein kleines Stück günstiger. Auch innerhalb der Top 5 nach Fondsvolumen findet sich keine günstigere Variante, die einzige preiswertere Option unter allen acht verfügbaren Goldminen-ETFs kostet zwar nur 0,43 Prozent, kommt mit unter 500 Mio. Euro Fondsvolumen aber noch nicht annähernd an dieselbe Marktetablierung heran. Der Fonds repliziert seinen Index physisch und vollständig, thesauriert seine Erträge und wurde bereits im März 2015 aufgelegt.
Newmont und Agnico Eagle: Zwei Schwergewichte mit Rekordquartalen
Die zehn größten Positionen vereinen 58,5 Prozent des Fondsvermögens bei 59 enthaltenen Werten, ein für einen Themen-ETF hoher Konzentrationsgrad, wobei allein die beiden größten Positionen jeweils über 10 Prozent einbringen. Größte Position ist mit 10,61 Prozent Newmont, der weltweit größte Goldproduzent mit Minen auf mehreren Kontinenten, von Australien über Ghana bis Peru. Für das zweite Quartal 2026 meldete der Konzern eine Goldproduktion von 1,3 Millionen Feinunzen bei einem durchschnittlich erzielten Goldpreis von 4.414 US-Dollar je Unze sowie einen Nettogewinn von 2,2 Mrd. US-Dollar. Newmont zahlte zudem 1,9 Mrd. US-Dollar über Dividenden und Aktienrückkäufe an seine Aktionäre aus und bleibt auf Kurs, seine Jahresproduktionsprognose von 5,3 Millionen Unzen zu erreichen. Auf Platz zwei folgt mit 10,14 Prozent Agnico Eagle Mines, ein kanadischer Goldproduzent mit Schwerpunkt auf Minen in Kanada, Finnland, Mexiko und Australien. Der Konzern meldete für das zweite Quartal 2026 eine Goldproduktion von etwa 856.000 Unzen bei einem realisierten Goldpreis von 4.483 US-Dollar je Unze, was einem Plus von 36 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal entspricht, und einen Nettogewinn von 1,6 Mrd. US-Dollar. Agnico Eagle gab im selben Quartal 625 Mio. US-Dollar über Dividenden und Aktienrückkäufe an seine Aktionäre zurück und schloss zudem eine regionale Konsolidierung seiner finnischen Minenaktivitäten ab. Beide Beispiele zeigen anschaulich, wie stark etablierte Goldproduzenten aktuell von den hohen Goldpreisen profitieren, auch wenn deutlich gestiegene Förderkosten einen Teil dieser Gewinne bereits wieder aufzehren.
Warum Kanada und nicht die USA dominiert
Bei der Länderverteilung führt Kanada mit 54,5 Prozent klar vor den USA mit 22,3 Prozent, gefolgt von Australien mit 8,7 Prozent und Südafrika mit 5,1 Prozent. Der Grund für die kanadische Dominanz liegt in der historisch gewachsenen Rolle der Toronto Stock Exchange als globales Finanzierungs- und Notierungszentrum für die Bergbaubranche, wo sich seit Jahrzehnten besonders viele Gold- und Rohstoffförderunternehmen aus aller Welt listen lassen, selbst wenn ihre eigentlichen Minen in ganz anderen Ländern liegen. Positiv für Anleger ist dabei, dass immerhin vier Länder einen relevanten Anteil von mehr als 5 Prozent stellen, statt dass ein einzelnes Land den gesamten Fonds dominiert und alle übrigen Länder bedeutungslos bleiben.
Ein reiner Branchen-Fokus ohne Streuung über andere Sektoren
Da es sich um einen gezielten Goldminenbetreiber-ETF handelt, entfällt naturgemäß der gesamte Fonds auf den Bergbau- und Grundstoffsektor. Für Anleger bedeutet das eine vollständige Abhängigkeit von der Entwicklung des Goldpreises sowie den betrieblichen Rahmenbedingungen der Förderindustrie, ohne jede Streuung über andere Wirtschaftszweige, wie sie ein breiter gestreuter Fonds bieten würde. Wer diesen Fonds kauft, muss deshalb explizit von den Aussichten für den Goldpreis überzeugt sein, eine allgemeine Aktienmarktschwäche allein reicht als Kaufgrund nicht aus.
Vom moderaten Rückgang zur Rekordrendite: Wie der operative Hebel 2022 bis 2025 wirkte
2022 verlor der Fonds nur moderat 3,3 Prozent, 2023 legte er um 6,2 Prozent zu und 2024 um 17,1 Prozent, bevor 2025 mit 126,1 Prozent ein wahrer Rekordwert erreicht wurde. Diese Jahr für Jahr steigende Rendite lässt sich direkt mit dem operativen Hebel erklären. Da die Förderkosten der Minen über diesen Zeitraum vergleichsweise langsamer stiegen als der Goldpreis selbst, wuchsen die Gewinnmargen der Förderunternehmen zunehmend überproportional. Im Vergleich dazu erzielte ein klassischer Gold-ETC wie der iShares Physical Gold ETC 2022 bis 2024 mit 5,6, 9,7 und 34,5 Prozent noch bessere Ergebnisse, 2025 hängte der Goldminen-ETF den Gold-ETC mit seinen 45,7 Prozent dagegen deutlich ab. Im laufenden Jahr steht nach etwa 8,5 Monaten mit 11,7 Prozent zwar keine Wiederholung des Vorjahres bevor, aber dennoch eine zweistellige Rendite zu Buche, während der Gold-ETC im selben Zeitraum mit 2,6 Prozent deutlich verhaltener abschneidet.
Warum die Volatilität und der jüngste Kursrückgang so viel heftiger ausfallen als bei physischem Gold
Die Volatilität liegt über ein, drei und fünf Jahre zwischen 32,0 und 43,3 Prozent, deutlich höher als bei einem klassischen Gold-ETC. Das ist die direkte Kehrseite des operativen Hebels. Wenn Gewinnmargen bei steigendem Goldpreis überproportional wachsen, schwanken sie bei fallendem Goldpreis ebenso überproportional stark, was sich unmittelbar in den Aktienkursen der Förderunternehmen niederschlägt. Wie real dieses Risiko ist, zeigte sich in den vergangenen zwölf Monaten mit einem maximalen Kursrückgang von minus 37,1 Prozent, deutlich mehr als bei den meisten anderen Anlageklassen im selben Zeitraum. Nachdem der Goldpreis Anfang 2026 bei ungefähr 5.600 US-Dollar je Unze sein Rekordhoch erreicht hatte, korrigierte er in der Folge um etwa 25 Prozent auf 4.000 bis 4.400 US-Dollar, wobei Newmont von seinem eigenen Rekordhoch aus sogar um rund 30 Prozent nachgab. Der maximale Verlust der vergangenen fünf Jahre liegt bei minus 39,2 Prozent und seit Auflage im Jahr 2015 bei minus 45,3 Prozent. Beide Werte unterstreichen, dass Goldminenaktien trotz aktuell attraktiver Bewertungen, große Produzenten wie Newmont und Barrick Mining werden derzeit mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von knapp unter 10 gehandelt, deutlich stärker schwanken können als das zugrunde liegende Edelmetall selbst.
Für welche Anleger sich dieser Goldminen-ETF eignet
Der Fonds eignet sich für Anleger, die bewusst eine gehebelte, chancenreichere, aber auch deutlich risikoreichere Alternative zu physischem Gold suchen, und die von der langfristigen Preisentwicklung des Goldpreises überzeugt sind, ohne dabei auf zusätzliche Dividenden und Aktienrückkäufe der Förderunternehmen verzichten zu wollen. Wegen der extremen Konzentration auf einen einzelnen Rohstoffsektor sowie der erheblich höheren Schwankungsbreite eignet sich der Fonds nicht als Kernbaustein, sondern ausschließlich als gezielte, spekulative Beimischung für Anleger mit hoher Risikotoleranz und der Bereitschaft, auch heftige, zwischenzeitliche Rückschläge auszuhalten.
Daniel Dünn, Redaktion TraderFox (finanzen.net)
Dieser Artikel stellt keine Anlageberatung dar. Aktien-ETFs unterliegen Kursschwankungen, zwischenzeitliche Verluste sind möglich. Die Konzentration auf einen einzelnen Rohstoffsektor kann das Risiko im Vergleich zu breit gestreuten Fonds deutlich erhöhen.
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