Immobilienaktien gelten aktuell als einer der wenigen Sektoren, den die KI-Angst an den Börsen eher beflügelt als belastet

2022 verlor der Immobilien-ETF noch über 20 Prozent, jetzt legt er allein im laufenden Jahr fast 17 Prozent zu, und das bei einer deutlich geringeren Schwankung als in den Vorjahren.
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Das Wichtigste in Kürze:
- 2022 verlor dieser Immobilien-ETF über 20 Prozent, jetzt legt er allein im laufenden Jahr fast 17 Prozent zu, und das bei einer deutlich geringeren Schwankung als in den Vorjahren.
- Über die vergangenen drei Jahre lag die Ausschüttungsrendite stets zwischen 3 und 3,5 Prozent, ein attraktiver Nebeneffekt für Anleger mit Fokus auf passives Einkommen.
- Fast zwei Drittel des Fonds hängen dabei an der Entwicklung des US-Immobilienmarkts
Was Immobilien-ETFs von klassischen Aktien-ETFs unterscheidet, und warum sie eine sinnvolle Depotergänzung sein können
Ein Immobilien-ETF wie dieser investiert nicht direkt in Grundstücke oder Gebäude, sondern in börsennotierte Immobiliengesellschaften und sogenannte REITs, Real Estate Investment Trusts. Diese Unternehmen besitzen, vermieten und verwalten Immobilien wie Bürogebäude, Rechenzentren, Lagerhallen oder Pflegeeinrichtungen und müssen einen Großteil ihrer Mieteinnahmen als Dividende an die Aktionäre ausschütten. Für Anleger ergibt sich daraus ein Doppeleffekt: Sie profitieren einerseits von Kursgewinnen wie bei klassischen Aktien, andererseits von tendenziell höheren, regelmäßigen Ausschüttungen als bei den meisten anderen Branchen. Als Depotergänzung kann ein solcher Fonds sinnvoll sein, weil sich Immobilienaktien nicht immer im Gleichschritt mit anderen Aktienbranchen wie Technologie oder Industrie entwickeln, sie reagieren stattdessen besonders stark auf Zinsen, Mietentwicklungen und die konjunkturelle Nachfrage nach bestimmten Immobilienarten.
Wie der HSBC FTSE EPRA NAREIT Developed aufgebaut ist und was er kostet
Der HSBC FTSE EPRA NAREIT Developed UCITS ETF USD bildet den FTSE EPRA Nareit Developed Index nach, der die größten börsennotierten Immobiliengesellschaften und REITs aus Industrieländern weltweit bündelt. Gewichtet wird nach Marktkapitalisierung, größere Immobiliengesellschaften erhalten also mehr Gewicht im Fonds. Der Fonds repliziert seinen Index physisch und vollständig, schüttet seine Erträge vierteljährlich aus und ist bereits seit Juni 2011 am Markt. Bei den Kosten liegt er mit 0,24 Prozent pro Jahr am günstigsten unter allen verfügbaren Immobilien-ETFs, deutlich günstiger als etwa der iShares Developed Markets Property Yield UCITS ETF mit 0,59 Prozent oder mehrere weitere Wettbewerber mit 0,40 Prozent. Mit einem Fondsvolumen von 1,9 Milliarden Euro ist er zugleich der größte Anbieter in diesem Marktsegment.
Absturz 2022, Rally seit 2025: Warum Immobilienaktien gerade so gefragt sind, und das bei sinkender Schwankung
2022 verlor der HSBC-ETF 20,44 Prozent, ausgelöst durch die schnellen und massiven Leitzinserhöhungen der großen Notenbanken. Immobilienunternehmen reagieren besonders empfindlich auf steigende Zinsen, weil sie zum einen ihre oft hohen Schulden teurer refinanzieren müssen und zum anderen der heutige Wert künftiger Mieteinnahmen bei höheren Zinsen rechnerisch sinkt. 2023 und 2024 blieb die Erholung mit 6,21 und 7,61 Prozent noch moderat, 2025 kam mit minus 2,91 Prozent sogar ein weiteres schwaches Jahr. Seit Ende 2025 hat sich das Bild jedoch deutlich gedreht, im laufenden Jahr steht ein Plus von 16,96 Prozent zu Buche, über die vergangenen zwölf Monate sogar 19,72 Prozent. Die Zinssenkungen der US-Notenbank haben die Finanzierungskosten für Immobilienunternehmen gesenkt und ihre Bewertungen gestützt, während sich Immobilienaktien nach Jahren mit gedrückten Kursen im Vergleich zum breiten Aktienmarkt inzwischen wieder deutlich günstiger bewerten lassen als viele andere Branchen. Hinzu kommt ein für diesen Sektor neuer, struktureller Treiber. Anfang 2026 haben sich Immobilienaktien am Markt als sogenannter KI-Immunitäts-Trade etabliert: Anleger, die um die disruptiven Folgen künstlicher Intelligenz für viele klassische Geschäftsmodelle fürchten, stufen Immobilienunternehmen als vergleichsweise abgeschirmt davon ein. Gleichzeitig profitieren Teilbereiche wie Rechenzentren und Logistikimmobilien direkt vom KI-Boom durch den enormen Flächen- und Strombedarf neuer Anlagen. Genau diese doppelte Anziehungskraft, sowohl für vorsichtige als auch für wachstumsorientierte Anleger, dürfte auch erklären, warum die aktuell hohen Renditen ungewöhnlicherweise mit einer im Vergleich zu den Vorjahren gesunkenen Volatilität von 11,77 Prozent über ein Jahr einhergehen, nahe dem Niveau eines klassischen Welt-ETFs. Hinzu kommt, dass viele Immobilienunternehmen nach der Krise 2022 ihre Bilanzen deutlich konservativer aufgestellt haben und mit geringerer Verschuldung heute weniger anfällig für plötzliche Schocks sind als noch vor einigen Jahren.
Welltower, Prologis und Equinix: Die Schwergewichte im Fonds
Größte Position ist mit 7,04 Prozent Welltower, ein auf Seniorenwohnen und Gesundheitsimmobilien spezialisierter Betreiber, der von der alternden Bevölkerung in den Industrieländern strukturell profitiert. Auf Platz zwei folgt mit 6,63 Prozent Prologis, der weltgrößte Betreiber von Logistikimmobilien. Der Konzern meldete für das zweite Quartal 2026 einen Umsatz von 2,43 Milliarden US-Dollar, ein Plus von rund 11,5 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal, während sich der Nettogewinn auf 1,06 Milliarden US-Dollar nahezu verdoppelte. Als Gründe nannte der Konzern eine Rekordzahl an neu abgeschlossenen Mietverträgen sowie eine deutliche Ausweitung seines Rechenzentrums- und Energiegeschäfts, dessen Strom-Pipeline inzwischen auf 5,8 Gigawatt angewachsen ist, zusätzlich zum anhaltenden Wachstum durch E-Commerce und die Rückverlagerung von Lieferketten. Prologis hob daraufhin bereits zum zweiten Mal in diesem Jahr seine Jahresprognose an. An dritter Stelle steht mit 5,20 Prozent Equinix, Betreiber eines weltweiten Netzwerks an Rechenzentren. Der Konzern hat zuletzt gemeinsam mit Cisco und NVIDIA angekündigt, sichere KI-Fabriken über sein globales Rechenzentrumsnetzwerk hinweg auszurollen, ein direkter Beleg dafür, wie stark auch dieser Immobilien-Teilbereich am globalen KI-Infrastrukturausbau mitverdient.
Fast zwei Drittel USA: Wo das Konzentrationsrisiko liegt, und was die Dividende bringt
Regional dominieren die USA mit 63,06 Prozent, mit weitem Abstand gefolgt von Japan mit 8,31 Prozent und Australien mit 5,93 Prozent. Diese Konzentration bedeutet, dass die Entwicklung des Fonds maßgeblich von der US-Zinspolitik und dem US-Immobilienmarkt abhängt, deutlich stärker als bei vielen anderen global gestreuten Aktien-ETFs. In den vergangenen drei Jahren lag die Ausschüttungsrendite dafür stets zwischen 3 und 3,5 Prozent, zuletzt bei 3,27 Prozent, was den gezielten Aufbau eines passiven Einkommens ermöglicht. Beim Risiko zeigt sich trotz der zuletzt niedrigeren Volatilität die grundsätzliche Schwankungsanfälligkeit der Branche. Der maximale Verlust der vergangenen fünf Jahre liegt bei minus 29,21 Prozent, seit Auflage sogar bei minus 42,82 Prozent, ein Hinweis darauf, dass die Kombination aus Branchen- und Länderkonzentration auch künftig zu spürbaren zwischenzeitlichen Kursrücksetzern führen kann.
Für welche Strategie sich dieser Immobilien-ETF eignet
Der Fonds eignet sich als gezielte Beimischung für Anleger, die ihr Depot um eine Anlageklasse ergänzen möchten, die sich teilweise unabhängig von klassischen Aktienbranchen entwickelt, und die gleichzeitig Wert auf eine überdurchschnittliche, regelmäßige Ausschüttung legen. Wer investiert, setzt darauf, dass die aktuellen Rückenwinde, sinkende Zinsen, eine im Vergleich zum breiten Aktienmarkt weiterhin günstige Bewertung sowie der strukturelle Flächenbedarf durch Rechenzentren und Logistikimmobilien, über die kommenden Jahre anhalten. Wegen der hohen Abhängigkeit vom US-Markt und der grundsätzlichen Zinssensitivität der Branche eignet sich der Fonds nicht als alleiniger Grundbaustein, sondern als Ergänzung zu einem bereits breit gestreuten Aktien- und Anleihedepot. Ein mittel- bis langfristiger Anlagehorizont sowie die Bereitschaft, auch künftig zinsbedingte Rückschläge auszuhalten, sind für dieses Investment hilfreich.
Daniel Dünn, Redaktion TraderFox (finanzen.net)
Dieser Artikel stellt keine Anlageberatung dar. Aktien-ETFs unterliegen Kursschwankungen, zwischenzeitliche Verluste sind möglich. Die Konzentration auf einen einzelnen Sektor und ein einzelnes Land kann das Risiko im Vergleich zu breit gestreuten Fonds erhöhen.
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