Xtrackers MSCI Mexico ETF: Wie Mexiko zum Gewinner der globalen Lieferkettenverlagerung wurde
Über die vergangenen vier Jahre erzielte dieser Fonds die zweitbeste Rendite unter allen Xtrackers-ETFs. Doch kaum ein Anleger kennt die drei Unternehmen, die dafür maßgeblich verantwortlich sind.
Werte in diesem Artikel
Das Wichtigste in Kürze:
- Mit 41,4 Prozent Rendite über die vergangenen vier Jahre erzielte dieser Fonds die zweitbeste Wertentwicklung unter allen verfügbaren Xtrackers-ETFs.
- 2022 legte der Fonds leicht zu, während der klassischer MSCI-World-ETF im selben Jahr 13 Prozent verlor. Ein Beleg für den Diversifikationswert dieses Mexiko-Investments.
- Fünf Sektoren tragen den Fonds, aber keiner davon ist Technologie.
Der größere und etabliertere von nur zwei Mexiko-ETFs
Der Xtrackers MSCI Mexico UCITS ETF 1C bildet den MSCI Mexico Index nach und ist einer von nur zwei in Deutschland verfügbaren ETFs auf den mexikanischen Aktienmarkt. Mit 275 Millionen Euro Fondsvolumen ist er größer und damit etablierter als sein einziger Wettbewerber, der iShares MSCI Mexico Capped UCITS ETF mit 106 Millionen Euro. Während der Xtrackers-Fonds den klassischen MSCI Mexico Index ohne zusätzliche Gewichtungsobergrenze abbildet, bildet der iShares-ETF eine gekappte Variante ab, bei der das Gewicht einzelner Positionen künstlich begrenzt wird. Wer also die tatsächliche Marktkapitalisierungsstruktur des mexikanischen Aktienmarkts möglichst unverfälscht abbilden möchte, findet mit dem Xtrackers-ETF die passendere Wahl, während die gekappte iShares-Variante für Anleger interessanter sein kann, die eine noch ausgewogenere Verteilung zwischen den größten Positionen bevorzugen. Beide Fonds kosten mit 0,65 Prozent pro Jahr identisch. Der Fonds repliziert seinen Index physisch und vollständig, thesauriert seine Erträge und wurde bereits im März 2010 aufgelegt.
Nearshoring: Warum Mexiko zum heimlichen Gewinner der Lieferkettenverlagerung wurde
Über die vergangenen vier Jahre erzielte der Fonds 41,4 Prozent Rendite, die zweitbeste unter allen Xtrackers-ETFs überhaupt. Der zentrale Treiber dahinter ist das sogenannte Nearshoring. Immer mehr international tätige Konzerne verlagern ihre Produktion aus Asien in die unmittelbare Nähe des amerikanischen Absatzmarkts, um sich unabhängiger von langen, störanfälligen Lieferketten sowie vom Handelskonflikt zwischen den USA und China zu machen. Mexiko profitiert davon wie kaum ein anderes Land, begünstigt durch den freien Marktzugang zu den USA und Kanada über das nordamerikanische Freihandelsabkommen, eine rund 3.000 Kilometer lange gemeinsame Grenze mit den USA sowie vergleichsweise niedrige Fertigungskosten. Allein in der ersten Jahreshälfte 2023 flossen ungefähr 29 Mrd. US-Dollar an ausländischen Direktinvestitionen nach Mexiko, so viel wie seit 2006 nicht mehr.
Warum die Top-10-Positionen fast 80 Prozent des Fonds ausmachen
Die zehn größten Positionen vereinen 79,2 Prozent des Fondsvermögens bei nur 21 enthaltenen Werten. Das ist deutlich mehr als der bei einer reinen Gleichgewichtung zu erwartende Wert von etwas unter 50 Prozent und zeigt, wie konzentriert der mexikanische Aktienmarkt auf wenige, sehr große Unternehmen ausgerichtet ist, was jedoch ein typisches Merkmal vieler kleinerer Schwellenländer-Aktienmärkte mit begrenzter Anzahl börsennotierter Großkonzerne ist.
Grupo México, Banorte und FEMSA: Drei Profiteure des mexikanischen Aufschwungs
Größte Position ist mit 16,88 Prozent Grupo México, ein Mischkonzern, der über seine Tochtergesellschaft Southern Copper zu den vier größten Kupferproduzenten der Welt zählt und zugleich über sein Tochterunternehmen Ferromex das mit Abstand größte Eisenbahnnetz Mexikos betreibt, das rund 71 Prozent des Landes abdeckt und mehrere Grenzübergänge zu den USA sowie Häfen an beiden Küsten verbindet. Der Konzern profitiert damit doppelt vom aktuellen Umfeld: einerseits von der weltweit steigenden Kupfernachfrage im Zuge der Elektrifizierung und des Ausbaus erneuerbarer Energien, andererseits unmittelbar vom Nearshoring-Trend, da mehr Industrieproduktion in Mexiko zwangsläufig mehr Frachtverkehr auf seinem Schienennetz bedeutet. Auf Platz zwei folgt mit 13,15 Prozent Grupo Financiero Banorte, eine der vier größten Geschäftsbanken Mexikos mit Sitz in Monterrey, die neben klassischem Bankgeschäft auch Versicherungen, Pensionsfonds und Brokerage anbietet und von der wachsenden Kreditnachfrage einer expandierenden mexikanischen Wirtschaft profitiert. Und an dritter Stelle steht mit 10,38 Prozent Fomento Económico Mexicano, besser bekannt als FEMSA, ein Getränke- und Einzelhandelskonzern, der die größte Coca-Cola-Abfüllgruppe Lateinamerikas betreibt und mit seiner Supermarktkette Oxxo mit tausenden Filialen Mexikos größte Einzelhandelskette im Nahversorgungsbereich stellt. FEMSA profitiert direkt vom wachsenden mexikanischen Binnenkonsum, der durch die steigende Beschäftigung im Zuge neuer Industrieansiedlungen zusätzlich gestützt wird.
Fünf Sektoren, keine Technologie: Ein echter Diversifikationsvorteil
Nach Sektoren teilt sich der Fonds auf nicht-energetische Grundstoffe mit 29,8 Prozent, nicht-zyklische Konsumgüter mit 29,6 Prozent, Finanzen mit 19,7 Prozent, Industrie mit 11,6 Prozent und Telekommunikation mit 9,3 Prozent auf. Technologie taucht dementsprechend überhaupt nicht auf. Für Anleger, deren Depot bereits stark von US-Technologiewerten geprägt ist, wie es bei den meisten Welt- oder US-ETFs der Fall ist, bietet dieser Fonds damit eine echte, bislang oft nur über europäische Aktien gesuchte Diversifikationsmöglichkeit, die sich in den vergangenen Jahren bereits bewährt hat.
Warum 2022 ein Gewinnjahr war, 2024 aber ein herber Rückschlag
2022 legte der Fonds um 3,4 Prozent zu, während klassische MSCI-World-ETFs im selben Jahr etwa 13 Prozent verloren. Ein weitere Beleg für den Diversifikationswert dieses Investments in einem Jahr, das für die meisten Aktienmärkte schwierig war. 2023 folgte mit 35,3 Prozent ein starkes Jahr, getragen von der beschriebenen Nearshoring-Euphorie. 2024 kam es dagegen zu einem deutlichen Rückgang von minus 23,1 Prozent. Die mexikanischen Präsidentschaftswahlen 2024 brachten der Regierungspartei Morena eine überwältigende Mehrheit, was bei internationalen Investoren Sorgen vor einer zu starken Machtkonzentration auslöste. Im September 2024 verabschiedete der Kongress zudem eine international heftig kritisierte Justizreform, nach der etwa 7.000 Richterposten künftig nicht mehr nach Qualifikation, sondern per Volkswahl besetzt werden, was Bedenken hinsichtlich der Unabhängigkeit der Justiz weckte. In der Folge sanken die ausländischen Direktinvestitionen in der ersten Jahreshälfte 2024 sogar leicht, obwohl der Nearshoring-Trend eigentlich einen deutlichen Anstieg hätte erwarten lassen. 2025 erholte sich der Fonds mit 37,23 Prozent wieder kräftig und im laufenden Jahr setzt sich der Aufwärtstrend mit 11,4 Prozent bislang fort. Ein erneuter Rückschlag wie 20024 ist jedoch keineswegs ausgeschlossen, insbesondere wenn politische Reformen oder Entscheidungen erneut Zweifel an der Rechtsstaatlichkeit oder Investitionssicherheit in Mexiko aufkommen lassen.
Erhöhte Schwankungsbreite bei überschaubarer Anzahl an Positionen
Die Volatilität liegt über ein, drei und fünf Jahre bei 20 bis 22 Prozent und somit deutlich höher als bei einem breiten Welt-ETF. Das lässt sich sowohl mit dem Status als Schwellenland als auch mit der geringen Anzahl von nur 21 enthaltenen Werten erklären, die eine geringere Streuung als bei breiter gefassten Indizes bietet. Der maximale Verlust der vergangenen fünf Jahre liegt bei minus 28,4 Prozent und geht maßgeblich auf den beschriebenen politischen Rückschlag des Jahres 2024 zurück. Seit Auflage im Jahr 2010 liegt der maximale Verlust sogar bei minus 53,9 Prozent, ein Wert, der zusätzlich frühere Kursrückgänge im Zuge globaler Risikoaversion sowie phasenweiser Schwäche des mexikanischen Peso mit einschließt. Besonders anfällig zeigt sich der Fonds vor allem bei politischer Unsicherheit rund um Wahlen und Verfassungsreformen, bei einer schwächelnden mexikanischen Währung sowie bei einer möglichen Verschärfung der Handelsbeziehungen zu den USA, dem mit Abstand wichtigsten Handelspartner des Landes.
Für welche Strategie sich dieser Mexiko-ETF eignet
Der Fonds eignet sich für Anleger, die ihr oft stark US-tech-lastiges Depot um eine Branchen- und Länderstreuung ohne Technologieanteil ergänzen möchten, und die von den langfristigen Potenzialen des Nearshoring-Trends überzeugt sind. Wegen der Konzentration auf ein einzelnes Schwellenland mit erhöhtem politischen Risiko, wie das Jahr 2024 gezeigt hat, eignet sich der Fonds nicht als Grundbaustein, sondern als gezielte Beimischung für Anleger mit ausreichender Risikotoleranz und langem Anlagehorizont.
Daniel Dünn, Redaktion TraderFox (finanzen.net)
Dieser Artikel stellt keine Anlageberatung dar. Aktien-ETFs unterliegen Kursschwankungen, zwischenzeitliche Verluste sind möglich. Investitionen in einzelne Schwellenländer sind mit einem erhöhten politischen und wirtschaftlichen Risiko gegenüber etablierten Industrieländermärkten verbunden.
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