Ölschock 2.0. Wo Schwellenländer jetzt noch tragen

Am Wochenende hat sich der Krieg zwischen den USA und Iran erneut verschärft. Teheran hat das Interimsabkommen aufgekündigt, die Revolutionsgarden kontrollieren die Durchfahrt durch die Straße von Hormus wieder aktiv.
Brent stieg auf knapp 88 Dollar und verzeichnete damit den stärksten Wochengewinn seit April. Der Unterschied zum ersten Schock im März: Damals federten Notfallreserven und Chinas Importzurückhaltung die Lücke ab. Diese Puffer sind aufgebraucht, die globalen Lager liegen ohne China gerechnet laut JPMorgan auf einem Rekordtief.
Für Schwellenländer gilt nun zu unterscheiden: Nettoenergieimporteure mit dünnen fiskalischen Reserven zahlen den Preis über Inflation, Währungsschwäche und steigende Zinsen. Kolumbien, Südafrika, Indonesien, die Philippinen und Sri Lanka haben bereits erhöht, andere haben geplante Senkungen verschoben. Rohstoffexporteure kassieren dagegen ab. Hinzu kommt eine zweite Welle: Nahrungsmittel machen in vielen dieser Länder rund 30 Prozent des Warenkorbs aus, und die Düngerkosten sickern mit Verzögerung durch, verstärkt durch die diesmal außergewöhnlich starke El-Niño-Wetterkonstellation im Pazifik.
S&P Global Ratings erwartete Ende Juni noch 4,2 Prozent Wachstum für die Schwellenländer ohne China nach 4,9 Prozent im Vorjahr. Diese Prognose ruhte auf einer schrittweisen Normalisierung und steht seit dem Wochenende in Frage. Wer Schwellenländer als Block kauft, mischt Gewinner und Verlierer in einem Topf. Dass es fokussierter und mit eigenen Stories geht, zeigen die folgenden drei ETFs.
Wer von hohen Rohstoffpreisen profitieren will, kommt an Lateinamerika kaum vorbei. Der iShares MSCI EM Latin America UCITS ETF (Dist) (ISIN IE00B27YCK28 / WKN A0NA45) bildet die Region ungefiltert ab: Brasilien wiegt 53,7 Prozent, Mexiko 23,5 Prozent, dazu kommen Chile und Peru. Grundstoffe und Energie stellen zusammen gut 31 Prozent der 84 Titel, Vale, Nu Holdings und Itaú Unibanco führen die Liste an, Auf Jahressicht steht ein Plus von 42,2 Prozent, seit Jahresbeginn sind es 15,7 Prozent. Die laufenden Kosten von 0,20 Prozent sind für ein Regionen-ETF bemerkenswert niedrig, das Fondsvolumen liegt bei 1.733 Mio. Euro. Ausgeschüttet wird halbjährlich, die aktuelle Ausschüttungsrendite beträgt 3,37 Prozent.
Ganz ohne eigene Rohstoffe kommt das zweite Beispiel aus. Singapur ist Nettoenergieimporteur, verfügt aber über stabile Institutionen, eine starke Währung und die Rolle als Handelsdrehscheibe und Finanzplatz Asiens. Genau diese Eigenschaften scheinen derzeit gefragt zu sein: Der Xtrackers MSCI Singapore UCITS ETF 1C (ISIN LU0659578842 / WKN DBX0KG) legte in den vergangenen drei Monaten, also mitten in der Eskalationsphase, 12,7 Prozent zu, auf Jahressicht sind es 22,9 Prozent. Zwei Einschränkungen gehören dazu. Der Index umfasst zwar 76 Titel, die zehn größten Positionen vereinen aber 73,3 Prozent auf sich, DBS allein wiegt 23,9 Prozent, und der Finanzsektor kommt auf gut 50 Prozent. Mit 103 Mio. Euro handelt es sich zudem um ein kleines Vehikel. Die Gesamtkostenquote beträgt 0,50 Prozent, Erträge werden thesauriert.
Wem die Wette auf einzelne Länder zu heikel ist, findet im Invesco FTSE EM High Dividend Low Volatility UCITS ETF (ISIN IE00BYYXBF44 / WKN A2AHZU) die defensivere Variante. Der Index sucht unter den Dividendenzahlern der Schwellenländer gezielt die schwankungsärmsten Titel heraus, und dieser doppelte Filter greift sichtbar: Die 200 Positionen sind so fein verteilt, dass die zehn größten zusammen nur 16,3 Prozent ausmachen. Regional dominieren China mit 26,9 Prozent und Brasilien mit 21,2 Prozent, sektoral Finanzwerte, Energie und Versorger. In einem Umfeld steigender Finanzierungskosten wirkt die Kombination aus Ausschüttungsdisziplin und niedriger Schwankung wie ein Qualitätsfilter. Ausgeschüttet wird quartalsweise, aktuell mit 4,68 Prozent Rendite. Das Fondsvolumen beträgt 251 Mio. Euro, die Kosten liegen bei 0,49 Prozent.
Fazit: Die erneute Nahost-Eskalation trifft auf leere Lager, das ist der Unterschied zum März. Lateinamerika steht auf der Exporteursseite, Singapur lebt von institutioneller Stabilität, und der Dividendenansatz nimmt über breite Streuung und geringe Schwankung Tempo aus dem Depot.
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