Xtrackers MSCI Pakistan ETF: Vom Beinahe-Staatsbankrott zur Top-3-Performance bei Xtrackers

Nur ein einziger anderer Xtrackers-ETF lief in den vergangenen zwei Jahren besser als dieser Pakistan-Fonds und kaum ein deutscher Anleger kennt den Markt dahinter überhaupt.
Werte in diesem Artikel
Das Wichtigste in Kürze:
- Auf Sicht von 24 Monaten war unter allen Xtrackers-ETFs nur der gehebelte LevDAX-Fonds erfolgreicher.
- 2022 stand Pakistan kurz vor der Staatspleite, seither hat ein IWF-gestütztes Reformprogramm den Aktienmarkt in eine der stärksten Rallys weltweit verwandelt.
- Als einziger in Deutschland verfügbarer Pakistan-ETF deckt der Fonds rund 99 Prozent der streubesitzbereinigten Marktkapitalisierung des Landes ab, hat dafür aber auch überdurchschnittlich hohe Kosten.
Der einzige Pakistan-ETF in Deutschland
Der Xtrackers MSCI Pakistan Swap UCITS ETF 1C bildet den MSCI Pakistan Investable Market Index nach, der große, mittelgroße und kleine Unternehmen aus Pakistan bündelt und dabei rund 99 Prozent der streubesitzbereinigten Marktkapitalisierung des Landes abdeckt. Der Fonds ist der einzige in Deutschland verfügbare ETF auf den pakistanischen Aktienmarkt und bildet seinen Index synthetisch über ein Swap-Geschäft mit der Deutschen Bank als Kontrahentin nach, thesauriert seine Erträge und wurde bereits im September 2011 aufgelegt. Bei den Kosten liegt er mit 0,85 Prozent pro Jahr deutlich über dem, was für breiter gestreute Schwellenländer-ETFs üblich ist. Ein Preis, der sich sowohl mit der fehlenden Konkurrenz als auch mit der synthetischen Nachbildung über ein Swap-Geschäft erklären lässt, das für einen derart wenig liquiden und schwer zugänglichen Markt einen gewissen operativen Mehraufwand bedeutet. Trotz seiner 15-jährigen Historie ist der Fonds mit nur 20 Millionen Euro Fondsvolumen sehr klein geblieben. Da der Fonds synthetisch über ein Swap-Geschäft funktioniert, kauft der ETF selbst keine pakistanischen Aktien direkt, sondern tauscht die Erträge eines Wertpapierkorbs gegen die Indexrendite. Steigende Aufmerksamkeit und neue Mittelzuflüsse würden deshalb in erster Linie die Handelsliquidität und die Spreads des ETFs selbst auf dem Sekundärmarkt beeinflussen, weniger unmittelbar die zugrunde liegenden pakistanischen Aktienkurse, auch wenn der Swap-Kontrahent seine eigene Absicherung entsprechend anpassen muss.
Vom Beinahe-Staatsbankrott zur Weltspitze: Wie Pakistan seinen Aktienmarkt neu erfand
2022 verlor der Fonds 23 Prozent, in einem Jahr, in dem Pakistan tatsächlich am Rand der Zahlungsunfähigkeit stand. Die Devisenreserven waren nahezu aufgebraucht, die Landeswährung Rupie befand sich im freien Fall, und die Regierung musste unter äußerst harten Bedingungen mit dem Internationalen Währungsfonds verhandeln. Die Wende begann 2023 mit einem IWF-Überbrückungsabkommen, das erste Stabilität brachte, bevor Pakistan im September 2024 ein umfassenderes, mit ungefähr 7 Milliarden US-Dollar ausgestattetes IWF-Programm erhielt. Die Inflation fiel daraufhin von einem Höchststand von etwa 38 Prozent im Mai 2023 auf teils unter 5 Prozent Ende 2024, die pakistanische Notenbank senkte ihren Leitzins um insgesamt rund 900 Basispunkte, die Rücküberweisungen von Auslandspakistanern stiegen um über 30 Prozent, und die Landeswährung stabilisierte sich.
Besonders entscheidend für die Aktienkursentwicklung war eine regelrechte Neubewertung des gesamten Marktes: Das Kurs-Gewinn-Verhältnis pakistanischer Aktien lag Mitte 2023 bei historisch extrem niedrigen 2,2 bis 2,4, stieg bis Mitte 2024 auf etwa 4, liegt aber selbst danach mit rund 5 bis 6 immer noch deutlich unter dem langjährigen Durchschnitt von rund 8. Anders als in Indien, wo eine gezielte Bildungsreform zu einer wachsenden, gut ausgebildeten jungen Erwerbsbevölkerung beigetragen hat, lässt sich die aktuelle Rally in Pakistan nicht auf eine vergleichbare strukturelle Bildungsreform zurückführen. Zwar zählt Pakistan mit einem Altersmedian von rund 20 Jahren zu den jüngsten Ländern der Welt, was langfristig Konsum- und Arbeitskräftepotenzial bietet, der eigentliche Auslöser der jüngsten Rally ist aber überwiegend makroökonomischer Natur: eine erfolgreiche Krisenbewältigung, sinkende Zinsen und Inflation sowie eine Neubewertung eines zuvor extrem unterbewerteten Marktes.
Fauji Fertilizer, Hub Power und Engro Holdings: Die Schwergewichte im Fonds
Die zehn größten Positionen vereinen deutlich mehr als die Hälfte des Fondsvermögens, wobei sich die größte Position mit fast 10 Prozent nochmals deutlich von den übrigen Werten abhebt. Größte Position ist mit 9,07 Prozent Fauji Fertilizer Company, der größte Harnstoffhersteller Pakistans und damit ein zentraler Zulieferer für die stark landwirtschaftlich geprägte Wirtschaft des Landes. Der ursprünglich reine Düngemittelkonzern hat sich inzwischen breit diversifiziert, mit Beteiligungen an Zement, Energieerzeugung, Lebensmittelverarbeitung und sogar einer eigenen Bank. Das Unternehmen profitiert von der anhaltend hohen Nachfrage nach landwirtschaftlichen Betriebsmitteln in einem Land, dessen Wirtschaft stark von der Landwirtschaft abhängt. Auf Platz zwei folgt mit 6,53 Prozent The Hub Power Company, der größte private Stromerzeuger Pakistans, der über mehrere Kraftwerksprojekte, von Kohle über importiertes Flüssigerdgas bis zu erneuerbaren Energien, zur dringend benötigten Energiesicherheit des Landes beiträgt. Damit agiert man in einem Sektor, der von den im Zuge der IWF-Reformen verbesserten Rahmenbedingungen für Energieversorger profitiert hat. An dritter Stelle steht mit 5,76 Prozent Engro Holdings, ein breit diversifizierter Mischkonzern mit Geschäftsfeldern von Düngemitteln über Petrochemie bis zu Lebensmitteln, der von der insgesamt verbesserten makroökonomischen Lage und der wieder anziehenden Binnennachfrage profitiert.
Warum 2024 ein Ausnahmejahr war, und weshalb es im laufenden Jahr stockt
2023 legte der Fonds um 14,1 Prozent zu, ein erstes Zeichen der beginnenden Stabilisierung. 2024 folgte mit 76,7 Prozent eines der stärksten Jahre eines Länder-ETFs überhaupt als direkte Folge des im September abgeschlossenen IWF-Programms, der drastisch gesunkenen Inflation, der kräftigen Zinssenkungen und der beschriebenen Neubewertung des Marktes von extrem niedrigen Bewertungsniveaus aus. 2025 legte der Fonds zuletzt mit 19,4 Prozent nochmals zu, getragen von der Fortsetzung dieser Reformen und weiterhin niedrigen Bewertungen im historischen Vergleich. Im laufenden Jahr liegt der Fonds dagegen mit minus 0,65 Prozent praktisch unverändert, obwohl der pakistanische Aktienmarkt im April 2026 im Zuge einer Waffenruhe sowie diplomatischer Gespräche zwischen den USA und dem Iran in Islamabad sogar einen der stärksten Einzeltage seiner Geschichte verzeichnete. Die insgesamt eher verhaltene Entwicklung im laufenden Jahr lässt sich am ehesten als Konsolidierung nach drei außergewöhnlich starken Jahren in Folge einordnen, bei der Anleger nach der enormen Kursrally zunehmend Gewinne mitnehmen, auch wenn die fundamentale Bewertung nach wie vor als günstig gilt.
Warum die Schwankungsbreite und die historischen Kursrückgänge so hoch ausfallen
Die Volatilität liegt über ein, drei und fünf Jahre bei 24 bis 26 Prozent, deutlich höher als bei den meisten anderen Länder-ETFs. Das liegt an der Kombination aus geringerer Marktliquidität, ausgeprägter politischer und wirtschaftlicher Unsicherheit sowie der grundsätzlich hohen Abhängigkeit von externen Faktoren wie IWF-Programmen und Rohstoffpreisen, die für sogenannte Frontier Markets wie Pakistan typisch sind. Der maximale Verlust der vergangenen fünf Jahre liegt bei minus 48,4 Prozent und geht maßgeblich auf die Krisenjahre rund um 2022 zurück, als die drohende Staatspleite und die Talfahrt der Rupie den Markt einbrechen ließen.
Für welche Anleger sich dieser Pakistan-ETF eignet
Der Fonds eignet sich ausschließlich als sehr kleine, spekulative Beimischung für risikobewusste Anleger, die gezielt auf die Fortsetzung der wirtschaftlichen Reformen und die weiterhin günstige Bewertung des pakistanischen Aktienmarkts setzen möchten. Wer investiert, sollte sich der historisch hohen Schwankungsbreite sowie der Abhängigkeit von politischer Stabilität, dem Fortbestand der IWF-Vereinbarungen und der allgemeinen Risikobereitschaft internationaler Investoren gegenüber Frontier Markets bewusst sein. Angesichts der geringen Fondsgröße, der vergleichsweise hohen Kosten und der Tatsache, dass es sich um den einzigen verfügbaren Zugang zu diesem Markt handelt, eignet sich der Fonds vor allem für Anleger, die bereits ein breit gestreutes Basisdepot besitzen und bereit sind, einen kleinen Teil davon in ein spekulatives, aber potenziell chancenreiches Einzelland-Investment zu stecken.
Daniel Dünn, Redaktion TraderFox (finanzen.net)
Dieser Artikel stellt keine Anlageberatung dar. Aktien-ETFs unterliegen Kursschwankungen, zwischenzeitliche Verluste sind möglich. Investitionen in Frontier Markets wie Pakistan sind mit einem deutlich erhöhten Risiko gegenüber etablierten Industrie- oder Schwellenländermärkten verbunden.
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