Fast 40 Prozent des größten S&P-500-ETFs stecken in nur zehn Aktien, ein Konzentrationsgrad, der 2026 zugleich Antrieb und Risiko ist

Über 130 Milliarden Euro stecken im mit Abstand größten ETF auf den S&P 500 weltweit. Der Grund dafür liegt an einem entscheidenden Zeitvorsprung, den kein anderer Anbieter mehr aufholen kann.
Werte in diesem Artikel
Das Wichtigste in Kürze:
- Mit über 130 Milliarden Euro Fondsvolumen ist dieser Fonds der mit Abstand größte ETF auf den S&P 500, dabei ist er nicht einmal der günstigste unter seinen Wettbewerbern.
- Fast 40 Prozent des Fondsvermögens stecken in nur zehn Aktien, ein Konzentrationsgrad, der 2026 sowohl der wichtigste Renditetreiber als auch das größte Risiko ist.
- Trotz Rekordhoch um Rekordhoch bleibt ein ganz bestimmtes Marktszenario im Fokus, das schon 2022 zu einem deutlichen Rückschlag führte.
Warum dieser Fonds der mit Abstand größte S&P-500-ETF überhaupt ist
Der iShares Core S&P 500 UCITS ETF USD (Acc) bildet den S&P 500 Index nach, der die 500 größten börsennotierten Unternehmen der USA nach Marktkapitalisierung bündelt. Mit einem Fondsvolumen von 131 Milliarden Euro ist er der mit Abstand größte ETF, der diesen Index abbildet, deutlich vor dem Vanguard S&P 500 UCITS ETF und dem Invesco S&P 500 UCITS ETF. Bei den Kosten ist er mit 0,07 Prozent pro Jahr keineswegs die günstigste Option, der Invesco-ETF verlangt beispielsweise nur 0,05 Prozent, der State Street SPDR S&P 500 UCITS ETF sogar nur 0,03 Prozent. Der eigentliche Grund für die Marktführerschaft liegt woanders. Denn der Fonds wurde bereits im Mai 2010 aufgelegt, deutlich früher als die meisten Wettbewerber, und konnte sich dadurch über anderthalb Jahrzehnte als bevorzugtes Vehikel institutioneller wie privater Anleger etablieren. Diese frühe Größe hat sich seither selbst verstärkt. Ein besonders liquider, milliardenschwerer Fonds bietet engere Handelsspannen und höhere Sicherheit bei der Handelbarkeit großer Summen, was ihn für institutionelle Anleger noch attraktiver macht und sein Volumen weiter wachsen lässt. Hinzu kommt die Marktmacht von BlackRock als weltgrößtem Vermögensverwalter mit entsprechend breiter Vertriebs- und Beratungspräsenz, sowie die breite Verfügbarkeit als Sparplan bei 25 verschiedenen Brokern. Der Fonds repliziert seinen Index physisch und vollständig und thesauriert seine Erträge.
NVIDIA, Apple und Microsoft: Die Schwergewichte im Fonds
Die zehn größten Positionen vereinen 39,16 Prozent des Fondsvermögens. Größte Position ist mit 7,88 Prozent NVIDIA. Der Chiphersteller hat mit seiner neuen Spectrum-6-Netzwerktechnologie zuletzt einen wichtigen Baustein für den Betrieb gigantischer KI-Rechenzentren vorgestellt, der den Datenaustausch zwischen tausenden vernetzten Chips beschleunigen soll. Auf Platz zwei folgt mit 7,04 Prozent Apple. Der Konzern kündigte die Rückkehr der Major League Soccer zu Apple TV an, ein weiterer Baustein seiner Strategie, das eigene Streaming-Angebot durch exklusive Sportrechte langfristig zu stärken. An dritter Stelle steht mit 5,14 Prozent Microsoft. Der Softwarekonzern hat seine strategische Partnerschaft mit dem KI-Anbieter Mistral ausgebaut, um Unternehmen und regulierten Branchen mehr Kontrolle über den Einsatz von KI-Modellen zu ermöglichen, ein Schritt, der Microsofts Cloud-Geschäft zusätzlich für sicherheitssensible Großkunden attraktiv machen soll.
Warum der S&P 500 2026 wieder so stark läuft
Im laufenden Jahr steht bereits ein Plus von 13,49 Prozent zu Buche, nach einem eher schwachen Jahr 2025 mit nur 3,96 Prozent dürfte das Gesamtjahr damit zwischen den starken Jahren 2023 und 2024 landen. Der wichtigste Treiber bleibt der KI-Superzyklus. Analysten großer Banken rechnen für 2026 mit einem Gewinnwachstum des S&P 500 von teils über 20 Prozent, wobei die KI-bezogenen Gewinne der größten Technologiekonzerne deutlich schneller wachsen als der Rest des Index. Hinzu kommen von der US-Notenbank bereits vorgenommene und für die kommenden Monate weiter erwartete Leitzinssenkungen, die Aktien im Vergleich zu Anleihen attraktiver machen und höhere Bewertungen rechtfertigen. Die Bewertung des S&P 500 liegt aktuell bei einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von etwa 22, nahe historischer Höchststände, wobei viele Analysten betonen, dass die heutigen KI-Marktführer im Unterschied zur Dotcom-Blase um die Jahrtausendwende über solide Cashflows und echte Gewinne verfügen, was die hohen Bewertungen zumindest teilweise rechtfertigt.
Wann ein Kursrutsch wie 2022 wieder droht
2022 verlor der Fonds 13,30 Prozent, ausgelöst durch die schnellen und massiven Leitzinserhöhungen der US-Notenbank, die besonders hoch bewertete Technologiewerte unter Druck setzten, da deren künftige Gewinne bei höheren Zinsen rechnerisch weniger wert sind. Genau ein solches Szenario ist auch künftig das wahrscheinlichste Risiko für einen erneuten Kursrutsch: eine überraschend restriktive Zinspolitik der Fed, etwa wegen wieder anziehender Inflation, träfe die stark auf wenige Technologiekonzerne konzentrierten Top-Positionen des Fonds überproportional. Auch eine Enttäuschung bei den milliardenschweren KI-Investitionen der großen Technologiekonzerne, etwa falls sich die erhofften Produktivitätsgewinne langsamer einstellen als erwartet, gilt als ernstzunehmendes Risiko ebenso wie eine allgemeine Rezession in den USA. Je konzentrierter der Index auf wenige Gewinner wird, wie es seit Jahren der Fall ist, desto empfindlicher reagiert der gesamte Fonds auf Rückschläge wie auch auf Erfolge bei genau diesen Werten.
Niedrige Volatilität im Aufschwung, höhere Schwankung in Krisenjahren
Die Volatilität der vergangenen zwölf Monate liegt bei 12,14 Prozent, was zusammen mit der starken Rendite für ein attraktives Rendite-Risiko-Verhältnis von 1,89 sorgt. Über fünf Jahre liegt die Volatilität dagegen bei 17,48 Prozent und das Rendite-Risiko-Verhältnis nur noch bei 0,77. Während die vergangenen zwölf Monate von einem vergleichsweise geradlinigen, durch KI-Gewinne getragenen Aufschwung geprägt waren, fließt in die Fünfjahresbetrachtung auch das Krisenjahr 2022 mit ein, in dem stark schwankende Zinserwartungen und hohe Unsicherheit über die weitere Geldpolitik für deutlich heftigere Kursausschläge sorgten. Der maximale Verlust der vergangenen fünf Jahre liegt dagegen nur bei minus 22,60 Prozent und weicht damit nicht auffällig von einem breiten Welt-ETF wie dem MSCI World ab, dessen Wertentwicklung stark vom US-Markt mitbestimmt wird.
Für welche Strategie sich dieser S&P-500-ETF eignet
Der Fonds eignet sich als zentraler Grundbaustein eines Portfolios, kombiniert mit anderen Core-Bausteinen wie einem MSCI World oder einem Schwellenländer-ETF, um den im S&P 500 naturgemäß hohen US-Anteil um weitere Regionen zu ergänzen. Wer investiert, sollte sich bewusst sein, dass die Wertentwicklung der vergangenen Jahre maßgeblich von einer kleinen Gruppe von Technologiekonzernen getragen wurde, deren Konzentration im Index weiter zunimmt, was die Abhängigkeit von deren anhaltender Stärke ebenfalls erhöht. Für Anleger, die bereits mit einem MSCI World oder ähnlichen ETFs investiert sind, verstärkt eine zusätzliche Position in diesem Fonds die ohnehin schon hohe US- und Technologielastigkeit des Gesamtdepots zusätzlich.
Daniel Dünn, Redaktion TraderFox (finanzen.net)
Dieser Artikel stellt keine Anlageberatung dar. Aktien-ETFs unterliegen Kursschwankungen, zwischenzeitliche Verluste sind möglich.
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