iShares S&P 500 EUR Hedged ETF: Mit Hedging die Währungsschwankungen des Dollars komplett ausschalten
Ein einziges zusätzliches Wort im Namen dieses ETFs erklärt, warum er sich 2022 deutlich schlechter entwickelte als seine ungesicherte Zwillingsvariante.
Werte in diesem Artikel
Das Wichtigste in Kürze:
- Von 34 verfügbaren S&P-500-ETFs sind nur 14 währungsgesichert gegenüber dem Euro. Dieser Fonds ist davon mit Abstand der größte.
- Die Zusammensetzung ist praktisch identisch mit einer ungesicherten S&P-500-Variante, das Währungsmanagement verändert die Aktienauswahl selbst nicht.
- 2022 verlor der Fonds 21 Prozent, deutlich mehr als eine ungesicherte Variante im selben Jahr, ein direktes Resultat der damaligen Dollarstärke, von der gesicherte Anleger nicht profitieren konnten.
Was Hedged im Namen konkret bedeutet
Der iShares S&P 500 EUR Hedged UCITS (Acc) bildet den S&P 500 Euro Hedged Index nach, der die 500 größten Unternehmen der USA nach Marktkapitalisierung enthält, exakt wie bei einem klassischen S&P-500-ETF. Der Fonds hält allerdings nicht nur die Aktien des Index, sondern schließt parallel Devisentermingeschäfte ab, die das Wechselkursrisiko zwischen dem US-Dollar und dem Euro neutralisieren sollen. Ohne diese Absicherung hinge die in Euro gemessene Rendite eines Anlegers von zwei Faktoren ab: der Kursentwicklung der enthaltenen US-Aktien in Dollar sowie der Entwicklung des Euro-Dollar-Wechselkurses selbst. Mit der Währungsabsicherung fällt dieser zweite Faktor weitgehend weg. Die Rendite in Euro soll dadurch möglichst genau der Aktienkursentwicklung in US-Dollar entsprechen, unabhängig davon, ob der Dollar in der Zwischenzeit gegenüber dem Euro auf- oder abgewertet hat. Für Anleger bedeutet das einen klaren Vorteil: eine planbarere, weniger von Währungsschwankungen verzerrte Rendite, was besonders für Anleger interessant sein kann, die möglichst reinen Zugang zur Aktienperformance ohne zusätzliches Währungsrisiko suchen, oder die selbst davon ausgehen, dass sich der Euro gegenüber dem Dollar in Zukunft aufwerten könnte.
Der Nachteil liegt ebenso klar auf der Hand. Wer währungsgesichert investiert, profitiert im Umkehrschluss auch nicht von einer für Euro-Anleger günstigen Dollarstärke, wie sie in der Vergangenheit wiederholt aufgetreten ist, und trägt zusätzlich ein geringes Gegenparteirisiko durch die verwendeten Devisentermingeschäfte selbst. Diese Absicherung ist außerdem nicht kostenlos. Sie schlägt sich in einer höheren Kostenquote nieder, hier 0,20 Prozent pro Jahr, während vergleichbare ungesicherte S&P-500-ETFs teils schon ab 0,03 Prozent zu haben sind. Der Fonds repliziert seinen Index physisch und vollständig, thesauriert seine Erträge und wurde bereits im September 2010 aufgelegt. Von 34 verfügbaren S&P-500-ETFs sind nur 14 überhaupt währungsgesichert, und unter diesen ist der hier vorgestellte Fonds mit 9,0 Milliarden Euro Fondsvolumen mit Abstand der größte, auch wenn günstigere Alternativen von Invesco und State Street mit jeweils 0,05 Prozent existieren.
NVIDIA und Apple: Warum sie auch hier die Spitze bestimmen
Die zehn größten Positionen vereinen 36,0 Prozent des Fondsvermögens, angeführt von NVIDIA mit 7,44 Prozent und Apple mit 6,52 Prozent, nahezu exakt dieselbe Gewichtung wie bei einer ungesicherten S&P-500-Variante, da die Währungsabsicherung ausschließlich auf Fondsebene ansetzt und die zugrunde liegende Aktienauswahl selbst nicht verändert. NVIDIA hat seine enorme Marktkapitalisierung durch seine technologische Vorreiterrolle bei Grafikprozessoren erreicht, die sich mit dem Aufstieg der künstlichen Intelligenz als praktisch unverzichtbare Basistechnologie für KI-Anwendungen erwiesen hat, und profitiert aktuell besonders stark vom weltweiten Ausbau der KI-Rechenzentren. Das größte Risiko für diese Position liegt in einer möglichen Abkühlung der milliardenschweren KI-Investitionen der großen Technologiekonzerne, sollte sich der erwartete wirtschaftliche Nutzen langsamer einstellen als bislang angenommen.
Apple wiederum verdankt seinen Wert der weltweiten Verbreitung seiner Geräte sowie einem zunehmend margenstarken, auf wiederkehrende Erlöse ausgerichteten Dienstleistungsgeschäft, das den Konzern weniger abhängig von einzelnen Hardware-Verkaufszyklen macht. Das Risiko hier liegt eher in einer möglichen Sättigung der wichtigsten Absatzmärkte sowie in politischen Risiken rund um Handelsbeziehungen und Zölle. Für den Gesamtfonds bedeutet die Dominanz dieser beiden sowie weiterer Technologiewerte, dass die Wertentwicklung überproportional von der Innovationskraft und den Bewertungen weniger Konzerne abhängt, weit über das hinaus, was die 500 im Index enthaltenen Unternehmen einzeln vermuten lassen würden.
Warum die Technologiebranche fast die Hälfte des Fonds ausmacht
Nach Sektoren führt Technologie mit 45,3 Prozent, deutlich vor Finanzen mit 13,0 Prozent. Die wertvollsten und höchstbewerteten Unternehmen der USA stammen derzeit überwiegend aus der Technologiebranche, wodurch sie automatisch ein überproportionales Gewicht im Index erhalten. Der Vorteil dieser Konzentration liegt in der direkten Teilhabe an der aktuellen Innovationsdynamik, insbesondere rund um künstliche Intelligenz, der Nachteil in der entsprechend höheren Abhängigkeit von der Bewertung und Stimmung gegenüber genau dieser einen Branche, was den Fonds anfälliger für branchenspezifische Rückschläge macht als ein gleichmäßiger über alle Branchen verteilter Index.
Warum das Jahr 2022 die Kehrseite des Hedgings so deutlich zeigte
2023 legte der Fonds um 22,4 Prozent zu, 2024 um 22,5 Prozent und 2025 um 15,2 Prozent, jeweils getragen vom aufkommenden KI-Boom und den damit verbundenen Rekordgewinnen der größten Technologiekonzerne, wie sie sich exemplarisch bei NVIDIA und Apple zeigen. 2022 verlor der Fonds dagegen 21,0 Prozent, ein deutlich stärkerer Rückgang als bei einer ungesicherten S&P-500-Variante, die im selben Jahr "nur" rund 13 Prozent verlor. 2022 stieg der US-Dollar gegenüber dem Euro deutlich, was Anlegern in einer ungesicherten Variante half, da sich ihre in Dollar gehaltenen Aktien beim Umtausch in Euro zusätzlich aufwerteten. Wer währungsgesichert investiert war, profitierte von diesem Effekt nicht und erlebte den reinen, ungebremsten Kursrückgang der US-Technologiewerte, ohne den ausgleichenden Effekt der Dollarstärke. Aus demselben Grund liegt auch der maximale Verlust der vergangenen fünf Jahre bei diesem Fonds rund 6 Prozentpunkte über dem eines klassischen MSCI-World-ETFs. In Krisenphasen wertet der Dollar gegenüber dem Euro häufig als vermeintlich sicherer Hafen auf, was ungesicherten Anlegern einen zusätzlichen Puffer verschafft, während gesicherte Anleger genau diesen Puffer nicht erhalten und die Aktienmarktverluste in voller Höhe tragen.
Für welche Strategie sich dieser währungsgesicherte S&P-500-ETF eignet
Der Fonds eignet sich für Anleger, die gezielt reinen Zugang zur Wertentwicklung amerikanischer Standardwerte ohne zusätzliches Wechselkursrisiko suchen, etwa weil sie das Euro-Dollar-Risiko bereits an anderer Stelle im Depot ausreichend abgedeckt haben oder von einer Euro-Aufwertung ausgehen. Wer dagegen eine zusätzliche Diversifikation über Fremdwährungen im Depot als Vorteil betrachtet, etwa weil sich der Dollar in Krisenphasen historisch häufig als stabilisierender Faktor erwiesen hat, ist mit einer klassischen, ungesicherten S&P-500-Variante zu deutlich geringeren Kosten besser bedient.
Daniel Dünn, Redaktion TraderFox (finanzen.net)
Dieser Artikel stellt keine Anlageberatung dar. Aktien-ETFs unterliegen Kursschwankungen, zwischenzeitliche Verluste sind möglich.
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