Euro am Sonntag-Interview

Mikrofinanz-Experte: "Liegen bei zwei bis drei Prozent"


Mikrofinanz-Experte: "Liegen bei zwei bis drei Prozent"

Fondsinitiator Günther Kastner über zweifache Rendite, scheinbar hohe Zinsen - und die breite Wirkung von Mikrokrediten.

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Fonds

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von Jörg Billina, Euro am Sonntag

€uro am Sonntag: Herr ­Kastner, der Dual Return Fund - Vision ­Microfinance wurde jüngst in Deutschland für Privat­anleger zugelassen. Wie kommt der Fonds an?
Günther Kastner:
Das Inte­resse ist groß. Bislang haben sich institutionelle ­Investoren engagiert, jetzt kommen Stiftungen und Privatkunden dazu. Durch ihr Engagement wirken Investoren an einer Verbesserung der Lebensverhältnisse in den Schwellenländern mit. Als Dual Return Fund ist der Fonds jedoch nicht nur auf soziale Wirkung, sondern auch auf finanziellen Ertrag ausgelegt.

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Welchen Ertrag streben Sie an?
Wir wollen mindestens den Euribor plus zwei Prozent erwirtschaften, momentan liegen wir bei zwei bis drei Prozent. Wichtig ist uns neben der Rendite für den Anleger aber auch die so­ziale Rendite des Fonds, indem er Kleinst­unternehmertum in Emerging Markets ermöglicht.

Welche Summen werden ver­geben - und zu welchen Zinsen?
Das können unter 100 Euro und bis zu 5.000 Euro sein. Im Schnitt werden zwei bis drei Prozent Zinsen pro Monat erhoben. Das erscheint auf den ersten Blick viel, doch die Mikrofinanzinstitute haben gerade wegen der geringen Kredithöhen hohe Fixkosten. Im Gegensatz zu informellen Geldverleihern werden die Zinsen für Mikrokredite dafür verwendet, das System zu finanzieren. So ist ein wesentlicher Bestandteil der Effektivverzinsung eine einmalige Bearbeitungsgebühr, die unter anderem Unternehmensberatung, Trainings- und Weiterbildungsmaßnahmen sowie Versicherungsleistungen beinhaltet.

Wie steht es um die Rück­zahlungsmoral?
Die ist hoch, bei keiner anderen Form der Kreditgewährung sind die Ausfallraten so gering. Die Rückzahlungsquote beträgt 95 bis 98 Prozent. Das liegt auch daran, dass die Kredite oft in Gesellschaften vergeben werden, in denen die Schuldenbegleichung eine Frage der Ehre ist. Darüber hinaus untersuchen seriöse Mikrofinanzinstitute die Lebensumstände eines Kleinstkreditnehmers genau, bevor ein Kredit bewilligt wird. Auch ist ein Anschlusskredit nur möglich, wenn der erste zurückgezahlt wurde.
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Wie viele Personen profitieren von den ­Geldern des Fonds?
Derzeit über 251.000 Personen. Zählt man die Familien dazu, sind es ungefähr 1,2 Millionen Menschen. Insgesamt haben in den vergangenen 40 Jahren etwa 500 Millionen Menschen über Mikrofinanzfonds Zugang zu Kleinstkrediten erhalten. Und 80 Prozent aller Unternehmen in den Schwellenländern verdanken ihre ­Existenz Mikrokrediten.

Der Bedarf an Mikrokrediten ist aber noch lange nicht gedeckt.
Nein, mehr als eine Milliarde Menschen leben weltweit weiterhin in absoluter Armut. Ohne Zugang zu Krediten sind jedoch Existenzgründungen nahezu unmöglich. Der Bedarf an Kleinstkrediten wird auf rund 300 Milliarden Dollar geschätzt.

Wie wählen Sie die Mikro­finanzorganisationen aus, ­denen Sie Darlehen gewähren?
C-Quadrat arbeitet bei der Auswahl der ­Mikrofinanzinstitute mit Symbiotics zu­sammen. Das Researchhaus verfügt in den Schwellenländern über lokale Niederlassungen und prüft die Institute. Grundsätzlich kommen nur seriöse Institute infrage, die regelmäßig Geschäftsberichte veröffentlichen und einer Finanzaufsicht unterstehen. Mehrmals im Jahr besuchen unsere Fondsmanager die Institute vor Ort und sprechen auch mit den Kleinstkreditnehmern.
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Südamerika ist im Fonds mit 23  Prozent, Subsahara-Afrika nur mit fünf Prozent ­gewichtet. Ist der Unternehmergeist in Süd­amerika stärker als in Afrika?
Nein, doch in vielen afrikanischen Staaten agieren bereits eine ganze Reihe von Entwicklungsorganisationen. Das bremst die Nachfrage nach Krediten. Auch sind ­dort Mikrofinanzorganisationen weit weniger eta­bliert als etwa in Ecuador.

Vita:

Günther Kastner
Der frühere Hedgefondsmanager ist heute geschäftsführender Gesellschafter des österreichischen Investmenthauses C-Quadrat Asset Management. 2006 rief er die Marke Vision Microfinance und den entsprechenden Fonds ins Leben (siehe "Fonds im Fokus").

Fonds im Fokus
Dual Return Fund

Der 2006 aufgelegte und 300 Millionen Euro schwere Dual Return Fund - Vision Micro­finance ist seit Mai auch für deutsche Privat­anleger zugelassen. Er vergibt seine Mittel an Mikrofinanzinstitute in den Schwellenländern in Form von Dar­lehen oder investiert in deren Schuldscheine. Die Institute gewähren dann mit den Geldern Kleinstkredite, die den Aufbau eines Gewerbes oder kleinere Investitionen ermöglichen. In den vergangenen fünf Jahren erzielte der Fonds eine jährliche Rendite von 2,7 Prozent - bei sehr geringen Schwankungen von 0,57 Prozent. Das mit anderen Anlageklassen wenig korrelierte Portfolio eignet sich deshalb für ­sicherheitsbewusste Anleger, die nach ­Alternativen im Niedrigzinsumfeld suchen.
Fazit: Der Mikrofinanzfonds liefert eine ­stabile Rendite bei gutem Gewissen.

Bildquellen: C-QUADRAT

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