Abzocke

Warum Second-Hand-Portale Zielorte für Betrüger sind

21.04.26 22:17 Uhr

Vorsicht auf Kleinanzeigen & Co.: So verlieren Nutzer Geld und Ware | finanzen.net

Second-Hand-Portale wie Kleinanzeigen, Vinted oder Momox erleben seit Jahren einen Boom. Doch hinter der Fassade der Schnäppchenwelt lauern Betrugsfallen.

Warum Second-Hand-Plattformen attraktiv für Kriminelle sind

Portale für den Gebrauchtwarenhandel ziehen Kriminelle in besonderem Maße an. Der Grund liegt in der Mischung aus hohem Nutzeraufkommen, einer großen Zahl privater Akteure und dem schnellen, oft unbürokratischen Handel. Diese Kombination schafft ideale Bedingungen für Betrugsversuche. Hinter den Angriffen stehen meist drei zentrale Motive: Daten, Geld oder das Ausnutzen von Vertrauen, so Jurawelt.

Ein wichtiger Aspekt ist der Identitätsdiebstahl. Schon scheinbar harmlose Angaben wie Name, Adresse oder Telefonnummer können missbraucht werden, um Verträge in fremdem Namen abzuschließen oder Online-Konten zu eröffnen. Was mit einer freundlichen Nachricht beginnt, endet nicht selten mit unberechtigten Forderungen oder Schreiben von Inkassobüros.

Hinzu kommt der klassische Zahlungsbetrug. Über gefälschte Links, angebliche Verifizierungen oder manipulierte Bestätigungen verschaffen sich Täter Zugang zu Bank- und Kontodaten. Häufig verlagern sie den Kontakt bewusst aus der Plattform heraus, etwa auf WhatsApp oder per SMS. Dort ist die Hemmschwelle niedriger, sensible Informationen preiszugeben, und die Spur der Täter lässt sich schwerer verfolgen.

Nicht zuletzt spielt die Produkt-Täuschung eine Rolle. Manche Angebote existieren schlicht nicht, andere weichen stark von der Beschreibung ab. Es kommt auch vor, dass Käufer einen Artikel erhalten, anschließend aber unberechtigt eine Rückerstattung verlangen. Zwar bietet der Käuferschutz vieler Portale einen gewissen Rückhalt, doch dieser ist oft an kurze Fristen nach der Zustellung gebunden. Wer eine Sendung nicht sofort prüft und den Zustand dokumentiert, riskiert, im Streitfall leer auszugehen.

Bekannte Tricks mit großem Schaden

Besonders berüchtigt ist der sogenannte Dreiecksbetrug. Dabei werden zwei unbeteiligte Nutzer einer Verkaufsplattform gegeneinander ausgespielt. Ausgangspunkt, wie das LKA Niedersachsen erläutert, ist ein echtes Angebot eines ehrlichen Verkäufers. Der Betrüger gibt sich als Interessent aus und lässt sich die Zahlungsdaten geben. Mit diesen Informationen erstellt er selbst eine identische Anzeige. Meldet sich dort ein echter Käufer, erhält dieser die Daten des ursprünglichen Verkäufers und überweist den Kaufpreis dorthin. Für den Verkäufer wirkt alles legitim, er verschickt die Ware - diese landet jedoch beim Betrüger, während der echte Zahler ohne Ware bleibt.

Warum diese Maschen funktionieren

Die Täter setzen auf eine Mischung aus psychologischem Druck und professioneller Fälschungstechnik. Viele Zahlungsbelege oder Login-Seiten sehen mittlerweile so authentisch aus, dass sie kaum noch von Originalen zu unterscheiden sind. Zudem nutzen sie soziale Engineering-Methoden, die Opfern als Routine vorkommen, wie etwa die Abfrage eines Verifizierungscodes oder das Klicken auf Links, die als Phishing-Werkzeuge zum Datenabgriff dienen. 

Paul Schütte, Redaktion finanzen.net

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