Vermögensverwalter-Kolumne

Neuer Bewertungsfaktor für Öl


Neuer Bewertungsfaktor für Öl | finanzen.net

Die Krise im Nahen Osten beunruhigt die Welt. Auch an der Börse wird man sich ihrer langsam bewusst, zumindest haben DAX und Co ihre Rekordjagd unterbrochen.

Werte in diesem Artikel
Rohstoffe

104.32 USD -2.28 USD -2.14 %

92.41 USD -2.20 USD -2.33 %

von Uwe Zimmer, Vorstand der Meridio Vermögensverwaltung AG, Köln

Der Ölpreis zeigt allerdings eine eher überraschende Entwicklung und die hat ihre Gründe.

Werbung

Der leider längst verstorbene Börsenphilosoph André Kostolany hat einmal gesagt, dass an der Börse alles möglich sei, sogar das Gegenteil. Wie sehr er Recht hatte, wird in diesen Tagen vor allem am Ölpreis deutlich.

So zeigt die Notierung für das "schwarze Gold" seit Wochen eine Korrektur, die angesichts der Entwicklung im Nahen Osten auf den ersten Blick ungewöhnlich ist. Mit den kriegerischen Auseinandersetzungen zwischen Israel und radikalen Palästinensern sowie dem Vormarsch von ISIS-Dschihadisten auf Iraks Hauptstadt Bagdad tun sich gleich zwei Brandherde in einer traditionell instabilen Region auf - und solche politischen Krisen sowie die damit verbundene Unsicherheit ziehen eigentlich in der Regel Folgendes nach sich: Auf der einen Seite korrigieren die Aktienmärkte, auf der anderen Seite steigt wegen der zu befürchtenden Angebotsverknappung der Preis für Öl. Nun haben die Aktienmärkte seit ihrem Hoch von Anfang Juli tatsächlich bereits deutlich abgegeben. Öl allerdings ist seit Ende Juni ebenfalls gefallen.

Das ist bemerkenswert. Es zeigt aber auch, dass das klassische Angebot-Nachfrage-Verhältnis nicht länger allein ausschlaggebend ist für die Entwicklung des Ölpreises. Früher war das ja einfach: Im Winter war es kalt. Die Menschen froren und entsprechend stieg die Nachfrage nach Heizöl. Dessen Preis legte bei gleichbleibendem Angebot zu. Wurde es wieder wärmer, nahm die Nachfrage nach Öl ab. Und entsprechend fiel sein Kurs.

Werbung

Mittlerweile ist allerdings neben der Nachfrage längst nicht mehr nur die Höhe des Angebots ausschlaggebend, sprich welche Menge an Öl gefördert wird. Entscheidend ist ein dritter Aspekt, der Faktor Verfügbarkeit: Wie schnell komme ich wo an wie viel Öl heran?

So ist die Verfügbarkeit verantwortlich für den an und für sich ungewöhnlichen Kursverlust der vergangenen Wochen beim Öl: Vor Kurzem sind zwei große und wichtige Ölhäfen in Libyen nach einjähriger Besatzung durch Rebellen wieder geöffnet worden; da damit nun eine Menge Öl nicht nur vorhanden, sondern - und das ist entscheidend - jetzt auch verfügbar ist, gab der Ölpreis nach.

Keine Frage, die Situation im Nahen Osten ist extrem angespannt. Doch auch wenn vor dem Hintergrund dieser Lage ein Anstieg des Ölpreises wahrscheinlich erscheint, zeigt das Beispiel aus Libyen, dass es nicht zwangsläufig so kommen muss. Ziemlich sicher dürfte nur sein, dass die Frage, wie mild oder wie streng der nächste Winter sein wird, bei der Kursbewegung des Ölpreises in den kommenden Wochen und Monaten eine eher untergeordnete Rolle spielen wird.

Werbung

Immer mehr Privatanleger in Deutschland vertrauen bei ihrer Geldanlage auf bankenunabhängige Vermögensverwalter. Frei von Produkt- und Verkaufsinteressen können sie ihre Mandanten bestmöglich beraten. Mehr Informationen finden Sie unter www.vermoegensprofis.de.

Der obige Text spiegelt die Meinung des jeweiligen Kolumnisten wider. Die finanzen.net GmbH übernimmt für dessen Richtigkeit keine Verantwortung und schließt jegliche Regressansprüche aus.

Information


Die Handels- und Depotfunktionen in diesem Broker Cockpit werden für Finanzinstrumente von der Finanzen.net Zero GmbH als vertraglich gebundener Vermittler der DonauCapital Wertpapier GmbH (§ 3 Abs. 2 WpIG) bereitgestellt; bei Kryptowerten werden die Handels- und Depotfunktionen in diesem Broker Cockpit ausschließlich von der DonauCapital Wertpapier GmbH bereitgestellt. Die Finanzen.net GmbH stellt ausschließlich den technischen Rahmen bereit und ist in die Wertpapier- und Kryptodienstleistung nicht einbezogen.