Goldman Sachs hebt Ölpreisprognose an - so hoch kann es den Experten zufolge noch gehen
Goldman Sachs hebt die Ölpreisprognose deutlich an, Hintergrund ist die eskalierende Lage an der Straße von Hormus im Nahen Osten.
Werte in diesem Artikel
- Goldman Sachs passt Ölpreisprognosen für Brent und WTI deutlich an
- Spannungen im Nahen Osten an der Straße von Hormus treiben die Einschätzung
- Analysten skizzieren im Extremfall einen Ölpreis von über 120 US-Dollar
Goldman Sachs hat die Preisprognosen für Brent- und WTI-Rohöl angehoben. Grund sind anhaltende Störungen im Schiffsverkehr im Nahen Osten, die nach Einschätzung der Bank bis ins Jahr 2027 andauern dürften. Im Extremfall hält Goldman Sachs einen Brent-Preis von über 120 US-Dollar je Barrel für möglich.
Neue Preisprognose von Goldman Sachs
Das von Daan Struyven geleitete Team der Bank hob seine Prognosen für Brent und WTI um jeweils 5 US-Dollar an: Für Dezember 2026 kalkuliert Goldman Sachs nun mit 85 beziehungsweise 80 US-Dollar je Barrel, für das Jahr 2027 mit 80 beziehungsweise 75 US-Dollar. Die aus Optionsmärkten abgeleitete Wahrscheinlichkeit, dass Brent im März 2027 die Marke von 100 US-Dollar überschreitet, ist laut den Analysten von rund 6 Prozent vor einem Monat auf etwa 25 Prozent gestiegen.
In einer Mitteilung auf die Investing.com verweist, erklärten die Goldman-Analysten, die Märkte preisten zunehmend einen länger andauernden Konflikt im Nahen Osten ein. Die neue Basisannahme der Bank sei, dass sich die Schifffahrtsstörungen in der Region bis ins Jahr 2027 fortsetzen.
Risikoszenario: Bis zu 120 US-Dollar je Barrel
Angesichts verschärfter Angriffe auf die Schifffahrt in der Straße von Hormus und im Roten Meer hält Goldman Sachs dieses Extremszenario für möglich, sofern die durchschnittliche Golfproduktion im Jahr 2027 um 4 Millionen Barrel pro Tag unter dem Niveau vor Kriegsbeginn bleibt. Verstärkte Angriffe auf die Schifffahrt gelten dabei als wahrscheinlichster Auslöser. Im Basisszenario rechnet die Bank dagegen mit einem Rückgang von lediglich 0,5 Millionen Barrel pro Tag.
Im gegenteiligen Fall könnte der Brent-Preis 2027 laut Goldman Sachs in den Bereich von 60 US-Dollar fallen, sollte die Golfproduktion um eine Million Barrel pro Tag über das Vorkriegsniveau steigen. Die Bank bezeichnet ihre Anhebung insgesamt als moderat: Die kommerziellen Ölbestände der OECD seien seit Kriegsbeginn kaum gesunken, und die weltweiten angelandeten Ölbestände hätten sich von 9,1 auf 8,6 Milliarden Barrel verringert, lägen damit aber weiterhin deutlich über den geschätzten operativ notwendigen Mindestmengen. Zusätzlich dämpfend wirke, dass Chinas Rohölimporte, die derzeit rund 30 Prozent unter dem Vorjahresniveau liegen, sehr preissensitiv reagierten. Bis zur zweiten Jahreshälfte 2027 erwartet Goldman Sachs zudem eine schrittweise Erholung des Angebots aus dem Nahen Osten durch neue Pipelinekapazitäten.
Als Absicherung gegen geopolitische Risiken empfiehlt Goldman Sachs institutionellen Kunden weiterhin Termingeschäfte auf europäische Diesel-Timespreads für den Zeitraum März bis Dezember 2027, die bei anhaltenden Raffinerieausfällen in Russland oder im Nahen Osten nach Einschätzung der Bank um mehr als 100 Prozent steigen könnten. Solche Rohstoff-Handelsempfehlungen zählen zum Kerngeschäft der Bank und tragen zum Ergebnis ihrer Handelssparte bei.
Anleger dürften nun beobachten, ob sich die Spannungen an der Straße von Hormus weiter zuspitzen oder ob sich die von Goldman Sachs skizzierte Entspannung durch neue Pipelinekapazitäten und zusätzliche Golfproduktion bestätigt.
Martina Köhler, Redaktion finanzen.net
Dieser Text dient ausschließlich zu Informationszwecken und stellt keine Anlageempfehlung dar. Die finanzen.net GmbH schließt jegliche Regressansprüche aus.
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