Gas aus Russland

Expertin warnt bei Stopp von russischen Gaslieferungen vor "Triage" in deutscher Wirtschaft


Expertin warnt bei Stopp von russischen Gaslieferungen vor "Triage" in deutscher Wirtschaft

Die Bau- und Energie-Expertin Lamia Messari-Becker warnt für den Fall eines Stopps von russischen Gaslieferungen nach Deutschland vor verheerenden Folgen für die deutsche Wirtschaft.

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"Wenn Grundstoff-Industrien zum Erliegen kämen, würde ein Dominoeffekt entstehen, der nicht mehr aufzuhalten und nur schwer reparabel wäre", sagte Messari-Becker am Freitag der Deutschen Presse-Agentur.

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Nach Angaben der Expertin, die die Bundesregierung in Bau-und Energiefragen berät, hängt etwa die Bauwirtschaft "maßgeblich" an gasintensiven Industrien wie der Chemie-, Stahl- und Zementindustrie. "Im Hauptbaugewerbe wären knapp eine halbe Million Jobs betroffen", sagte Messari-Becker in Berufung auf Zahlen des Statistischen Bundesamts.

Sie forderte die Politik auf, "ideologiefrei alle nationalen Reserven zu mobilisieren" und notfalls auch Laufzeitverlängerungen konventioneller Kraftwerke, etwa von Kohlekraftwerken, in Erwägung zu ziehen. Das wäre aus ihrer Sicht "allemal verkraftbarer als eine über Jahrzehnte aufgebaute soziale Marktwirtschaft zu schädigen", sagte die Expertin.

Oberstes Ziel müsse es sein, "mit allen Mitteln eine drohende Wirtschaftstriage zu verhindern", sagte Messari-Becker. Damit meint die Expertin ein Szenario, bei dem im Falle von Versorgungsengpässen gewisse Unternehmen und Einrichtungen bevorzugt mit Gas versorgt würden - in Anlehung an den medizinischen Begriff "Triage".

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Solch eine Priorisierung würde etwa greifen, wenn in Deutschland die Notfallstufe des Notfallplans Gas ausgerufen würde. Die Bundesregierung hatte in dieser Woche vorsorglich bereits die Frühwarnstufe dieses Plans aktiviert. Hintergrund ist die Vorbereitung auf mögliche Folgen des russischen Kriegs in der Ukraine auf die Gasversorgung in Deutschland.

Am Donnerstag hatte der russische Präsident Wladimir Putin mit Wirkung zum 1. April angeordnet, dass westliche Staaten Konten bei der Gazprombank eröffnen müssen, um weiter russisches Gas zu erhalten. Andernfalls würden die Lieferungen für die "unfreundlichen" Länder eingestellt, sagte er.

Die Bundesregierung wolle die jüngsten Forderungen der russischen Regierung zur Bezahlung von Gas-Lieferungen prüfen, hieß es dazu am Donnerstag aus dem Wirtschafts- und Klimaschutzministerium.

/faa/DP/zb

BERLIN (dpa-AFX)

Bildquellen: Robert Neumann/123RF, Chepko Danil Vitalevich / Shutterstock.com

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