Kupferpreis auf Rekordhoch: Was das für das Industriemetall heißt
Kupfer kletterte an der Londoner Metallbörse auf ein neues Allzeithoch, während Zollsorgen und schwindende Lagerbestände den Markt austrocknen lassen.
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- Kupfer markiert an der Londoner Metallbörse ein neues Rekordhoch
- Befürchtete US-Zölle lenken Kupfermengen in Richtung amerikanischer Lager
- Ein Jahr nach dem Grasberg-Unglück bleibt das Angebot historisch knapp
Der Kupferpreis kletterte gestern zum vierten Handelstag in Folge und markierte dabei ein neues Rekordhoch: An der London Metal Exchange steigt der Terminkontrakt auf bis zu 14.617 US-Dollar je Tonne, ein Plus von rund 17 Prozent seit Jahresbeginn. Treiber sind eine seit Wochen angespannte Versorgungslage und die Sorge, dass die USA Importe von raffiniertem Kupfer mit Zöllen belegen könnten.
Zollsorgen treiben Metall Richtung USA
Der Sprung nach oben speist sich vor allem aus einer massiven Verlagerung von raffiniertem Kupfer in Richtung amerikanischer Lagerhäuser, wo sich Käufer gegen mögliche Zölle absichern wollen. Der Abfluss hat die Bestände in den Lagerhäusern der Londoner Börse spürbar schrumpfen lassen und die Terminkurve in eine steile Backwardation gedrückt, ein Signal für akute Kurzfristknappheit. Zusätzlich zieht die Nachfrage in China, dem weltgrößten Kupferverbraucher, saisonal an: Die Lagerbestände an der Shanghai Futures Exchange fielen laut Yahoo!Finance zuletzt auf den niedrigsten Stand seit 2024.
Ein Jahr nach dem Grasberg-Unglück bleibt das Kupfer-Angebot knapp
Heute markiert genau ein Jahr, seit rund 800.000 Tonnen nasses Material in die Grasberg-Mine von Freeport-McMoRan in Indonesien einbrachen und zwei Arbeiter tötete. Dieses Ereignis ist bis heute in der Lieferkette zu spüren. Freeport-McMoRan hat die Produktionsprognose für die Anlage für 2026 um rund ein Drittel gekappt, eine vollständige Erholung wird frühestens 2027 oder 2028 erwartet.
Analysten trauen dem Kupferpreis noch mehr zu
Am Terminmarkt bleibt die Stimmung entsprechend fest: Citigroup sieht den Kupferpreis bis zum Jahresende bei 15.000 US-Dollar je Tonne, im Fall einer noch stärkeren Nachfrage aus der KI-Infrastruktur oder einer Industrieerholung sogar bei bis zu 17.000 US-Dollar.
Offen bleibt, wie die US-Regierung entscheidet: Die Frist des Handelsministeriums für eine Zoll-Empfehlung auf raffiniertes Kupfer verstrich bereits am 30. Juni, eine Entscheidung steht weiterhin aus. Bis dahin dürfte der Wettlauf um US-Lagerbestände die Preisdynamik bestimmen.
Thomas Zoller, Bettina Schneider, Redaktion finanzen.net
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