Europäischer Gaspreis steigt kräftig: Trump droht Iran mit Konsequenzen - Sorgen vor Gasknappheit
Der Preis für europäisches Erdgas ist am Donnerstag kräftig gestiegen und hat damit die Aufwärtsbewegung der vergangenen zwei Wochen fortgesetzt.
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Nachdem die Notierung bereits zur Wochenmitte das höchste Niveau seit der Anfangsphase des Iran-Kriegs erreicht hatte, wurden die Gewinne im Tagesverlauf deutlich ausgebaut. Der richtungweisende Erdgas-Terminkontrakt TTF zur Lieferung in einem Monat wurde an der Börse in Amsterdam zu 65,29 Euro je Megawattstunde (MWh) gehandelt und damit drei Prozent höher als am Vortag.
Zeitweise ging es mit dem Preis bis auf 65,66 Euro. Er bewegte sich damit weiter in Richtung des höchsten Standes seit Mitte März, als der Iran-Krieg die Notierung zeitweise bis auf etwa 70 Euro getrieben hatte. Vor dem Krieg hatte der Preis nur bei etwa 30 Euro gelegen.
An den Märkten für Energierohstoffe bleibt die Entwicklung im Iran-Krieg das bestimmende Thema. US-Präsident Donald Trump hatte vor dem Hintergrund fehlender Erfolge bei den Verhandlungen mit Teheran dem Iran mit einem "Wirtschaftskrieg" gedroht. Zudem machte Trump deutlich, dass Länder mit wirtschaftlichen Konsequenzen rechnen müssen, wenn sie den Iran unterstützen. Daraufhin hat Peking die USA vor weiteren Sanktionen gewarnt. China zählt zu den Ländern, die von Trumps Drohung besonders betroffen wären.
Seit zwei Wochen geht es mit dem Gaspreis tendenziell nach oben. In dieser Zeit ist der Rohstoff um etwa 25 Prozent teurer geworden. Am Markt zeigt sich zunehmend die Sorge, dass eine Normalisierung der Lieferungen von Energierohstoffen aus den Fördergebieten am Persischen Golf vorerst nicht möglich ist.
Angesichts der geringen Füllstände der Gasspeicher hat die Verbraucherzentrale Bundesverbandes zuletzt vor steigenden Preisen für Gaskunden gewarnt. Die deutschen ebenso wie die europäischen Füllstände liegen aktuell deutlich unter dem Niveau des Vorjahres. Für Händler, die normalerweise im Sommer Gas kaufen, um es in der Heizperiode im Winter zu verkaufen, ist der Einkauf zum Auffüllen der Reserven wegen der hohen Preise derzeit wenig attraktiv.
Wirtschaftsministerium sieht noch keine Gas-Versorgungskrise
Das Bundeswirtschaftsministerium versucht Sorgen um etwaige Engpässe bei der Gasversorgung in der kalten Jahreszeit zu zerstreuen. "Nach aktuellem Erkenntnisstand ist eine Gasmangellage im kommenden Winter nicht zu erwarten", heißt es in einem Papier des Hauses. Einen staatlichen Eingriff schließt man aber für die Zukunft nicht aus.
Ministerium: Kommt nicht nur auf Speicher an
Man nehme es ernst, dass die deutschen Gasspeicher deutlich weniger gefüllt seien als in den vergangenen Jahren, so das Ministerium. "Gleichzeitig lässt sich die Versorgungssicherheit nicht allein an einem Speicherfüllstand ablesen." Gas komme insbesondere über Pipelines aus Norwegen, Importterminals für Flüssiggas (LNG) und von europäischen Nachbarländern.
"Gleichzeitig gilt: Niedrigere Speicherstände reduzieren den Puffer für außergewöhnliche Situationen." Das sei vor allem dann relevant, wenn mehrere Belastungen gleichzeitig aufträten: "etwa eine längere Kältephase zusammen mit dem Ausfall wichtiger Importinfrastruktur oder zusätzlichen Störungen auf dem internationalen LNG-Markt."
Die Gaspreise sind hoch
Speicherstände von 60 bis 70 Prozent zu Winterbeginn würden nach Einschätzung des Ministeriums zusammen mit Importmöglichkeiten ausreichen, um eine durchschnittliche Winternachfrage zu decken. Derzeit sind die deutschen Gasspeicher zu rund 50 Prozent gefüllt.
Die Gaspreise sind in diesem Sommer wegen des Iran-Kriegs mit der Blockade der Straße von Hormus ungewöhnlich hoch, weshalb Händler weniger Gas für den Verkauf im Winter einkaufen. "Eine angespannte Marktlage mit hohen Preisen ist noch keine Versorgungskrise", betont das Ministerium aber.
Bundesregierung bereitet sich vor
Das Haus von Ministerin Katherina Reiche (CDU) sieht vor allem die Privatwirtschaft in der Pflicht. "Die Wintervorsorge liegt grundsätzlich bei den Gasunternehmen und Händlern." Ein staatlicher Eingriff berge Risiken. "Staatliche Gaskäufe können zusätzliche Nachfrage schaffen, Preise erhöhen und private Einspeicherung verdrängen. Zudem besteht das Risiko, dass Marktteilnehmer künftig darauf vertrauen, dass der Staat bei niedrigen Speicherständen ohnehin einspringt."
Dennoch bereite die Bundesregierung "die notwendigen Handlungsoptionen so vor, dass sie bei einer Verschlechterung der Lage schnell und gezielt eingesetzt werden können", so das Ministerium. Dabei würde beobachtet, wie sich Speicherfüllstände, Importe, LNG-Verfügbarkeit, Infrastruktur, Nachfrage und die Situation in den europäischen Nachbarländern entwickelten.
Energiewirtschaftsverband: Lieferverpflichtungen werden erfüllt
Der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) sieht die Gasversorgung im kommenden Winter trotz der niedrigen Speicherstände gesichert. "Gashändler und Lieferanten erfüllen ihre vertraglichen Lieferverpflichtungen. Darauf können sich die Kundinnen und Kunden verlassen", sagte die Vorsitzende der BDEW-Hauptgeschäftsführung, Kerstin Andreae.
Die Unternehmen sicherten ihre Lieferverpflichtungen mit individuellen Beschaffungsportfolios ab, zu denen auch Speichermengen gehörten. Es gebe jedoch keine Pflicht, die Versorgung über die Einspeicherung von Gas in Speicher zu gewährleisten. Mit dem Aufbau der Terminals für Flüssigerdgas (LNG) sei zudem eine weitere Säule der Versorgung hinzugekommen.
Kritisch sieht der BDEW die staatlichen Vorgaben für Speicherfüllstände. Diese seien reine Kennvorgaben und lösten nicht automatisch staatliches Handeln aus. Zugleich könnten sie Fehlanreize schaffen, weil Marktteilnehmer mit einem möglichen Eingreifen des Staates rechneten und deshalb weniger Gas einspeicherten.
Die von der Bundesregierung konzipierte nationale Gasreserve begrüßte Andreae. Diese solle in festgelegten Krisenfällen eingesetzt werden. "Dafür braucht es schnell den rechtlichen Rahmen, damit Deutschland für Krisensituationen besser abgesichert ist."
Was Verbraucher beachten sollten
Angesichts der geringen Füllstände der Gasspeicher hat die Vorständin des Verbraucherzentrale Bundesverbandes (vzbv), Ramona Pop, vor steigenden Preisen für Gaskunden gewarnt. "Wir beobachten die Gasspeicherstände sehr genau und sehen die möglichen Herausforderungen für den kommenden Winter. Die Einkaufspreise für Gas steigen seit Beginn des Krieges im Nahen Osten deutlich", sagte Pop der "Rheinischen Post".
"Niedrige Speicherstände würden die bereits angespannte Lage auf den Energiemärkten in der kommenden Heizsaison weiter verschärfen. Für Privathaushalte kann das höhere Energiepreise bedeuten", erklärte Pop.
Gaskunden riet sie zur Vorsicht: "Verbraucherinnen und Verbraucher sollten jetzt prüfen, ob ihr Vertrag über den Winter hinaus eine Preisbindung vorsieht", sagte Pop. Das schütze zunächst vor steigenden Preisen. Zugleich lohne es, Preise zu vergleichen und gegebenenfalls zu einem günstigeren Anbieter zu wechseln.
AMSTERDAM/BERLIN (dpa-AFX)
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