Normale Korrektur oder mehr?

Die Märkte reagieren nur noch mit überschaubaren Bewegungen auf die Nachrichten aus dem Nahen Osten, wenngleich sich der Frieden bislang als sehr fragil erweist. Der Ölpreis gibt aber weiter an Wert ab und dürfte damit auch für Entspannung bei der Inflation sorgen.
Man darf daher gespannt sein, ob sich bei der Teuerungsrate eine weitere Entspannung erkennen lässt. Schließlich hat sich der neue US-Notenbankchef Kevin Warsh in seiner ersten Sitzung für viele überraschend als geldpolitischer Falke präsentiert. So blieb der Leitzins zwar unverändert und man betonte einmal mehr die Entschlossenheit, die Preisstabilität herzustellen. Allerdings verzichtete man auf die bisherige Formulierung hinsichtlich des dualen Mandats der FED, welches maximale Beschäftigung ebenso wie die Preisstabilität umfasst. Im Gegensatz zur FED ist die Europäische Zentralbank nur der Preisstabilität des Euro verpflichtet.
KI-Titel vor "gesunder" Korrektur?
In den vergangenen Tagen kamen viele KI-Titel unter Druck. Dies ist aber im Hinblick auf die vorausgegangenen Anstiege nicht wirklich überraschend und im Sinne einer "gesunden" Korrektur eigentlich längst überfällig. Das Problem zeigt sich allerdings, wenn sich die steigenden Aktienkurse der jeweiligen Titel sehr deutlich von einer fairen Bewertung entfernen. In diesem Fall könnte aus einer normalen Gegenbewegung auch ein etwas größerer Rücksetzer werden. Schließlich treffen an den Märkten Angst und Gier aufeinander, die selten in einem Gleichgewicht stehen. Während Aktienkurse in Übertreibungen über das Ziel nach oben schießen, fallen sie dann in Korrekturen hin und wieder auch unter ein sinnvolles Niveau. Dies bietet für den nervenstarken Anleger dann immer wieder eine attraktive Einstiegsmöglichkeit!
Korrektur in den Sommermonaten?
Aus saisonaler Sicht zeigen sich die Sommermonate tendenziell mit einer schwächeren Entwicklung. Vor allem August und September sind in der Vergangenheit häufig durch einen Abschwung geprägt gewesen. Dies ist unter anderem auch auf die Zahlen zum zweiten Quartal zurückzuführen, welche in diesem Zeitraum veröffentlicht werden. Sind die Erwartungen im Vorfeld sehr ambitioniert, ist das Enttäuschungspotenzial natürlich umso größer. Aufgrund der hohen Bewertungen im KI-Sektor darf man daher darauf gespannt sein, ob der Aktienmarkt auch in diesem Jahr im August und September seiner saisonalen Kurve folgen wird!
Stephan Feuerstein Hebelzertifikate.de
Stephan Feuerstein ist Chefredakteur des Börsenbriefes Hebelzertifikate-Trader. Bereits seit Anfang der 90er Jahre beschäftigt er sich mit dem Thema Börse, speziell der Technischen Analyse. Infos: www.hebelzertifikate-trader.de Der obige Text spiegelt die Meinung des jeweiligen Kolumnisten wider. Die finanzen.net GmbH übernimmt für dessen Richtigkeit keine Verantwortung und schließt jegliche Regressansprüche aus.