EZB-Zinsentscheid

EZB ohne Überraschung: Leitzins bleibt konstant - was das für Anleger und ihr Geld bedeutet

23.07.26 15:07 Uhr

EZB hält die Füße still: Warum die Notenbank trotz hoher Inflation den Leitzins unverändert belässt - und was das für Anleger bedeutet | finanzen.net

Die EZB hat über den aktuellen Leitzins entschieden und damit erneut ein Signal für die künftige Ausrichtung der Geldpolitik im Euroraum gesetzt.

Werte in diesem Artikel
Rohstoffe

100,82 USD 6,75 USD 7,18%

91,56 USD 4,73 USD 5,45%

  • EZB lässt Leitzins wie erwartet unverändert bei 2,25 Prozent
  • Inflation im Euroraum sinkt im Juni auf 2,8 Prozent, bleibt aber erhöht
  • Zinsschritt im September gilt an den Märkten als wahrscheinlich

Die Europäische Zentralbank hat den Leitzins am Donnerstag nicht angepasst und den Einlagensatz unverändert bei 2,25 Prozent belassen. Die Entscheidung fiel wie von Ökonomen nahezu einstimmig erwartet und markiert eine erneute Pause, nachdem im Juni die erste Zinserhöhung seit September 2023 erfolgt war. Für Sparer, Kreditnehmer und Anleger entscheidet vor allem der Ausblick auf die nächste Sitzung im September, wie es mit den Zinsen weitergeht.

"Die Unsicherheit ist nach wie vor hoch, und die Auswirkungen des Energieschocks auf die Inflation sind noch nicht vollständig zum Tragen gekommen", teilte die Zentralbank nach der Sitzung des EZB-Rates in Frankfurt mit.

Starke Zinsanpassungen

Im Juli 2022 hatte die EZB die Zinswende eingeleitet: In zehn aufeinanderfolgenden Anhebungen stieg der Einlagensatz drastisch von minus 0,50 Prozent auf 4,00 Prozent. Ab September 2023 steuerte die Notenbank dann in die Gegenrichtung und lockerte ihre Geldpolitik wieder: Über acht Zwischenschritte sank der Leitzins zurück auf 2,00 Prozent, bevor im Juni 2026 mit einer Anhebung auf 2,25 Prozent erneut die Kehrtwende hin zu einem strafferen Kurs erfolgte.

Geopolitische Spannungen treiben Inflation: Iran-Konflikt im Fokus

Hintergrund ist eine weiterhin gemischte wirtschaftliche Entwicklung im Euroraum, bei der sich Inflationsrisiken und konjunkturelle Unsicherheiten die Waage halten. In ihrer Frühjahrsprognose vom 22. Mai senkte die EU-Kommission ihre Wachstumserwartungen für die EU von 1,4 auf 1,1 Prozent. Für die 21 Staaten der Eurozone wurde sie auf 0,9 Prozent reduziert. Den damals schwachen Wirtschaftsaussichten stand ein erhöhter Preisdruck gegenüber: Die Verbraucherpreise in der Eurozone waren im Mai um 3,2 Prozent im Jahresvergleich gestiegen, der höchste Wert seit September 2023. Grund war vor allem der Anstieg der Energiepreise infolge des Iran-Kriegs und der Sperrung der Straße von Hormus, wodurch die Öllieferungen zeitweise weitgehend zum Erliegen kamen. Seither hat sich der Preisdruck etwas gelockert: Die Inflation sank im Juni auf 2,8 Prozent, während die Lage an der Straße von Hormus zwar nicht vollständig gelöst, aber weniger angespannt ist als im Frühjahr.

Iran-Krieg zieht sich: EZB-Aussagen werden mit Spannung erwartet

Der Konflikt im Nahen Osten zieht sich weiter hin und übertrifft bereits die Dauer, die die EZB noch im März in ihrem milderen Risikoszenario veranschlagt hatte. Für die Märkte stellt sich daher zunehmend die Frage nach dem weiteren Kurs. Da die EZB-Terminsätze mittlerweile eine Zinsanhebung um 25 Basispunkte für den kommenden September einpreisen, rücken die anstehenden EZB-Projektionen sowie die Wortwahl von Notenbank-Chefin Christine Lagarde in den Fokus.

Notenbank setzt auf Pause: Was das für Anleger und ihr Geld bedeutet

Für Anleger bringt der unveränderte Leitzins in erster Linie Planungssicherheit. Die Zinsen für Tages- und Festgeldanlagen dürften auf dem Niveau von Anfang Juli verharren, als die Durchschnittszinsen für zweijähriges Festgeld bei rund 2,3 Prozent lagen, ohne nennenswerte Ausschläge nach oben oder unten. Gleichzeitig bleiben die realen Erträge klassischer Sparformen begrenzt, da die Inflation weiterhin einen Teil der Zinserträge mindert.

Für Kreditnehmer ergeben sich kurzfristig ebenfalls kaum Veränderungen. Die Bauzinsen bewegen sich seit dem Frühjahr in einer Seitwärtsphase und lagen Mitte Juli je nach Zinsbindung zwischen rund 3,3 und 3,65 Prozent, ohne dass sich eine deutliche Entspannung abzeichnet. Damit bleiben die Kosten für Immobilienfinanzierungen auf einem vergleichsweise hohen, aber weitgehend konstanten Niveau.

An den europäischen Aktienmärkten, etwa beim DAX, dürfte die Zinspause hingegen unterstützend wirken, da stabile Finanzierungskosten insbesondere Unternehmen mit hohen Wachstumsambitionen zugutekommen.

Die kommenden Wochen werden nun zeigen, ob der Ölpreis unter Kontrolle bleibt. Die Sitzung des EZB-Rats am 10. September gilt bereits jetzt als nächster Schlüsseltermin: An den Terminmärkten wird ein weiterer Zinsschritt zu diesem Zeitpunkt als sehr wahrscheinlich gehandelt - wenngleich neue Wirtschaftsdaten oder geopolitische Entwicklungen das Bild bis dahin schnell wieder verändern können.

Lagarde: Inflationsrisiken aufwärts gerichtet - Wachstumsrisiken abwärts

Der Rat der Europäischen Zentralbank (EZB) sieht nach den Worten von EZB-Präsidentin Christine Lagarde weiterhin ein überwiegendes Risiko, dass die Inflation höher als erwartet ausfallen wird. "Die Risiken für den Inflationsausblick sind aufwärts gerichtet", sagte sie in der Pressekonferenz nach der EZB-Ratssitzung. Die Wachstumsrisiken sind Lagarde zufolge abwärts gerichtet. Zugleich sagte Lagarde aber, dass sich die wirtschaftliche Aktivität im zweiten Quartal verbessert habe und dass die fundamentalen Wachstumstreiber intakt blieben.

Zuvor hatte der EZB-Rat wie erwartet beschlossen, den Einlagensatz bei 2,25 Prozent zu belassen. Damit sieht er sich weiterhin gut positioniert, um mit der durch den Iran-Krieg ausgelösten Unsicherheit umzugehen.

Claudia Stephan, Evelyn Schmal, Redaktion finanzen.net mit Material von dpa-AFX und Dow Jones Newswires

Bildquellen: Yurchyks / Shutterstock.com, Oliver Hoffmann / Shutterstock.com