Vonovia-Aktie nach Dreijahrestief: Einstiegschance trotz Zinsdruck? Das sagen Experten
Die Vonovia-Aktie fällt auf ein neues Dreijahrestief, während Analysten über die richtige Einschätzung streiten.
Werte in diesem Artikel
- Zinssorgen drücken die Vonovia-Aktie auf ein neues Mehrjahrestief
- Goldman Sachs kappt Einstufung und Kursziel für den Wohnungskonzern
- Analysten streiten über Chancen und Risiken beim Einstieg
Die Vonovia-Aktie ist unter Druck: Ein neues Dreijahrestief markiert den vorläufigen Tiefpunkt einer Abwärtsbewegung seit August. Ein verschärftes Zinsumfeld setzt dem Wohnimmobilienkonzern zu, zusätzlich hat Goldman Sachs seine Einstufung zurückgenommen. Am Markt ist umstritten, ob der Kursrückgang inzwischen eine Einstiegschance eröffnet oder die Risiken überwiegen. Auf Monatssicht summiert sich der Verlust inzwischen auf 13,7 Prozent, während das Minus auf Wochensicht bereits 6,1 Prozent erreicht.
Zinsdruck schickt die Vonovia-Aktie auf Dreijahrestief
Hauptgrund für den Kursrutsch ist das gestiegene Zinsniveau. Die Europäische Zentralbank beschloss am vergangenen Donnerstag ihre zweite Leitzinserhöhung des Jahres um 25 Basispunkte auf 2,50 Prozent. Steigende Zinsen und Anleiherenditen verteuern die Refinanzierung fremdkapitalintensiver Immobilienkonzerne wie Vonovia, nach eigenen Angaben Europas führendem Wohnimmobilienunternehmen mit Sitz in Bochum, und erhöhen zugleich die Diskontsätze, mit denen künftige Mieteinnahmen bewertet werden. Daraufhin rutschte die Aktie auf ein neues Dreijahrestief, nachdem sie bereits in der Vorwoche gefallen war. Am heutigen Montag ging es via XETRA dann letztlich um 0,19 Prozent auf 18,01 Euro hoch, nachdem es im frühen Handel noch kräftig abwärts ging. Dabei fiel die Aktie auf ein weiteres Tief bei 17,54 Euro.
Verstärkt wurde der Abwärtsdruck durch eine Kurszielsenkung von Goldman Sachs: Analyst Jonathan Kownator stufte das Papier Anfang September von Buy auf Neutral zurück und senkte das Kursziel von 29,50 auf 21,20 Euro, wodurch Vonovia auch aus der bankinternen Conviction List fiel. Als Begründung nannte er einen vorsichtigeren Tenor auf einer Branchenkonferenz angesichts steigender Zinsen, während Mietwachstum und operative Trends aus seiner Sicht solide blieben.
Vonovia hält an Jahresprognose fest
Operativ zeigt sich Vonovia robuster als der Kursverlauf vermuten lässt: Im ersten Halbjahr 2026 stieg das bereinigte EBITDA um 2,4 Prozent auf 1,46 Milliarden Euro, getragen vom Vermietungsgeschäft mit einem Plus von 3,5 Prozent auf 1,27 Milliarden Euro sowie dem Segment Value-add, das um 27,6 Prozent auf 128,5 Millionen Euro zulegte. Der operative Free Cashflow brach dagegen um 45,4 Prozent auf 607,5 Millionen Euro ein, das bereinigte Ergebnis je Aktie sank um 7,7 Prozent auf 0,91 Euro.
Trotz dieser Rückgänge bestätigte der Konzern seine Jahresprognose 2026 für sämtliche Ertragskennzahlen, darunter ein Adjusted EBITDA zwischen 2,95 und 3,05 Milliarden Euro sowie ein bereinigtes Ergebnis für die Aktionäre von 1,4 bis 1,5 Milliarden Euro; auch der mittelfristige Ausblick bis 2028 blieb unverändert. Das Immobilienportfolio wurde zum 30. Juni 2026 mit einem Verkehrswert von 81,8 Milliarden Euro bewertet, der Nettoinventarwert je Aktie lag bei 46,22 Euro. Finanzvorstand Philip Grosse betonte, die Kapitalstruktur sei weiterhin solide und man habe Finanzierungen angesichts der Marktunsicherheiten bewusst vorgezogen, um Refinanzierungsrisiken frühzeitig zu reduzieren.
Analysten uneins über die Einstiegschance
Unter den Analysten fällt das Bild gemischt aus: Von zehn von TipRanks erfassten Häusern raten sechs zum Kauf, drei zu Halten und eines zum Verkauf, das mittlere Kursziel liegt bei 29,09 Euro und spannt sich von 20 bis 45 Euro. Barclays-Analyst Paul May bestätigte Ende August seine Sell-Einstufung mit einem Kursziel von 20 Euro und verwies darauf, dass nicht der Buchwert der Immobilien, sondern die nachhaltig erwirtschaftete Liquidität entscheidend sei. Citi-Analyst Aaron Guy hält dagegen an seiner Buy-Empfehlung mit einem Kursziel von 45 Euro fest, während Morgan-Stanley-Analyst Bart Gysens die Aktie Anfang September mit einem Kursziel von 25 Euro auf Hold einstuft.
Anleger richten den Blick auf die nächste EZB-Sitzung Ende Oktober, die zeigen dürfte, ob die Notenbank ihren strafferen Kurs fortsetzt oder pausiert, sowie auf die Zwischenmitteilung zum dritten Quartal, die Vonovia für den 4. November angekündigt hat.
Bettina Schneider, Julia Walter, Redaktion finanzen.net
Dieser Text dient ausschließlich zu Informationszwecken und stellt keine Anlageempfehlung dar. Die finanzen.net GmbH schließt jegliche Regressansprüche aus.
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Bildquellen: Vonovia SE
