Enteignungsstreit eskaliert weiter: Was jetzt mit der Vonovia-Aktie passiert
Nach dem Wahlsieg der Linken in Berlin droht Vonovia erneut die Enteignungsdebatte, während Bankenverband und Bundeskanzler Merz gegensteuern.
Werte in diesem Artikel
- Linken-Spitzenkandidatin Eralp hält an Enteignungsplänen fest
- Bundeskanzler Merz kündigt Gesetz gegen Enteignungen an
- Vonovia-Chef Mucic verweist auf Neubauprojekte in Berlin
Die Vonovia-Aktie gerät nach dem Wahlsieg der Linken in Berlin weiter unter Druck. Spitzenkandidatin Elif Eralp bekräftigt ihre Enteignungspläne für große Wohnungskonzerne, während Bundeskanzler Friedrich Merz ein Gesetz gegen solche Eingriffe ankündigt. Der größte private Wohnungskonzern Deutschlands mit gut 130.000 Wohnungen in Berlin steht damit im Zentrum einer neu entfachten politischen Debatte.
Wahlsieg der Linken belastet Vonovia-Aktie
Bei der Wahl zum Abgeordnetenhaus in Berlin am Sonntag wurde Die Linke mit 25,7 Prozent stärkste Kraft vor CDU mit 18,8 Prozent und AfD mit 16,3 Prozent. Das Ergebnis rückt die Debatte um eine Vergesellschaftung großer Wohnungskonzerne erneut ins Zentrum, an die die Partei mit ihrem Wahlkampf anknüpft. Grundlage ist der Volksentscheid "Deutsche Wohnen & Co enteignen" aus dem Jahr 2021, bei dem sich eine Mehrheit der Teilnehmer für eine Enteignung großer Vermieter gegen Entschädigung aussprach.
Linken-Spitzenkandidatin Elif Eralp bekräftigte im Anschluss an den Wahlsieg ihre Ankündigung, im Fall einer Regierungsbeteiligung große Wohnungsunternehmen zu enteignen und einen Mietendeckel für landeseigene Wohnungen einzuführen. "Wenn die Linke regiert, wird vergesellschaftet. Das habe ich so gesagt, und dabei bleibe ich auch", sagte sie in der ARD. Vonovia, Deutschlands größter privatwirtschaftlicher Wohnimmobilienkonzern, besitzt zusammen mit der Tochtergesellschaft "Deutsche Wohnen gut 130.000 Wohnungen in Berlin und reagierte am Montag mit Kursverlusten. Diese setzen sich auch am Dienstag fort: Im XETRA-Handel verliert der Anteilsschein zeitweise 2,03 Prozent auf 17,13 Euro, auch die Tochter Deutsche Wohnen rutscht um weitere 1,48 Prozent auf 15,98 Euro ab.
Mucic verteidigt Neubauleistung, Bankenverband warnt
Vonovia-Vorstandschef Luka Mucic wies eine Vergesellschaftung als Lösung des Wohnungsproblems zurück und bot der künftigen Berliner Landesregierung Zusammenarbeit an. "Ich glaube nicht, dass die Vergesellschaftung irgendeine Lösung des Problems bringt, sondern dass wir Rahmenbedingungen schaffen müssen, in denen man wieder mehr Neubau realisieren kann", sagte er im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur. Mucic verwies darauf, dass Vonovia in Berlin im Jahr 2026 rund 1.000 neue Wohneinheiten baue und seit 2013 bereits 6.000 Einheiten errichtet habe. "Das ist natürlich ein Tropfen auf den heißen Stein, aber es ist trotzdem ein Beitrag, den wir an der Stelle leisten", so der 55-Jährige.
Auch die deutsche Bankenbranche warnte vor den Enteignungsplänen. Der Bankenverband erklärte, nach den Vorstellungen der Initiative "Deutsche Wohnen & Co enteignen" könnten bestehende Grundschulden entfallen. "Damit würde den finanzierenden Banken und Sparkassen und damit auch ihren Kunden eine zentrale Kreditsicherheit genommen, mit der Folge höherer Risiken und teurerer Immobilienkredite", hieß es vom Verband, dem unter anderem Sparkassen, Volksbanken und private Banken angehören. Auch Heimstaden-Geschäftsführer Jakub Mika, dessen Unternehmen mit rund 20.000 Wohnungen in Berlin ebenfalls betroffen wäre, äußerte sich gelassen und verwies auf sein Vertrauen in den deutschen Rechtsstaat.
Merz kündigt Gesetz an
Bundeskanzler Friedrich Merz bekräftigte nach dem Wahlsieg der Linken die Pläne seiner Partei für ein gesetzliches Enteignungsverbot für Wohnungsgesellschaften. "Es geht vor allem darum, an die internationalen Investoren eine klare Botschaft zu senden, die da lautet: Es gibt in Deutschland keine Enteignungen von privatem Eigentum", sagte der CDU-Chef nach Gremiensitzungen seiner Partei und kündigte an, das Vorhaben "relativ schnell" zu einer Entscheidung zu bringen. Die CSU forderte ebenfalls ein schnelles gesetzliches Verbot von Immobilien-Enteignungen. Die Linke im Bundestag reagierte scharf: Fraktionschef Sören Pellmann warf Merz vor, mit seinem Vorstoß die Interessen der Mieter zu missachten und Wohnungskonzerne zu schützen, und sagte der "Rheinischen Post", der Kanzler falle den Mietern im Land "eiskalt in den Rücken".
Ob es in Berlin überhaupt zu einer Koalition unter Führung der Linken kommt, ist offen, ebenso wie der weitere parlamentarische Weg von Merz' angekündigtem Gesetzesvorhaben.
Claudia Stephan, Redaktion finanzen.net
Dieser Text dient ausschließlich zu Informationszwecken und stellt keine Anlageempfehlung dar. Die finanzen.net GmbH schließt jegliche Regressansprüche aus.
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Bildquellen: Vonovia SE
