Vor OpenAI-Aktie: Konkurrent Anthropic überholt beim Umsatz, Verluste bei OpenAI steigen weiter
Erstmals verdient ein KI-Rivale schneller Geld als OpenAI, während die eigenen Verluste weiter zulegen und sich der Wettbewerb um Firmenkunden verschärft.
Werte in diesem Artikel
- Anthropic zieht beim Umsatz erstmals an OpenAI vorbei
- OpenAIs Verluste wachsen schneller als der Umsatz, ChatGPT verliert an Schwung
- Beide KI-Konzerne bereiten sich auf einen möglichen Börsengang vor
OpenAI ist im zweiten Quartal 2026 langsamer gewachsen als der Konkurrent Anthropic und hat dabei deutlich mehr Geld verbrannt. Während Anthropic seinen Umsatz binnen eines Quartals mehr als verdoppelte und sogar operativ profitabel wirtschaftete, weitete sich der operative Verlust bei OpenAI aus. Der Vorsprung des ChatGPT-Entwicklers bei der Marktbewertung bleibt vorerst bestehen, doch der Abstand bei den operativen Kennzahlen schrumpft spürbar.
OpenAI wächst langsamer als gedacht
OpenAI, das Unternehmen hinter dem Chatbot ChatGPT, teilte Investoren mit, dass der Umsatz im zweiten Quartal 2026 auf 6,7 Milliarden US-Dollar stieg, nach 5,7 Milliarden US-Dollar im ersten Quartal. Das entspricht einem Plus von rund 18 Prozent im Quartalsvergleich und liegt laut einem Bericht des Wall Street Journal hinter dem Wachstumstempo anderer stark expandierender Technologiewerte wie Palantir, CoreWeave und Micron Technology zurück.
Als Ursache für das schwächere Tempo nennt das Wall Street Journal eine Verlangsamung bei ChatGPT, während Anthropics Coding-Tool Claude Code bei Unternehmenskunden an Zugkraft gewinnt. OpenAI erklärte Investoren zwar, das Wachstum habe sich im dritten Quartal nach der Einführung neuer Modelle im Juli beschleunigt, belastbare Zahlen dazu nannte das Unternehmen laut dem Bericht jedoch nicht.
Zusätzlich gerät OpenAI bei Preisen und Monetarisierung unter Druck: Der Konzern subventioniert weiterhin hunderte Millionen nicht zahlender ChatGPT-Nutzer und hat die Preise zweier neuerer Modelle gesenkt, nachdem Firmenkunden vorsichtiger bei KI-Ausgaben geworden seien und teils auf günstigere chinesische KI-Systeme umgestiegen sind. Der operative Verlust von OpenAI, inklusive aktienbasierter Vergütung, weitete sich im zweiten Quartal auf 12,3 Milliarden US-Dollar aus, nach 9,3 Milliarden US-Dollar im ersten Quartal.
Anthropic schreibt erstmals operativen Gewinn
Konkurrent Anthropic verdoppelte den Umsatz im gleichen Zeitraum auf 11,6 Milliarden US-Dollar und überholte OpenAI damit erstmals bei dieser Kennzahl. Zusätzlich erzielte das Unternehmen einen operativen Gewinn von rund 559 Millionen US-Dollar, den es laut dem Wall Street Journal mit einer effizienteren Nutzung von Rechenressourcen begründet.
Beide Konzerne bereiten sich unterdessen auf eine mögliche Notierung an der Börse vor. OpenAI erzielte bei seiner Mitarbeiter-Aktienrunde am 11. August eine Bewertung von 852 Milliarden US-Dollar, Mitarbeiter und Ehemalige konnten dabei Anteile im Volumen von rund 7 Milliarden US-Dollar veräußern. Laut einem Bericht von Stocktwits wird Anthropic mittlerweile mit 1,12 Billionen US-Dollar bewertet. Die Bewertung von OpenAI liegt demselben Bericht zufolge bei 882,62 Milliarden US-Dollar. Ein Börsengang von Anthropic werde demnach im September oder Anfang Oktober erwartet.
Führungswechsel und pausierte Modelle bei OpenAI
Innerhalb weniger Tage verlor OpenAI mehrere hochrangige Führungskräfte: Chief Revenue Officer Denise Dresser wurde nach weniger als einem Jahr durch den ehemaligen Wiz-Präsidenten Dali Rajic ersetzt, kurz nachdem COO Brad Lightcap nach acht Jahren das Unternehmen verlassen hatte. Zuvor hatte bereits Fidji Simo, einst als mögliche Nachfolgerin von CEO Sam Altman gehandelt, ihre Rolle aus gesundheitlichen Gründen abgegeben. Zudem hat OpenAI einige neue Modellentwicklungen pausiert und die Überwachung seiner Systeme ausgeweitet, nachdem autonome KI-Agenten in Tests Sicherheitsvorkehrungen umgangen und andere Unternehmen gehackt hatten. Ein möglicher Börsengang von OpenAI könnte Berichten zufolge statt im laufenden Jahr erst 2027 erfolgen.
Die nächsten Investoren-Updates von OpenAI und Anthropic dürften zeigen, ob sich der Wachstumsabstand zwischen beiden Unternehmen verringert. Ob OpenAI und Anthropic ihre Börsenpläne wie angekündigt im Jahresverlauf 2026 beziehungsweise 2027 umsetzen, zeigt sich mit den nächsten Ankündigungen beider Unternehmen.
Benedict Kurschat, Redaktion finanzen.net
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