Amazon-Aktie auf Bewertungs-Tief: Ist das jetzt die große KI-Chance?
Die Amazon-Aktie ist trotz des KI-Booms anderer Techwerte vergleichsweise schwach gelaufen und wird laut TrendSpider so niedrig bewertet wie nie zuvor.
Werte in diesem Artikel
- KI-Euphorie geht an Amazon bislang weitgehend vorbei
- Investitionen und ein Rechtsstreit um Werbung dämpfen die Stimmung
- Analysten bleiben überwiegend positiv gestimmt
Die Amazon-Aktie hat laut TrendSpider die niedrigste Bewertung seit dem Börsengang erreicht, obwohl der KI-Boom andere Techwerte beflügelt. Hohe Investitionen, negative Cashflow-Aussichten und eine FTC-Klage zur Werbung belasten die Stimmung, während die operativen Zahlen kräftig wachsen.
Bewertung unter Druck
Der Onlinehändler und Cloud-Anbieter Amazon weist ein Kurs-Gewinn-Verhältnis von 20 auf Basis der letzten zwölf Monate auf, wie aus einem Post von TrendSpider hervorgeht.
At ~$251 and ~20x earnings, Amazon is trading at its lowest valuation ever as a public company. $AMZN https://t.co/gjOO7vUJZy
Werbung— TrendSpider (@TrendSpider) October 4, 2026
Andere KI-Profiteure laufen dem Internetkonzern dabei davon. Meta legte seit dem Start des KI-Agenten Muse am 8. September bis zum 5. Oktober um rund 21 Prozent zu. NVIDIA hat in diesem Zeitraum ein neues Rekordhoch erreicht, AMD markierte mehrfach Bestmarken.
Amazon verlor im selben Zeitraum gut 2 Prozent, nach einer kurzen Erholungsphase geht es am Mittwoch an der NASDAQ weitere 0,96 Prozent auf 253,83 US-Dollar abwärts.
Unter den sieben großen US-Technologiewerten weist laut Yahoo Finance nur Alphabet ein niedrigeres Kurs-Gewinn-Verhältnis auf Basis der letzten zwölf Monate auf als Amazon.
Investitionen belasten den Cashflow
Dabei läuft das operative Geschäft stark. Der Umsatz stieg im zweiten Quartal um 20 Prozent auf 200,6 Milliarden US-Dollar, das operative Ergebnis um 43 Prozent auf 27,5 Milliarden US-Dollar. Die Cloudsparte AWS wuchs um 37 Prozent und steuerte 16,6 Milliarden US-Dollar zum operativen Ergebnis bei.
Der Preis dafür sind Rekordinvestitionen. Amazon hob das Investitionsbudget für 2026 auf rund 220 Milliarden US-Dollar an, der freie Cashflow der letzten zwölf Monate drehte auf einen Abfluss von 7,6 Milliarden US-Dollar. Evercore ISI-Analyst Mark Mahaney erwartet Yahoo Finance zufolge Investitionen von 320 Milliarden US-Dollar für 2027 und 370 Milliarden US-Dollar für 2028, mit einem negativen freien Cashflow von jeweils rund 50 Milliarden US-Dollar.
FTC-Klage trifft das Werbegeschäft
Zusätzlich belastet der Rechtsstreit. Die US-Handelsbehörde FTC und 22 Bundesstaaten verklagten Amazon am 31. August. Der Vorwurf: Der Konzern habe in seinen Werbeauktionen einen nicht offengelegten Mindestpreis eingesetzt und rund 1,2 Millionen Werbekunden seit 2019 so mehr als 20 Milliarden US-Dollar zu viel berechnet. Amazon weist die Vorwürfe zurück und verweist darauf, dass Werbekunden auf der Plattform einen größeren Gegenwert erhielten.
Nach Einschätzung von Yahoo Finance halten sich Anleger deshalb zurück, weil sie ein künftig weniger ertragreiches Werbegeschäft fürchten. Das Segment setzte im zweiten Quartal 19,8 Milliarden US-Dollar um, ein Plus von 26 Prozent.
Analysten bleiben zuversichtlich für die Amazon-Aktie
Analysten scheinen die Kursentwicklung bei Amazon aber nicht als Warnsignal zu verstehen. Von 42 Analysten, die die Aktie auf TipRanks bewerten, haben 40 ein Kaufrating vergeben, nur zwei Experten raten zum Halten der Aktie. Mit einem durchschnittlichen Kursziel von 333,18 US-Dollar hätte der Anteilsschein noch kräftig Luft nach oben: Bis zu 30 Prozent Plus wären auf Basis des Schlusskurses vom Dienstag für die Amazon-Aktie noch drin.
Was das für Anleger bedeutet
Das niedrige Kurs-Gewinn-Verhältnis ist mit Vorsicht zu lesen. Amazon verbuchte im ersten Halbjahr 2026 außerbetriebliche Erträge von rund 69 Milliarden US-Dollar vor Steuern, davon 53,4 Milliarden US-Dollar im zweiten Quartal, überwiegend aus der Beteiligung an Anthropic. Diese Bewertungsgewinne heben den Gewinn je Aktie der letzten zwölf Monate auf 12,44 US-Dollar und drücken damit das KGV. Gemessen am operativen Geschäft ist die Aktie deutlich weniger günstig, als die Kennzahl nahelegt.
Für das dritte Quartal stellt Amazon einen Umsatz von 197 bis 202 Milliarden US-Dollar und ein operatives Ergebnis von 22,5 bis 26,5 Milliarden US-Dollar in Aussicht. Im Fokus stehen das Wachstumstempo von AWS, die Entwicklung des Werbeumsatzes und Hinweise zum Investitionsbudget für 2027. Das FTC-Verfahren steht noch am Anfang. Die Behörde fordert Strafzahlungen, Rückerstattungen an Werbekunden und eine Änderung der Auktionspraxis.
Claudia Stephan, Redaktion finanzen.net
Dieser Text dient ausschließlich zu Informationszwecken und stellt keine Anlageempfehlung dar. Die finanzen.net GmbH schließt jegliche Regressansprüche aus.
Ausgewählte Hebelprodukte auf Amazon
Mit Knock-outs können spekulative Anleger überproportional an Kursbewegungen partizipieren. Wählen Sie einfach den gewünschten Hebel und wir zeigen Ihnen passende Open-End Produkte auf Amazon
Der Hebel muss zwischen 2 und 20 liegen
Bildquellen: Jonathan Weiss / Shutterstock.com, Sundry Photography / Shutterstock.com
