Palo Alto-Aktie fällt trotz Rekordquartal und angehobener Prognose zurück
Palo Alto Networks übertrifft mit Umsatz und Gewinn die Erwartungen - trotzdem gibt die Aktie deutlich nach. Anleger blicken auf sinkende Margen und einen GAAP-Verlust.
Werte in diesem Artikel
- Starke Nachfrage nach KI-Sicherheit reicht offenbar nicht, um zu überzeugen
- Steigende Kosten und ein GAAP-Verlust überschatten die eigentlichen Rekordzahlen
- Neue Übernahme namens Console soll Cortex-Plattform um KI-Agenten erweitern
Palo Alto legte am Dienstag Zahlen zum vierten Fiskalquartal 2026 vor und übertraf mit Umsatz und bereinigtem Gewinn die Markterwartungen deutlich. Trotzdem geriet die Aktie unter Druck und verlor 5,24 Prozent auf 362,09 US-Dollar, weil Anleger stärker auf sinkende Bruttomargen, steigende Kosten und einen GAAP-Nettoverlust blickten als auf das Wachstum.
Auch am Mittwoch schien das die Aktie noch zu belasten. Im NASDAQ-Handel verlor das Papiere weitere 9,28 Prozent auf 328,48 US-Dollar.
Rekordumsatz, aber roter Boden unter dem Ergebnis
Der Gesamtumsatz des Cybersicherheitsanbieters wuchs im vierten Fiskalquartal 2026 um 34 Prozent gegenüber dem Vorjahr auf 3,41 Milliarden US-Dollar und lag damit über der Analystenschätzung von 3,35 Milliarden US-Dollar. Die Next-Generation Security ARR, eine zentrale Wachstumskennzahl für wiederkehrende Erlöse aus modernen Sicherheitsprodukten, kletterte um 63 Prozent auf 9,10 Milliarden US-Dollar. Die "Remaining Performance Obligations", also vertraglich gesicherte künftige Umsätze, stiegen um 34 Prozent auf 21,2 Milliarden US-Dollar.
Unter dem Strich blieb dennoch ein GAAP-Nettoverlust von 282 Millionen US-Dollar beziehungsweise 0,35 US-Dollar je verwässerter Aktie, nachdem im Vorjahresquartal noch ein Gewinn von 254 Millionen US-Dollar zu Buche stand. Ursächlich waren laut Überleitungsrechnung unter anderem 524 Millionen US-Dollar aus der Neubewertung der von CyberArk übernommenen Wandelanleihen und Capped Calls sowie 281 Millionen US-Dollar Abschreibungen auf erworbene immaterielle Vermögenswerte. Der Non-GAAP-Nettogewinn, der solche Sondereffekte ausklammert, stieg dagegen auf 853 Millionen US-Dollar beziehungsweise 1,02 US-Dollar je Aktie und übertraf die Konsensschätzung von 98 US-Cent.
Margen und Kostendruck belasten die Palo Alto-Aktie
Die Bruttomarge sank im Quartal auf 74,8 Prozent, ein Rückgang um rund 100 Basispunkte gegenüber dem Vorjahr. Laut Telefonkonferenz-Transkript deutete das Management an, dass die Cloud-Hosting-Kosten im Geschäftsjahr 2027 wegen der Umstellung auf SaaS-Angebote schneller wachsen dürften als der Gesamtumsatz, während steigende Speicher- und Storage-Kosten das rund 10 Prozent des Umsatzes ausmachende Hardware-Geschäft belasten könnten.
Ausblick und neue Übernahme
Für das erste Fiskalquartal 2027 stellte Palo Alto einen Umsatz von 3,30 bis 3,31 Milliarden US-Dollar sowie ein bereinigtes Ergebnis je Aktie von 0,96 bis 0,98 US-Dollar in Aussicht. Für das Gesamtjahr 2027 nannte das Unternehmen einen Umsatz von 14,10 bis 14,20 Milliarden US-Dollar und ein bereinigtes EPS von 4,16 bis 4,19 US-Dollar, beides über den Analystenschätzungen von 13,79 Milliarden US-Dollar Umsatz und 4,10 US-Dollar EPS. CEO Nikesh Arora erklärte, das Unternehmen habe im vierten Fiskalquartal fast eine Milliarde US-Dollar an zusätzlicher Next-Generation-Security-ARR gewonnen und arbeite auf ein Ziel von 20 Milliarden US-Dollar NGS-ARR bis zum Geschäftsjahr 2030 hin. CFO Dipak Golechha verwies auf die Zuversicht, im Geschäftsjahr 2028 eine bereinigte Free-Cashflow-Marge von 40 Prozent zu erreichen.
Parallel zu den Zahlen meldete Palo Alto die Übernahme der KI-nativen Plattform Console, die laut Unternehmensangaben agentenbasierte Arbeitsabläufe in die Cortex-Plattform integrieren soll. Finanzielle Details der Transaktion wurden nicht genannt. Die Akquisition reiht sich in eine Serie von Zukäufen ein, darunter die bereits abgeschlossenen Übernahmen von CyberArk, das inzwischen als Idira firmiert, und Chronosphere, deren Integrationskosten weiterhin das GAAP-Ergebnis belasten. Ein ähnliches Muster aus starken Zahlen und schwacher Kursreaktion war bei Palo Alto im Fiskaljahr 2026 bereits nach dem dritten Quartal zu beobachten, als die Aktie trotz übertroffener Erwartungen wegen großer Akquisitionen und Integrationskosten negativ reagierte.
Ob sich der Kostendruck aus der SaaS-Umstellung und den Zukäufen im Geschäftsjahr 2027 wie in Aussicht gestellt auflöst, dürfte sich an den kommenden Quartalsberichten zeigen, insbesondere an der Entwicklung der Bruttomarge und dem Fortschritt bei der Integration der Übernahmen von CyberArk, Chronosphere und Console.
Benedict Kurschat, Evelyn Schmal, Redaktion finanzen.net
Dieser Text dient ausschließlich zu Informationszwecken und stellt keine Anlageempfehlung dar. Die finanzen.net GmbH schließt jegliche Regressansprüche aus.
Ausgewählte Hebelprodukte auf Palo Alto Networks
Mit Knock-outs können spekulative Anleger überproportional an Kursbewegungen partizipieren. Wählen Sie einfach den gewünschten Hebel und wir zeigen Ihnen passende Open-End Produkte auf Palo Alto Networks
Der Hebel muss zwischen 2 und 20 liegen
Bildquellen: Michael Vi / Shutterstock.com