Aktien von NVIDIA, Micron & Co.: BofA sieht bei acht Chip-Werten jetzt bessere Kaufchancen
Trotz Rückschlagrisiko bei der NVIDIA-Aktie und weiteren Chip-Werten sieht eine große US-Bank acht Titel jetzt mit deutlich attraktiverem Chance-Risiko-Verhältnis.
Werte in diesem Artikel
- Bank of America stuft acht Chip-Aktien als verbesserte Kaufgelegenheit ein
- Halbleiterindex SOX könnte laut BofA noch einmal zehn Prozent fallen
- NVIDIA rückt nach starken Zahlen wegen seiner Kapitalrückführung in den Fokus
Die Bank of America hat acht Halbleiterwerte als verbesserte Kaufgelegenheiten eingestuft und damit trotz der jüngsten Kursschwäche im Sektor ein klares Signal für Anleger gesendet. Analyst Vivek Arya nennt in einer am vergangenen Dienstag veröffentlichten Studie die Aktie von NVIDIA, Marvell Technology, Micron Technology, Lam Research, AMD, Intel, Analog Devices und ON Semiconductor als Titel mit einem nun verbesserten Chance-Risiko-Verhältnis. Wie investing.com berichtet, bleibt die Nachfrage im Chipsektor aus Aryas Sicht robust, drei Belastungsfaktoren könnten den Gruppenkurs aber kurzfristig noch drücken.
Nachfrage robust, zwei Favoriten unter den Acht
Arya beschreibt die Nachfrage nach Halbleitern branchenübergreifend weiterhin als solide, von Rechenzentrums-Beschleunigern bis zu Analog- und Ausrüstungstiteln. Innerhalb der Acht-Titel-Auswahl heben sich für ihn Lam Research und Micron Technology besonders ab: Beide gelten laut der Studie als bevorzugte langfristige "Picks-and-shovels"-Investments, also als Zulieferer, die vom branchenweiten Ausbau profitieren, ohne dem Risiko einzelner Chip-Designs beim Endkunden ausgesetzt zu sein. Für die übrigen sechs Titel begründet Arya das verbesserte Chance-Risiko-Verhältnis vor allem mit den jüngsten Kursrückgängen, die die Bewertung der gesamten Gruppe spürbar günstiger gemacht haben.
SOX-Index: Zehn Prozent Rückschlagrisiko, aber günstige Bewertung
Als Belastung nennt Arya laut investing.com drei Faktoren: steigende Zinsen und wachsende Skepsis gegenüber den Rechenzentrumsausgaben der Tech-Konzerne, zirkuläre Finanzierungsstrukturen auf Unternehmensebene sowie eine hohe Positionierung der Anleger. Laut BofA-Auswertung der eigenen Depotdaten liegt der Halbleitersektor derzeit rund 13 Prozent über seinem üblichen Gewicht im S&P 500. Der Philadelphia Semiconductor Index (SOX) könnte laut Arya noch einmal rund zehn Prozent nachgeben und damit auf den Bewertungsabschlag von vor dem ChatGPT-Boom zurückfallen, was er fundamental für nicht gerechtfertigt hält. "Auf der anderen Seite der Bilanz ist das Setup überzeugend", schreibt Arya laut investing.com mit Verweis auf eine bullische Saisonalität im vierten und ersten Quartal sowie ein Kurs-Gewinn-Verhältnis von rund 20 gegenüber einem Gewinnwachstum von 70 Prozent jährlich bis 2028.
NVIDIA-Aktie im Blickpunkt: Rekordquartal trifft auf Diskussion um Kapitalrückführung
Bei NVIDIA erwartete Arya laut investing.com ein weiteres Quartal mit Zahlen über der eigenen Prognose, sah darin allein aber keinen ausreichenden Kurstreiber mehr. Sein Kritikpunkt: Die offene, praktisch unbegrenzte Finanzierung von Kunden und Zulieferern verwässere aus seiner Sicht die Ergebnisqualität. Am 26. August legte NVIDIA Zahlen vor, die den Konsens deutlich übertrafen. Laut Unternehmensmitteilung stieg der Umsatz im zweiten Quartal des Geschäftsjahres 2027 um 106 Prozent gegenüber dem Vorjahr auf rund 96 Milliarden US-Dollar, während der Analystenkonsens laut CNBC bei rund 92 Milliarden US-Dollar gelegen hatte. Arya sieht für NVIDIA nun die Chance, dem Kapitalrückführungs-Kurs von Apple nach 2012 zu folgen und die Ausschüttungsquote von aktuell rund der Hälfte des freien Cashflows auf 75 Prozent oder mehr anzuheben.
Markt bleibt gespalten: Einzeltitel driften auseinander
Für einzelne Namen aus der Liste nennt Arya laut CNBC zusätzliche titelspezifische Risiken. Bei Marvell Technology sieht er die Gefahr, dass sich der Hochlauf der kundenspezifischen KI-Chip-Projekte anders entwickelt als vom Markt eingepreist, bei NVIDIA verweist er auf "schwer vorhersehbare Umsätze" in neuen Unternehmenskundenmärkten. Wie stark die Gruppe insgesamt noch auseinanderdriftet, zeigte sich in der Woche nach den NVIDIA-Zahlen: Während NVIDIA von der eigenen Berichtssaison profitierte, verlor der breiter gefasste Halbleiter-ETF VanEck Semiconductor im Wochenverlauf mehr als 3 Prozent, belastet von Kursverlusten bei Marvell Technology und beim Ausrüster Applied Materials.
Ob sich die von Arya skizzierte Konstellation aus kurzfristigem Rückschlagrisiko und langfristig günstiger Bewertung auflöst, dürfte sich zunächst am SOX-Index entscheiden: Hält er sich oberhalb des von BofA genannten Zehn-Prozent-Abstands zum ChatGPT-Bewertungsniveau, bliebe das von Arya beschriebene Chance-Risiko-Verhältnis intakt, ein Rutsch darunter würde die These auf die Probe stellen.
Benedict Kurschat, Redaktion finanzen.net
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