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US-Zwischenwahlen voraus: Warum auf schwache Wochen oft eine Rally folgt - und welche Sektoren profitieren könnten


US-Zwischenwahlen voraus: Warum auf schwache Wochen oft eine Rally folgt - und welche Sektoren profitieren könnten

Vor Zwischenwahlen schwächelt der US-Aktienmarkt fast immer und danach folgt historisch eine der verlässlichsten Rallyphasen des Wahlzyklus.

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  • Seit 1962 gab der S&P 500 vor jeder Zwischenwahl im Schnitt rund 8 Prozent ab
  • Nach der Wahl folgte historisch fast immer eine kräftige Erholungsphase
  • 2026 steht der Kongress mit 220 zu 215 Sitzen vor knapper Mehrheit
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Der S&P 500 hat in jedem Zwischenwahljahr seit 1962 zwischen Mitte August und dem Wahltag im Schnitt um rund 8 Prozent nachgegeben und markierte in zehn von 16 Zyklen sein Jahrestief im Oktober. Wer darin ein Warnsignal sieht, übersieht die zweite Hälfte des Musters: Auf die schwachen Wochen vor der Wahl folgt historisch eine der verlässlichsten Erholungsphasen des gesamten vierjährigen Wahlzyklus, so The Berkshire Edge.

Der Herbsteinbruch gehört zum Muster

Die Schwächephase vor Zwischenwahlen ist gut dokumentiert. JPMorgan Wealth Management beziffert für den Zeitraum von 1945 bis 2025 den durchschnittlichen Kursgewinn des S&P 500 im Zwischenwahljahr auf 3,8 Prozent, gegenüber 10,9 Prozent in den übrigen drei Jahren des Präsidentschaftszyklus, wie aus einem Artikel der US-Investmentbank hervorgeht. Die durchschnittlichen Kursrückgänge fallen in Zwischenwahljahren mit 18 Prozent deutlich größer aus als in den übrigen Jahren mit 12,4 Prozent. Innerhalb des Jahres verteilt sich die Schwäche ungleich: In den ersten drei Quartalen verliert der Index im Schnitt 0,9 Prozent, im vierten Quartal gewinnt er dagegen durchschnittlich 6,4 Prozent hinzu.

Nach dem Wahltag dreht der Trend

Sobald die Ergebnisse feststehen, dreht der Trend, wie ein Blick in die Historie nahelegt. Eine Auswertung von 31 Zwischenwahlen seit 1900 kommt auf ein durchschnittliches Plus von 12,4 Prozent in den zwölf Monaten nach der Wahl, nach zuvor nur 2,9 Prozent in den zwölf Monaten davor. Capital Group beziffert die durchschnittliche Jahresrendite seit 1950 sogar auf 15,4 Prozent, etwa doppelt so viel wie in Nicht-Wahljahren, wobei in dieser Stichprobe jedes einzelne Zwölf-Monats-Fenster positiv ausfiel. JPMorgan Wealth Management verweist zudem auf Bloomberg-Daten seit 1968, wonach der Index in den sechs Monaten nach der Wahl im Schnitt 13,3 Prozent zulegt, gegenüber 4,4 Prozent in Jahren ohne Wahl.

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Das dritte Jahr sticht heraus

Das Jahr nach den Zwischenwahlen bildet zugleich das dritte Jahr des vierjährigen Präsidentschaftszyklus und dieses schneidet historisch außergewöhnlich gut ab. Daten der New York University auf die The Berkshire Edge verweist, zeigen für 20 dritte Jahre zwischen 1947 und 2023 einen Durchschnittsgewinn von rund 20 Prozent bei durchweg positivem Ausgang, der Median liegt bei etwa 22,5 Prozent gegenüber rund 12,6 Prozent im Schnitt aller Jahre. Selbst schwierige dritte Jahre blieben am Ende im Plus: 1987, dem Jahr des Börsencrashs, stand der S&P 500 zum Jahresende 5,8 Prozent höher, 2011 nach der US-Bonitätsherabstufung und der europäischen Schuldenkrise blieb ein Plus von 2,1 Prozent.

2026 bringt einen politischen Grenzfall

Für 2026 kommt eine Besonderheit hinzu. Morgan Stanley beziffert die Mehrheit im Repräsentantenhaus auf 220 zu 215 Sitze zugunsten der Republikaner, die knappste Konstellation seit 1930. Seit 1922 verlor die Partei des amtierenden US-Präsidenten bei Zwischenwahlen im Schnitt 30 Sitze im Repräsentantenhaus und vier im Senat, wobei Themen wie Inflation und Benzinpreise die Wählerstimmung historisch stärker prägten als reine Wachstumsdaten. Bei einer geteilten Kongressmehrheit sieht Morgan Stanley vor allem Rückenwind für Rüstungs-, Technologie- und Finanzwerte, während Energie, Gesundheitswesen und Private Equity schärfer geprüft werden könnten.

Diese Sektoren könnten profitieren

Konkret sieht Morgan Stanley bei anhaltender geopolitischer Anspannung strukturellen Rückenwind für Rüstungswerte, da sicherheitspolitische Ausgaben parteiübergreifend Unterstützung finden. Auch Technologiewerte mit Bezug zu künstlicher Intelligenz, Halbleitern, Cybersicherheit und Unternehmenssoftware könnten von einer Politik profitieren, die auf Innovation, Infrastruktur und den Wettbewerb mit China setzt. Finanzwerte wiederum könnten von größerer regulatorischer Klarheit und einem entspannteren Umfeld für Fusionen und Übernahmen profitieren, sollte die politische Blockade eine aggressive Neuregulierung erschweren.

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Auf der anderen Seite rechnet Morgan Stanley mit mehr Reibung für einzelne Sektoren. Klimapolitik könnte durch uneinheitliche Regeln auf Bundesstaatenebene fragmentierter werden, was die Planungssicherheit für langfristige Investitionsentscheidungen senkt. Gesundheits- und Pharmawerte könnten durch Zölle, internationale Referenzpreise und veränderte Erstattungsmodelle zusätzlichen Druck bekommen, während Private-Equity-Häuser mit schärferer behördlicher Prüfung rechnen müssen, insbesondere in Gesundheitswesen, Wohnimmobilien und Konsumgütern. Auch Digitalwerte könnten stärker in den Fokus des Kongresses rücken, etwa bei Fragen zu Verwahrung, Zahlungsverkehr und Stablecoins.

Am 3. November steht der Tag der Zwischenwahlen an. Ob sich das historische Muster auch diesmal bestätigt und der S&P 500 im vierten Quartal dreht, sobald die Mehrheitsverhältnisse im Kongress feststehen, zeigt sich erst in den Handelswochen danach.

Martina Köhler, Redaktion finanzen.net

Dieser Text dient ausschließlich zu Informationszwecken und stellt keine Anlageempfehlung dar. Die finanzen.net GmbH schließt jegliche Regressansprüche aus.

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