"Schulden-Inferno" im KI-Rausch: Warum Oracle zum ersten fallenden Dominostein für Tech-Aktien werden könnte
Die Ratingagentur S&P hat Oracle einen Schritt näher an den Ramschstatus gerückt, mitten in der teuersten Investitionsphase der Firmengeschichte.
Werte in diesem Artikel
- S&P Global stuft die Kreditwürdigkeit von Oracle auf BBB- herab
- Der freie Cashflow des Softwarekonzerns rutscht deutlich ins Minus
- Oracle hängt beim Auftragsbestand stark vom Kunden OpenAI ab
Die Ratingagentur S&P Global hat die Kreditwürdigkeit von Oracle in der ersten Juliwoche 2026 von "BBB" auf "BBB-" gesenkt und den Softwarekonzern damit nur noch eine Stufe oberhalb des Ramschniveaus eingeordnet.
Als Gründe nennt S&P laut CNBC steigende Investitionsanforderungen, einen unsicheren Weg zur Profitabilität und eine hohe Kundenkonzentration. Für Oracle hat das unmittelbare Folgen: Die Refinanzierung wird tendenziell teurer, ausgerechnet in einer Phase, in der der Konzern für den Ausbau seiner KI-Rechenzentren auf frisches Fremd- und Eigenkapital in Milliardenhöhe angewiesen ist.
Investitionen wachsen schneller als der operative Cashflow
Im am 31. Mai 2026 beendeten Geschäftsjahr 2026, vorgelegt am 10. Juni 2026, steckte Oracle 55,7 Milliarden US-Dollar in seine Infrastruktur, ein Plus von 162 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Der operative Cashflow legte im gleichen Zeitraum um 54 Prozent auf 32,0 Milliarden US-Dollar zu, wuchs damit aber deutlich langsamer als die Investitionen.
In der Folge rutschte der freie Cashflow auf minus 23,7 Milliarden US-Dollar. Für das laufende Geschäftsjahr 2027 kalkuliert Oracle nach eigenen Angaben mit einem Nettomittelabfluss für Investitionen von rund 70 Milliarden US-Dollar. Laut SeekingAlpha geht die Ratingagentur S&P sogar von brutto 90 bis 95 Milliarden US-Dollar aus, deutlich mehr als die eigene Prognose des Konzerns.
Kapitalbedarf treibt Fremd- und Eigenkapitalaufnahme
Um die Lücke zu schließen, nahm Oracle im Geschäftsjahr 2026 bereits 43 Milliarden US-Dollar an neuen Schulden sowie 5 Milliarden US-Dollar an frischem Eigenkapital auf. Für das Geschäftsjahr 2027 plant der Konzern nach eigenen Angaben mit weiteren rund 40 Milliarden US-Dollar aus einer Mischung aus Fremd- und Eigenkapital, darunter ein bereits angekündigtes Aktienprogramm über 20 Milliarden US-Dollar. Gleichzeitig bestätigte Oracle für das Geschäftsjahr 2027 eine Umsatzprognose von 90 Milliarden US-Dollar und stellte einen bereinigten Gewinn je Aktie von 8,05 US-Dollar in Aussicht, ein Plus von 18 Prozent. Das Geschäft wächst also durchaus, verschlingt dabei aber mehr Kapital, als es selbst erwirtschaftet.
OpenAI als größtes Klumpenrisiko im Auftragsbuch
Oracles Auftragsbestand, die sogenannten Remaining Performance Obligations, kletterte im vierten Quartal des Geschäftsjahres 2026 um 363 Prozent auf 638 Milliarden US-Dollar. Laut SeekingAlpha entfällt davon rund die Hälfte auf einen einzigen Kunden, OpenAI.
S&P bezeichnete diese Abhängigkeit laut CNBC als "zentrales Bonitätsrisiko" für Oracle. OpenAI selbst hat laut Bloomberg bis zum Jahr 2030 einen Jahresumsatz von mehr als 280 Milliarden US-Dollar in Aussicht gestellt, bleibt bis dahin aber auf weitere externe Finanzierungsrunden angewiesen, was die Frage aufwirft, wie belastbar die milliardenschweren Verträge mit Oracle langfristig tatsächlich sind.
Der nächste belastbare Datenpunkt ist der Bericht zum ersten Quartal des Geschäftsjahres 2027. Er dürfte zeigen, ob sich die Investitionsausgaben näher an Oracles eigener Prognose von rund 70 Milliarden US-Dollar oder an der höheren Einschätzung von S&P bewegen und ob die geplante Kapitalaufnahme wie angekündigt verläuft.
Benedict Kurschat, Redaktion finanzen.net
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Alle: Alle Empfehlungen
| Datum | Rating | Analyst | |
|---|---|---|---|
| 23.06.26 | Oracle Buy | Jefferies & Company Inc. | |
| 16.06.26 | Oracle Kaufen | DZ BANK | |
| 11.06.26 | Oracle Sector Perform | RBC Capital Markets | |
| 11.06.26 | Oracle Buy | Goldman Sachs Group Inc. | |
| 11.06.26 | Oracle Buy | UBS AG |
