Oracle-Aktie vor den Zahlen im Fokus: Bernstein fordert die Bären heraus
Heute Abend legt Oracle die ersten Zahlen des neuen Geschäftsjahres vor, während Analysten über Kursziele zwischen 145 und 400 US-Dollar streiten.
Werte in diesem Artikel
- Bernstein sieht deutlich mehr Potenzial als der übrige Analystenkonsens
- Kapitalbedarf und Investitionstempo stehen im Mittelpunkt der Debatte
- Cloud-Infrastruktur wächst schneller als die Konkurrenz der Hyperscaler
Oracle, ein auf Cloud-Infrastruktur und Unternehmenssoftware spezialisierter Technologiekonzern, veröffentlicht heute nach US-Handelsschluss die Zahlen zum ersten Quartal des Geschäftsjahres 2027. Analysten richten den Blick vor allem auf den Kapitalbedarf für den KI-Ausbau und auf das Tempo, mit dem die Cloud-Infrastruktursparte OCI wächst. Die Einstufungen reichen von einem Kursziel um 210 US-Dollar bis zu deutlich höheren Marken einzelner Häuser.
Erwartungen an die Bilanz
Für das erste Quartal des Geschäftsjahres 2027 rechnet der Analystenkonsens mit einem Gewinn je Aktie von 1,74 US-Dollar, nach 1,01 US-Dollar im Vorjahresquartal. Beim Umsatz liegt die Schätzung bei 19,13 Milliarden US-Dollar und damit über dem Niveau des ersten Quartals 2026 mit 14,93 Milliarden US-Dollar. Oracle selbst hatte bei Vorlage der Vorjahreszahlen im Juni 2026 eine Wachstumsspanne von 27 bis 29 Prozent für die Gesamterlöse in Aussicht gestellt, für die Cloud-Erlöse eine Spanne von 58 bis 64 Prozent in US-Dollar. Das Non-GAAP-Ergebnis je Aktie soll demnach zwischen 1,72 und 1,76 US-Dollar liegen. Für das Gesamtjahr bestätigte der Konzern die Umsatzprognose von 90 Milliarden US-Dollar und hob das Non-GAAP-EPS-Ziel auf 8,05 US-Dollar an.
Oracles Kapitalbedarf im Fokus
Ein zentrales Diskussionsthema bleibt die Finanzierung des Investitionsprogramms. Im Geschäftsjahr 2026 hatte Oracle 43 Milliarden US-Dollar an Fremdkapital und 5 Milliarden US-Dollar an Eigenkapital aufgenommen. Für das laufende Geschäftsjahr rechnet der Konzern mit weiteren rund 40 Milliarden US-Dollar aus einer Kombination beider Instrumente, einschließlich eines bereits angekündigten Aktienprogramms über 20 Milliarden US-Dollar. Zusätzliche Anleihen seien im Kalenderjahr 2026 nicht geplant.
Oracle-Aktie "extrem umstritten"?
Bernstein-Analyst Mark Moerdler bezeichnete in einer Investoren-Notiz, die MarketWatch vorliegt, die Oracle-Aktie als "extrem umstritten" und "volatil", sieht das Unternehmen aber nahe dem Ende seines zusätzlichen Kapitalbedarfs. Er begründet seine Einschätzung mit einer erwarteten Beschleunigung von Umsatz und Gewinn in einer aus seiner Sicht noch frühen Investitionsphase, in der die Cloud-Infrastruktursparte OCI schneller wachse als die Cloud-Sparten von Microsoft, Alphabet und Amazon. Moerdler verweist zugleich auf die Investitionspläne von rund 95 Milliarden US-Dollar für das laufende Geschäftsjahr sowie auf den Auftragsbestand als zentrale Diskussionspunkte vor der Bilanz. Sein Kursziel von 325 US-Dollar zählt zu den höchsten am Markt und käme zum letzten NYSE-Kurs von 161,63 US-Dollar (Schlusskurs vom 9. September) einer Verdopplung gleich.
Analystenbild vor der Bilanz
Der Analystenkonsens fällt gemäß Daten von TipRanks insgesamt positiv aus: Von 31 erfassten Häusern stufen 27 die Aktie mit Buy ein, vier mit Hold, keines rät zum Verkauf. Das mittlere Kursziel liegt bei 257,36 US-Dollar, die Spanne reicht von 145 bis 400 US-Dollar. TD Cowen-Analyst Derrick Wood senkte sein Kursziel vergangene Woche von 300 auf 240 US-Dollar, beließ die Einstufung aber bei Buy. Mizuho Securities-Analystin Siti Panigrahi rief am Montag ein Kursziel von 320 US-Dollar aus und bestätigte ebenfalls Buy.
Skeptischer bleibt Morgan Stanley: Analyst Sanjit Singh stufte die Aktie am letzten Freitag mit Hold und einem Kursziel von 210 US-Dollar ein. Bank of America-Analyst Tal Liani vergab am selben Tag ein Kursziel von 240 US-Dollar bei der Einstufung Buy.
Der bevorstehende Earnings Call dürfte zeigen, ob Oracle die Wachstumsdynamik der Cloud-Infrastruktursparte aus dem Vorquartal fortsetzen kann und wie das Management den weiteren Kapitalbedarf für die geplanten Rechenzentrumsinvestitionen einordnet. Anleger richten den Blick besonders darauf, wie schnell sich der Auftragsbestand in tatsächliche Umsätze übersetzen lässt.
Alexandra Hesse, Redaktion finanzen.net
Dieser Text dient ausschließlich zu Informationszwecken und stellt keine Anlageempfehlung dar. Die finanzen.net GmbH schließt jegliche Regressansprüche aus.
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