Aktien von Amazon, Microsoft, Alphabet & Co. in Gefahr? Burry warnt vor KI-Schulden in Billionenhöhe
Michael Burry sieht bei den Hyperscalern Amazon, Meta, Alphabet, Microsoft und Oracle "versteckte" Verpflichtungen von über 3 Billionen US-Dollar, deren Risiko der Markt unterschätzt.
- Michael Burry sieht bei den großen Hyperscalern ein wachsendes Bilanzrisiko
- Leasingverträge laufen oft länger als die genutzte KI-Hardware
- Risiken für die Bewertung der Hyperscaler
Starinvestor Michael Burry, bekannt geworden durch seine Wette gegen den US-Hypothekenmarkt, hat Amazon, Meta Platforms, Alphabet, Microsoft und Oracle vorgeworfen, größtenteils bilanzunwirksame Verpflichtungen von mehr als drei Billionen US-Dollar aufgebaut zu haben. Der Investor warnt, dass diese Verbindlichkeiten bei nachlassender KI-Nachfrage schnell zu realen Belastungen werden könnten.
KI-Aktien in Gefahr? Burrys Bilanz-These im Detail
Burry veröffentlichte am Samstag auf seinem Blog "Cassandra Unchained" den vierten Teil seiner Serie über die fünf großen Hyperscaler und kündigte darüber hinaus weitere Folgen zu Oracle an. Dabei schätzte er die noch nicht begonnenen Leasingverpflichtungen der fünf Konzerne auf insgesamt fast 1,2 Billionen US-Dollar, hinzu kämen noch mehr als 1,5 Billionen US-Dollar an Kaufverpflichtungen. Unter Einbeziehung von Zweckgesellschaften, Garantien und weiteren Eventualverbindlichkeiten kommt er auf eine Gesamtsumme von über drei Billionen US-Dollar, die seiner Einschätzung nach deutlich schneller wachse als die Unternehmen selbst. "Diese Verbindlichkeiten, so behaupte ich, befinden sich im Grunde in einer Phase des Hyperwachstums", schrieb er
Zentral ist für Burry dabei die Diskrepanz zwischen der langen Lebensdauer von Rechenzentren, die drei bis fünf Jahre Bauzeit und Leasinglaufzeiten von 13 bis 20 Jahren mit sich bringen, und dem Innovationstempo bei KI-Beschleunigern, die sich binnen 12 bis 18 Monaten wesentlich ändern könnten, inklusive ihrer Anforderungen an Rechenzentren etwa bei Kühlsystemen. Der Investor erinnert an eine frühere Aussage von Microsoft-CEO Satya Nadella, der erklärt hatte, sein Unternehmen wolle keine massive Infrastruktur für eine einzige Hardware-Generation bauen. Nun steuerten die Hyperscaler jedoch auf kostspielige, hochspezialisierte Anlagen zu, die schwer anderweitig nutzbar seien, wenn sich die Architektur von KI-Chips oder die Nachfrage ändere.
Zudem verwies Burry auf mehr als 400 Milliarden US-Dollar an noch nicht in Betrieb genommenen Bauprojekten der fünf Konzerne, die bilanziell noch keine Abschreibung erzeugen. "NVIDIA-Chips verlieren womöglich wirtschaftlich an Wert, während sie in Lagerhäusern auf ihren Einsatz warten, doch die GAAP-Abschreibungen bleiben bei null", schrieb er. Burry betonte, er unterstelle keinen Betrug, warnte aber: "Wenn die Musik aufhört, werden diese außerbilanziellen Verpflichtungen sehr schnell zu echten Verbindlichkeiten".
Burrys neue Warnung reiht sich in eine ältere These ein: Bereits im November 2025 hatte er via X argumentiert, Meta, Alphabet, Oracle, Microsoft und Amazon würden Abschreibungen zwischen 2026 und 2028 um rund 176 Milliarden US-Dollar unterschätzen, weil NVIDIA-Chips und Server mit zu langen Nutzungsdauern angesetzt würden.
Was Burrys These für Anleger bedeuten könnte
Sollte sich Burrys These bestätigen, könnten sich daraus vor allem Risiken für die Bewertung der betroffenen Hyperscaler ergeben. Steigende Leasing-, Bau- und Finanzierungskosten würden die Unternehmen stärker belasten, insbesondere wenn die Nachfrage nach KI-Rechenleistung hinter den Erwartungen zurückbleibt oder sich die eingesetzte Hardware schneller als erwartet wirtschaftlich entwertet. In einem solchen Szenario könnten höhere Abschreibungen, geringere Margen und ein steigender Kapitalbedarf die Gewinnentwicklung beeinträchtigen. Für Anleger wäre damit auch die Frage relevant, ob die derzeit in den Aktienkursen eingepreisten Wachstumserwartungen dauerhaft erreicht werden können.
Gleichzeitig bedeutet eine hohe langfristige Kapitalbindung nicht automatisch, dass daraus Verluste entstehen. Die Investitionen könnten sich auch als wirtschaftlich sinnvoll erweisen, wenn die Nachfrage nach KI-Infrastruktur weiter stark wächst und die Rechenzentren sowie die eingesetzte Hardware ausreichend lange profitabel genutzt werden. Für Anleger dürfte daher entscheidend sein, wie sich Auslastung, Cashflow, Abschreibungen und die Rendite auf die umfangreichen Infrastrukturinvestitionen entwickeln. Burry liefert mit seiner Analyse damit vor allem einen Anlass, die Kapitalintensität des KI-Booms und die damit verbundenen Bilanzrisiken der großen Technologiekonzerne genauer zu prüfen.
Carolin Ludwig, Redaktion finanzen.net
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