AMD-Aktie mit Billionen-Bewertung: Doch ein Investor hat einen anderen Aktienfavoriten
AMD erreichte am Montag erstmals eine Marktkapitalisierung von einer Billion US-Dollar, doch ein Investor sieht die Chancen inzwischen woanders.
Werte in diesem Artikel
- Historischer Meilenstein für den Chipkonzern sorgt für Aufsehen an der Börse
- Investor stuft die Wachstumsstory neu ein und wechselt die Seiten
- Cloud-Anbieter gilt als Alternative mit anderem Chancenprofil
AMD hat am Montag im Handelsverlauf an der NASDAQ erstmals eine Marktkapitalisierung von einer Billion US-Dollar überschritten und reiht sich damit hinter NVIDIA, Broadcom und Micron Technology als vierter US-Chiphersteller in diese Gruppe ein. Der Investor Kenio Fontes nutzt den Kurssprung, um seine Einschätzung zu AMD zu revidieren, und sieht stattdessen bei Oracle das günstigere Chance-Risiko-Verhältnis.
AMD-Aktie überspringt historische Marke
Der US-Halbleiterkonzern AMD sprang am Montag erstmals über eine Marktkapitalisierung von einer Billion US-Dollar. Die Aktie legte im US-Handel deutlich um rund zehn Prozent auf 615,52 US-Dollar zu. NVIDIA hatte diese Schwelle bereits 2023 erreicht und wird mit einer deutlich höheren Marktkapitalisierung bewertet, Broadcom und Micron Technology folgten später.
Fontes sieht bei AMD wenig Spielraum
Investor Kenio Fontes bestreitet die Wachstumsgeschichte von AMD nicht, hält die Bewertung der Aktie nach dem Kurssprung aber für riskant. Selbst wenn AMD bis 2030 einen Umsatz von rund 196 Milliarden US-Dollar erreiche und die Margen sich verbesserten, ergebe sich seiner Rechnung nach nur ein Kurspotenzial von rund 28 Prozent über vier Jahre, was etwa sechs Prozent pro Jahr entspreche. Vor diesem Hintergrund stufte Fontes AMD von Hold auf Sell zurück, wie aus einem TipRanks-Bericht hervorgeht.
Im zweiten Quartal hatte AMD einen Umsatz von 11,5 Milliarden US-Dollar und ein Data-Center-Wachstum von 107 Prozent gegenüber dem Vorjahr erzielt, getragen von der Nachfrage nach EPYC-Prozessoren und Instinct-Grafikprozessoren. Für das dritte Quartal stellte das Unternehmen einen Umsatz von etwa 13 Milliarden US-Dollar in Aussicht, ein Plus von rund 41 Prozent zum Vorjahr. Fontes verweist zudem auf den vom Management skizzierten Servermarkt von 220 Milliarden US-Dollar bis 2030, sieht durch Kunden wie Meta und Anthropic aber zugleich das Risiko eigener Chipentwicklungen mit Unterstützung von Broadcom.
Oracle-Aktie als Alternative im Blick
Bei Oracle sieht Fontes dagegen mehr Sicherheitsmarge. Das für 2027 erwartete Kurs-Gewinn-Verhältnis von rund 17 liegt deutlich unter dem von AMD mit rund 36, was Fontes angesichts des schnellen Cloud-Wachstums und des großen Auftragsbestands als Kaufargument wertet. Oracle hatte zuletzt einen Quartalsumsatz von 19,3 Milliarden US-Dollar gemeldet, ein Plus von 30 Prozent, während die Cloud-Umsätze um 62 Prozent auf 11,6 Milliarden US-Dollar zulegten. Der Auftragsbestand wuchs um 209 Milliarden US-Dollar auf 664 Milliarden US-Dollar.
Die hohen Investitionen belasten die Bilanz: Der freie Cashflow war im ersten Quartal mit 5 Milliarden US-Dollar negativ, die Kapitalausgaben stiegen auf 28,5 Milliarden US-Dollar. Zur Finanzierung platzierte Oracle Stammaktien im Volumen von 20 Milliarden US-Dollar. Für das laufende Geschäftsjahr hob das Unternehmen die Prognose auf mindestens 90 Milliarden US-Dollar Umsatz an.
An der Wall Street tragen beide Werte einen Strong-Buy-Konsens, wobei das durchschnittliche Kursziel für AMD ein Potenzial von rund fünf Prozent impliziert, jenes für Oracle dagegen rund 65 Prozent.
Was Anleger jetzt beachten sollten
Für Anleger rücken damit vor allem Bewertung und Wachstumserwartungen in den Fokus. Während AMD mit der Billionen-Bewertung bereits hohe Erwartungen einpreist, sprechen bei Oracle das niedrigere erwartete Kurs-Gewinn-Verhältnis und das starke Cloud-Wachstum für ein anderes Bewertungsprofil. Ob sich diese Unterschiede rechtfertigen lassen, dürfte davon abhängen, wie sich Umsatz, Margen und Cashflow beider Unternehmen in den kommenden Quartalen entwickeln.
AMD-Aktie steigt unbeirrt weiter
Ungeachtet des Gegenwindes von Analystenseite zeigte sich die AMD-Aktie auch nach dem historischen Sprung weiter stark: Am Dienstag gewann der Anteilsschein an der NASDAQ schlussendlich 1,34 Prozent auf 623,77 US-Dollar. Die Oracle-Aktie zeigte sich ebenfalls höher und gewann 0,43 Prozent auf 149,20 US-Dollar.
Claudia Stephan, Evelyn Schmal, Bettina Schneider, Thomas Zoller, Redaktion finanzen.net
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