Oracle-Aktie unter Druck: Milliarden-Finanzierung überschattet starke Quartalszahlen
Der US-amerikanische Software- und Technologiekonzern Oracle hat seine Bücher geöffnet. So bewerten Anleger das lang erwartete Zahlenwerk.
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Für den SAP-Konkurrenten Oracle ist das dritte Geschäftsquartal seines Geschäftsjahres 2026 mit einem kräftigen Gewinnsprung zu Ende gegangen. Nachdem das Unternehmen vor Jahresfrist noch ein EPS von 1,70 US-Dollar in den Büchern stehen hatte, verdiente Oracle im Berichtsquartal 2,11 US-Dollar je Aktie. Damit übertraf das Unternehmen die Markterwartungen: Analysten hatten zuvor einen Gewinn je Aktie von 1,96 US-Dollar erwartet.
Der Umsatz stieg unterdessen von 15,90 Milliarden US-Dollar auf 19,18 Milliarden US-Dollar und lag damit etwas über den Marktschätzungen, die sich im Vorfeld auf 19,10 Milliarden US-Dollar belaufen hatten.
Oracle passt seine Prognose für das Gesamtjahr 2027 an: Während das Umsatzziel von 90 Milliarden US-Dollar bestätigt wird, hebt das Unternehmen die Erwartung für das Non-GAAP-Ergebnis je Aktie (EPS) auf 8,05 US-Dollar an.
KI-Ausgaben der Kunden treiben an
Der US-Software- und Datacenter-Konzern Oracle bekommt weiter deutlich Schwung von den KI-Ausgaben seiner Kunden. Die Umsätze mit Cloud-Infrastruktur (etwa KI-Rechenzentren) wuchsen im vierten Quartal auf 5,8 Milliarden US-Dollar (rund 5,0 Mrd Euro), wie der SAP-Rivale am Mittwoch nach US-Börsenschluss in Austin (Texas) mitteilte. Das waren 93 Prozent als ein Jahr zuvor und damit leicht mehr als von Experten geschätzt. Die Aktie gab im vorbörslichen US-Handel am Donnerstag dennoch zuletzt um 7,2 Prozent auf 186,63 Dollar deutlich nach.
Software-Abos und Cloud-Infrastruktur zusammengenommen kam bei Oracle ein Umsatzplus von 48 Prozent auf 9,9 Milliarden Dollar zustande. Das war etwas weniger als von Analysten erwartet.
Der Kapitalbedarf für das Rennen um einen schnellen Ausbau der KI-Rechenkapazitäten ist in der Branche riesig. Oracle gab im vergangenen Geschäftsjahr (Ende Mai) 55,7 Milliarden Dollar für Investitionen aus, vorwiegend für KI-Technik. Das war deutlich mehr als die veranschlagten 50 Milliarden.
Im laufenden ersten Quartal rechnet Oracle nun mit einem Erlösplus von insgesamt 27 bis 29 Prozent. Im gesamten Jahr soll der Umsatz wie bereits bekannt 90 Milliarden Dollar betragen.
Oracle-Aktie abgestraft
Zweifel an der Profitabilität der massiven Ausgaben für künstliche Intelligenz (KI) haben am Donnerstag die Aktien des US-Software- und Datacenter-Konzerns Oracle stark belastet. Die Papiere sackten im NYSE-Handel letztlich um 8,58 Prozent auf 184,00 US-Dollar ab. Auch Branchenwerte gerieten unter Druck.
Oracle hatte zwar im vierten Geschäftsquartal weiter deutlich Schwung von den KI-Ausgaben seiner Kunden bekommen. Anleger störte es aber, dass der Kapitalbedarf für das Rennen um einen schnellen Ausbau der KI-Rechenkapazitäten auch bei Oracle riesig ist. So hatte das Unternehmen im vergangenen Geschäftsjahr weitaus mehr für Investitionen vorwiegend für KI-Technik ausgegeben als veranschlagt und am Markt erwartet, was bei Anlegern Bedenken hinsichtlich der Rentabilität des Geschäfts mit KI-Infrastruktur aufkommen ließ.
Nun stünden Oracle weitere hohe Geldabflüsse bevor, um die Kapazitäten für den wachsenden Auftragsbestand aufzubauen, schrieben die Experten des Analysedienstes Vital Knowledge. Das werde mehr Schulden und Eigenkapital benötigen.
Auch Marktbeobachter Stephen Innes äußerte sich skeptisch: "Oracle gerät in eine Vertrauenskrise." Zwar sei der vertraglich gesicherte Auftragsbestand beeindruckend, doch die hohen Investitionsausgaben, ein negativer freier Cashflow und ein neuer Finanzierungsbedarf veränderten die Debatte um die Bewertung der Aktien.
"Der Markt steht der KI-Story nach wie vor positiv gegenüber, ist jedoch nicht mehr bereit, dafür jeden Preis zu zahlen", fuhr Innes fort. Die Art von Kursbewegungen zeige, dass der überlaufene Tech-Sektor immer noch zu viel Hoffnung sowie zu viel Hebelwirkung mit sich bringe und nicht genug Spielraum für Enttäuschungen lasse.
Optimistischer gestimmt ist Experte Brent Thill vom Analysehaus Jefferies. Zwar habe Oracle das Umsatzziel für das Geschäftsjahr 2027 trotz des steigenden Auftragsbestandes unverändert gelassen. Das könnte die Bullen unter den Anlegern zunächst enttäuschen, rieche aber nach einer Aufstockung im weiteren Verlauf.
Goldman hebt Ziel für Oracle auf 239 Dollar - 'Buy'
Die US-Investmentbank Goldman Sachs hat das Kursziel für Oracle von 228 auf 239 US-Dollar angehoben und die Einstufung auf "Buy" belassen. Entscheidend für den Lauf der Aktien sei das Tempo des Kapazitätsausbaus, schrieb Gabriela Borges am Donnerstag in ihrem Resümee des Quartalsberichts. Der Konzern müsse dabei unter Beweis stellen, dass sich dies letztlich auch beim Gewinn bemerkbar mache. Den vorbörslichen Kursrutsch führt Borges auf die wohl nur kleine positive Überraschung bei den Ergebnissen und die immensen Investitionsvorhaben zurück.
Claudia Stephan, Martina Köhler, Julia Walter, Alexandra Hesse, Bettina Schneider, Redaktion finanzen.net mit Material von dpa-AFX
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Bildquellen: Ken Wolter / Shutterstock.com, Gil C / Shutterstock.com
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| Datum | Rating | Analyst | |
|---|---|---|---|
| 02.07.26 | SAP SE Neutral | JP Morgan Chase & Co. | |
| 29.06.26 | SAP SE Buy | Jefferies & Company Inc. | |
| 25.06.26 | SAP SE Buy | Jefferies & Company Inc. | |
| 19.06.26 | SAP SE Buy | UBS AG | |
| 19.06.26 | SAP SE Buy | Joh. Berenberg, Gossler & Co. KG (Berenberg Bank) |
