Bundesregierung: Ausblick für zweite Halbjahr merklich eingetrübt
Von Andreas Kißler
BERLIN (Dow Jones)--Die Bundesregierung geht in einer neuen Konjunkturanalyse von einer möglichen Schrumpfung des Bruttoinlansproduktes in der zweiten Hälfte des Jahres aus. Der Ausblick für das zweite Halbjahr habe sich "merklich eingetrübt", erklärte das Wirtschaftsministerium in seinem Monatsbericht. "Die deutsche Wirtschaftsleistung könnte in der zweiten Jahreshälfte stagnieren oder rückläufig sein."
Die Industrie habe zu Beginn des zweiten Halbjahres einen Rücksetzer hinnehmen müssen. Im Berichtsmonat Juli seien sowohl die Produktion als auch die Auftragseingänge zurückgegangen. Der Ausblick für die Industriekonjunktur sei gedämpft.
Die Umsätze im Einzelhandel hätten sich im Juli erholt. Die Stimmung bei den privaten Konsumenten habe aber ihre Talfahrt vor dem Hintergrund kräftiger Preisniveausteigerungen weiter fortgesetzt. Die Inflationsrate hat sich im August wieder erhöht auf voraussichtlich 7,9 Prozent, stellte das Ministerium fest. Der dämpfende Effekt durch die Senkung der Energiesteuer auf Kraftstoffe und das 9-Euro-Ticket werde im September wegfallen.
Immerhin gebe es erste Zeichen der Entspannung bei den weltweiten Lieferketten. Die Anzahl der Unternehmen, die über Materialmangel klagten, sei im August deutlich zurückgegangen. Auch die Containerfrachtraten sänken allmählich. "Dies könnte allerdings auch auf die Abkühlung der Weltwirtschaft zurückzuführen sein und kann deshalb nicht ausschließlich als positive Nachricht interpretiert werden." Der Arbeitsmarkt trotze vorerst den globalen Unsicherheiten. Die Frühindikatoren hätten sich stabilisiert und die Nachfrage nach Arbeitskräften liege weiter auf hohem Niveau.
Für das erste Halbjahr hätten die deutschen Amtsgerichte mit insgesamt 7.113 beantragten Unternehmensinsolvenzen 4 Prozent weniger Anträge als im ersten Halbjahr 2021 gemeldet, betonte das Ministerium zudem. Aktuelle Frühindikatoren und Umfragen deuteten auf steigende Zahlen in der zweiten Jahreshälfte hin, eine "Insolvenzwelle" sei derzeit jedoch nicht in Sicht.
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September 13, 2022 04:04 ET (08:04 GMT)