Chipsektor

NVIDIA, Broadcom & Co.: Chipaktien nun offiziell im Bärenmarkt - warum das laut BofA kein Grund zur Panik ist


NVIDIA, Broadcom & Co.: Chipaktien nun offiziell im Bärenmarkt - warum das laut BofA kein Grund zur Panik ist

Der Chipsektor ist offiziell in einen Bärenmarkt gerutscht, doch ein Analyst der Bank of America hält den Ausverkauf für eine saisonale Delle statt einer Trendwende.

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  • Chipindex SOX rutscht offiziell in einen Bärenmarkt
  • BofA-Analyst Arya spricht von "Sommerkorrektur statt Trendwende"
  • Anleger blicken auf Speicherpreise und die Kapazitätspläne der Branche
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Der Chipsektor ist kürzlich offiziell in einen Bärenmarkt eingetreten: So sackte der US-Chipindex PHLX Semiconductor Index (SOX) am letzten Freitag im Handelsverlauf mehr als 20 Prozent unter sein Rekordhoch vom 22. Juni 2026, womit der Beginn eines Bärenmarkts im allgemeinen Sprachgebrauch eingeleitet wird. Ein Analyst der Bank of America rät Anlegern dennoch nicht den Kopf in den Sand zu stecken, wie ihn MarketWatch widergibt: Die Korrektur sei eine saisonale Delle, kein Bruch mit dem langfristigen Wachstumspfad der Chipbranche.

Chipausverkauf: Aktien von NVIDIA, Broadcom & Co. unter Druck

Der Chipausverkauf traf in der letzten Woche den gesamten Sektor. So rutschte NVIDIA in der Marktkapitalisierung sogar hinter Apple zurück, eroberte den Titel als wertvollstes Unternehmen der Welt zum Handelsschluss aber zurück. Dennoch hielten sich einige Titel wie Broadcom und AMD noch vergleichsweise stabil, während Intel und NVIDIA deutlicher absackten. Bei den Speicherherstellern war das Bild ähnlich uneinheitlich: Micron Technology und Sandisk gaben nach, während Seagate Technology und Western Digital zu den Tagesgewinnern zählten. Bei den Ausrüstern gehörten Applied Materials, KLA und Lam Research zu den Verlierern.

Chinesische KI-Konkurrenz schürt zusätzliche Zweifel

Ein Teil des Ausverkaufs ging zudem auf die Vorstellung des KI-Modells Kimi K3 des chinesischen von Alibaba unterstützten Anbieters Moonshot AI am 17. Juli 2026 zurück, wie MarketWatch mit Verweis auf Marktbeobachter schreibt. Das offen zugängliche Modell mit 2,8 Billionen Parametern soll in Leistungstests ähnlich gut abschneiden wie aktuelle US-Modelle von Anthropic und OpenAI, dabei aber deutlich günstiger sein. Jefferies-Analyst Matt Ma sieht darin ein Signal, dass der technologische Vorsprung amerikanischer KI-Anbieter kleiner werde.

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Mark Malek, Investmentchef bei Siebert Financial, ordnete die Entwicklung ähnlich ein: "Die Kluft, die zwischen der amerikanischen und der chinesischen Spitzen-KI bestand, ist gerade deutlich kleiner geworden - und das genau an dem Morgen, an dem die Wall Street damit beschäftigt war, sich selbst davon zu überzeugen, dass sich die KI wirtschaftlich nicht rechnet", so Malek in einer per E-Mail an MarketWatch. Von Marketbeobachtern war in diesem Zusammenhang von Parallelen zum sogenannten "DeepSeek-Moment" Anfang 2025 gesprochen worden, so die Deutsche Presse-Agentur. Damals erschütterte ein chinesisches KI-Modell erstmals die Annahme einer US-Dominanz in diesem Bereich und ließ die Tech-Aktienmärkte weltweit einbrechen. Die Auswirkungen erwiesen sich jedoch zumindest damals als nicht von Dauer.

Warum BofA von einer Sommerkorrektur spricht

BofA-Analyst Vivek Arya ordnete den Rückschlag in einer Mitteilung, die MarketWatch vorliegt jedoch lediglich als saisonal bedingten Rücksetzer und nicht als fundamentale Trendwende ein. Zur Einordnung verweist er auf die Statistik: In 10 der vergangenen 16 Jahre schnitt der SOX im dritten Quartal schwächer ab als der marktbreite US-Index S&P 500, während er im zweiten Quartal 2026 nach Aryas Angaben rund 80 Prozent zulegte. Die aktuelle Schwäche ordnet er damit in ein wiederkehrendes saisonales Muster ein, nicht in eine grundsätzliche Abkehr vom KI-Investitionszyklus. Arya bleibt zudem bei Halbleiter-, Netzwerk- und Chipausrüstungstiteln optimistisch und rechnet damit, dass sich die weltweiten Ausgaben für Künstliche Intelligenz bis Ende des Jahrzehnts auf rund 1,7 Billionen US-Dollar mehr als verdoppeln.

Speicherchips und Kapazitätsausbau als Erholungsthese

Aryas Optimismus stützt sich vor allem auf den Speichermarkt: Nach seinen Angaben entfallen inzwischen rund 35 bis 40 Prozent der Investitionsausgaben großer Cloud-Anbieter auf Speicherchips, zwei- bis dreimal mehr als historisch üblich. Die Preise für DRAM-Speicher seien zuletzt acht Wochen in Folge gestiegen, auch NAND-Flash-Speicher hätten sich verteuert. Für den Markt für Anlagen zur Chipfertigung rechnet Arya mit einem Umsatz von 190 Milliarden US-Dollar im Jahr 2027 und 250 Milliarden US-Dollar im Jahr 2028.

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Nachdem Taiwan Semiconductor Manufacturing seine Investitionszusagen für die USA auf 265 Milliarden US-Dollar erhöht hat, könnte das laut Arya auch Intel und Samsung Electronics zu höheren US-Investitionen bewegen. Auch ASML stützt das Bild: Der Ausrüster erwartet, dass die Auslieferungen seiner Lithografiemaschinen 2027 und 2028 jährlich um mehr als 30 Prozent wachsen, verbunden mit möglichen Preiserhöhungen. Für Anleger ergibt sich daraus ein Argument, den Ausverkauf eher als Verschiebung innerhalb des Sektors zu lesen denn als dessen Ende.

Ob sich Aryas These bestätigt, dürfte sich in den kommenden Wochen zeigen: Mit den Quartalszahlen der großen Cloud-Konzerne im Spätsommer wird deutlich, ob die Investitionspläne für KI-Infrastruktur wie geplant fortgesetzt werden oder ob Unternehmen bei den Ausgaben zurückrudern.

Zwei Risiken bleiben: Die Speicherchipbranche hängt inzwischen so stark von den Investitionsplänen weniger Cloud-Konzerne ab wie nie zuvor, was den Sektor anfällig für eine Kürzung der KI-Ausgaben macht. Zudem könnte die wachsende Konkurrenz durch günstigere chinesische KI-Modelle die Annahme infrage stellen, dass US-Anbieter ihre technologische Führungsrolle dauerhaft behaupten.

Martina Köhler, Redaktion finanzen.net

Dieser Text dient ausschließlich zu Informationszwecken und stellt keine Anlageempfehlung dar. Die finanzen.net GmbH schließt jegliche Regressansprüche aus.

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Bildquellen: Ilkin Zeferli / Shutterstock.com, Immersion Imagery / Shutterstock.com

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