Positive Ausblicke für NVIDIA, Broadcom & Marvell-Aktie: Warum Vernetzung zum neuen Schlüsselfaktor der KI wird
Nach der Hot-Chips-Konferenz rückt ein neuer Flaschenhals in den Fokus, der über die Leistungsfähigkeit künftiger KI-Systeme entscheiden könnte.
Werte in diesem Artikel
- Nicht der schnellste Chip zählt, sondern die Datenbewegung im System
- Mehrere Netzwerk-Spezialisten rücken neben NVIDIA in den Blick
- Speichertechnologien werden Teil der Vernetzungs-Gleichung
Die Vernetzung von KI-Systemen entwickelt sich nach Einschätzung von Citi zur entscheidenden Beschränkung für künftige Fortschritte in der künstlichen Intelligenz, noch vor der reinen Rechenleistung. Die Analysten leiten daraus einen besonders positiven Ausblick für NVIDIA und mehrere Netzwerk-Spezialisten ab. Auslöser ist der zweite Tag der Hot-Chips-Konferenz.
Citi sieht Wende weg von reiner Rechenleistung
Die Analysten von Citigroup äußerten ihre Einschätzung im Anschluss an den zweiten Tag der Hot-Chips-Konferenz 2026, die vom 23. bis 25. August an der Stanford University stattfand. Ihre These: Die erste Welle des KI-Infrastrukturausbaus habe sich stark auf schnellere Grafikprozessoren, größere Beschleuniger und höhere Trainingskapazität konzentriert. Da KI-Systeme sich nun in Richtung Billionen von Parametern, größerer Kontextfenster und autonomer Agenten-Workloads ausweiten, werde die effiziente Bewegung von Daten zwischen Chips, Servern, Racks und Rechenzentren zum größeren Engpass.
Der künftige KI-Gewinner sei nach Einschätzung der Citi-Analysten nicht zwangsläufig das Unternehmen mit dem schnellsten Prozessor, sondern jenes, das Daten am effizientesten durch das gesamte System bewege. Citi verwies darauf, dass Präsentationen von NVIDIA, Broadcom, Meta Platforms, Alphabets Google-Sparte und Samsung auf denselben Trend hindeuteten. Aus dieser Verschiebung leitet das Analystenhaus einen besonders positiven Ausblick für NVIDIA, Broadcom, Arista Networks, Lumentum, Coherent, Marvell Technology und Astera Labs ab.
NVIDIA positioniert sich mit neuer Infrastruktur-Generation
NVIDIA, spezialisiert auf Grafikprozessoren und KI-Beschleuniger, präsentierte auf der Konferenz seine nächste Generation an KI-Infrastruktur: die Vera-CPU, die Rubin-GPU, den NVLink-Switch sowie die Spectrum-X-Ethernet-Vernetzung samt BlueField-4-DPUs. Kernbotschaft der Networking-Session sei eine um das 1,9-Fache höhere Trainingsleistung in einer Multi-Tenant-KI-Fabrik gewesen, abgeleitet aus einem Trainingslauf mit dem Modell DeepSeek-V3. NVIDIA gliederte die sogenannte AI Factory dabei in fünf eigens entwickelte Netzwerkebenen: Scale-across, Scale-in, Scale-out, Scale-up und eine AI-Context-Scale-Ebene.
Citi hob zudem NVIDIAs Konzept künftiger Rechenzentren als sogenannte AI Factories hervor, die anders als klassische, serverzentrierte Rechenzentren zunehmend um Datenflüsse zwischen Rechenleistung, Speicher, Netzwerk, Storage und Sicherheit organisiert seien. Broadcom, ebenfalls im Halbleiter- und Netzwerkgeschäft aktiv, stellte parallel seinen Thor-Ultra-Ethernet-Netzwerkadapter für KI- und Hochleistungsrechenanwendungen vor. Laut Citi gelten Scale-up- und Scale-out-Interconnects als der praktische Engpass von Trainings- und Inferenz-Clustern.
Speicher rückt in den Fokus, Analysten bleiben zuversichtlich
Speicher werde laut Citi zunehmend Teil der Vernetzungs-Herausforderung: Technologien von Samsung, XCENA und Cerebras sollen mehr Daten näher am Verarbeitungsort halten und so den Datenverkehr über überlastete Verbindungen reduzieren. Citi beschreibt das Umfeld als Ökosystem, in dem Marvell Technology, Broadcom, NVIDIA, Arista Networks, Astera Labs, Lumentum und Coherent in unterschiedlichen Rollen als Partner, Zulieferer und Wettbewerber auftreten, etwa bei optischen Modulen, Retimern, Switch-ASICs und photonischen Plattformen.
Am Kapitalmarkt bleibt der Ausblick für NVIDIA überwiegend positiv. UBS-Analyst Timothy Arcuri bestätigte am Freitag eine Kaufempfehlung mit einem Kursziel von 300 US-Dollar, zuvor 280 US-Dollar. Citi-Analyst Atif Malik setzte das Kursziel am selben Tag auf 315 US-Dollar nach zuvor 300 US-Dollar. Bereits am Tag zuvor hatten Evercore ISI ein Kursziel von 465 US-Dollar und Morgan Stanley ein Kursziel von 300 US-Dollar ausgegeben, beide ebenfalls mit Kaufeinschätzung. Der Analystenkonsens aus 30 Stimmen liegt bei einem mittleren Kursziel von 328,43 US-Dollar bei einer Spanne von 250 bis 515 US-Dollar.
Ob sich die Einschätzung von Citi zur Vernetzung als neuem Kernengpass der KI-Branche in den kommenden Zahlen der genannten Unternehmen niederschlägt, dürfte sich erst zeigen, wenn NVIDIA, Broadcom und die weiteren Netzwerk-Spezialisten konkrete Auftragszahlen für ihre auf der Hot-Chips-Konferenz vorgestellten Technologien vorlegen.
Evelyn Schmal, Redaktion finanzen.net
Dieser Text dient ausschließlich zu Informationszwecken und stellt keine Anlageempfehlung dar. Die finanzen.net GmbH schließt jegliche Regressansprüche aus.
Ausgewählte Hebelprodukte auf Alphabet A (ex Google)
Mit Knock-outs können spekulative Anleger überproportional an Kursbewegungen partizipieren. Wählen Sie einfach den gewünschten Hebel und wir zeigen Ihnen passende Open-End Produkte auf Alphabet A (ex Google)
Der Hebel muss zwischen 2 und 20 liegen
Bildquellen: Below the Sky / Shutterstock.com, Poetra.RH / Shutterstock.com
