Bayer-Aktie etwas schwächer: Warum der Konzern US-Zölle auf Glyphosat aus China fordert
Kaum hat Bayer den jahrelangen Rechtsstreit um Glyphosat vor Gericht entschärft, eröffnet der Konzern an anderer Front einen neuen Kampf um denselben Wirkstoff.
Werte in diesem Artikel
- Bayer fordert in den USA Zölle auf günstiges Glyphosat aus China
- Der Vorstoß folgt kurz nach dem Sieg vor dem US Supreme Court
- Zollantrag zum Schutz der Umsätze
Der DAX-Konzern Bayer geht im Streit um Glyphosat in die Offensive. Über die Tochter Monsanto und deren Gesellschaft Ruveon reichte das Unternehmen am 30. Juni 2026 beim US-Handelsministerium und der US-Handelskommission ITC einen Antrag auf Antidumping- und Ausgleichszölle gegen Glyphosat aus China ein. Der Vorstoß kommt nur fünf Tage nach dem wichtigsten juristischen Erfolg seit Jahren und zeigt, an wie vielen Fronten Bayer um sein umstrittenstes Produkt kämpft.
Erst der Supreme Court, dann der Zoll
Am 25. Juni 2026 entschied der Oberste US-Gerichtshof mit sieben zu zwei Stimmen, dass Verbraucher Bayer nicht wegen einer fehlenden Krebswarnung auf Glyphosat verklagen können, solange die US-Umweltbehörde keine solche Warnung verlangt. Das Gericht kassierte damit ein Urteil über 1,25 Millionen US-Dollar und nahm nach fast einem Jahrzehnt und Rechtskosten von mehr als zehn Milliarden US-Dollar viel Druck aus dem Dauerkonflikt. Tausenden Klagen im Zusammenhang mit dem glyphosathaltigen Unkrautvernichter Roundup dürfte damit die Grundlage entzogen werden.
Bayer hatte im Februar einen Sammelvergleich über 7,25 Milliarden US-Dollar (knapp 6,4 Mrd Euro) zur Beilegung der Rechtsstreitigkeiten zu Roundup in den USA geschlossen, der bereits vorläufig genehmigt wurde. Die Anhörung für eine endgültige Genehmigung des milliardenschweren Vergleichs im Streit um den umstrittenen Unkrautvernichter Roundup in den USA soll nun am 19. August stattfinden. Das teilte Bayer am Dienstagabend mit. Ursprünglich war Anfang Juli geplant. Die Verschiebung habe jedoch keine wesentlichen Auswirkungen auf den Prozess, hieß es.
Die Bayer-Aktie legte nach dem Urteil des US Supreme Courts zweistellig zu, zuletzt stand sie im XETRA-Handel bei 48,41 Euro. Am Mittwoch notierte das Papier auf XETRA letztlich 1,22 Prozent höher bei 49,00 Euro. Kaum war dieser Sieg verbucht, öffnete Bayer mit dem Zollantrag die nächste Front. Offiziell geht es um fairen Wettbewerb, tatsächlich verteidigt der Konzern damit ein Geschäft, das zuletzt spürbar unter Druck stand.
Ein Wirkstoff unter Preisdruck
Der Zeitpunkt ist kein Zufall. Bayer ist nach eigener Darstellung das einzige Unternehmen, das Glyphosat noch in den USA produziert, und sieht sich von billiger chinesischer Ware bedrängt. In der Bilanzvorlage für 2025 verwies das Management darauf, dass die Preise für generisches Material aus China unter den historischen Median gefallen seien, und stellte für 2026 einen Rückgang der Umsätze mit Glyphosat um zwei bis sechs Prozent in Aussicht. Vorstandschef Bill Anderson hatte zuvor sogar mit einem Ende der US-Produktion gedroht, sollten die Belastungen nicht nachlassen. Der Zollantrag ist vor diesem Hintergrund weniger Handelspolitik als Selbstschutz.
Ausgerechnet die eigenen Kunden
Diese Strategie könnte sich jedoch anderswo rächen. Große US-Agrarverbände wie die Vereinigung der Maisbauern NCGA, der Sojaverband ASA und die Weizenfarmer der NAWG laufen Sturm gegen den Antrag. Ihr Argument lautet, dass Zölle auf eines der meistgenutzten Herbizide die Kosten der Landwirte in einer ohnehin schwachen Agrarkonjunktur weiter nach oben treiben. Für einen Konzern, der sich gern als Partner der Farmer inszeniert, ist das ein heikler Widerspruch, den Bayer nun aushalten muss.
Für Anleger verschiebt sich der Fokus damit von den Gerichten auf einen neuen Prüfstein. Es bleibt damit abzuwarten, ob Handelsministerium und ITC das Zollverfahren überhaupt eröffnen und wie sich das tatsächlich auf die Umsatzentwicklung von Bayer auswirken wird.
Carolin Ludwig, Claudia Stephan, Martina Köhler, Redaktion finanzen.net mit Material von dpa-AFX
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