Siemens Energy oder GE Vernova: Welche Energie-Aktie hat nach der ToI-Trennung mehr Potenzial?
Nach der angekündigten Trennung von der Sparte Transformation of Industry stellt sich die Frage, ob Siemens Energy oder GE Vernova das größere Potenzial bietet.
Werte in diesem Artikel
- Konzernumbau bei Siemens Energy lenkt den Blick auf Kerngeschäft und Bewertung
- Rekordauftragseingang und angehobene Prognosen prägen beide Bilanzen
- Analystenhäuser sehen bei Siemens Energy deutlich Luft nach oben
Siemens Energy trennt sich von seinem Industriegeschäft Transformation of Industry und bündelt sich künftig stärker auf Gasturbinen und Netztechnik. Der Schritt rückt die Aktie in direkten Vergleich zum US-Wettbewerber GE Vernova, der ebenfalls mit starken Zahlen aufwartete. Analysten sehen bei beiden Werten Potenzial, doch die Ausgangslagen unterscheiden sich deutlich.
Siemens Energy ordnet sein Portfolio neu
Siemens Energy leitete am Dienstag die Trennung seiner Sparte Transformation of Industry ein. Das Geschäft soll eigenständig werden und mehr unternehmerische Flexibilität erhalten, von der Aufnahme externer Investoren bis zu einer möglichen Kapitalmarkttransaktion. Eine bedeutende Minderheitsbeteiligung will der Konzern dabei behalten. Im Geschäftsjahr 2025 erwirtschaftete die rund 17.000 Beschäftigte zählende Sparte einen Umsatz von 5,7 Milliarden Euro bei einer Marge von 11,3 Prozent. Reuters ordnete den Schritt als Fokussierung auf den Versorgersektor ein, der von steigender Nachfrage profitiere: Transformation of Industry habe 2025 rund 15 Prozent des Konzernumsatzes ausgemacht, während Gasturbinen und Netzsparten stärker von der Nachfrage nach Erzeugungskapazität und Netzausrüstung für Rechenzentren profitierten.
CEO Christian Bruch begründete den Umbau damit, dass die bisherige Struktur begrenze, was die Sparte erreichen könnte, und verwies auf den Investitionsfokus auf Stromerzeugung und Stromübertragung mit höherer unmittelbarer Rendite. Die auszugliedernde Sparte soll künftig unter der Marke Omterra firmieren, sobald diese eingeführt ist, mit wichtigen Fertigungsstandorten unter anderem in Duisburg, Erlangen, Görlitz, Mülheim an der Ruhr, Nürnberg und Erfurt. Bereits Mitte Juli hatte Siemens Energy angekündigt, dass Siemens Energy und Siemens Gamesa künftig gemeinsam unter dieser neuen Marke auftreten sollen, da die befristete Lizenz zur Nutzung des Siemens-Markennamens ausläuft. Die genauen Modalitäten der Trennung, etwa Umfang der abzugebenden Anteile oder Zeitplan, waren zum Zeitpunkt der Ankündigung noch nicht final festgelegt.
Rekordquartal stützt die Siemens Energy-Aktie
Operativ liefert Siemens Energy Rückenwind für die Strategie. Im dritten Quartal des Geschäftsjahres 2026 erreichte der Auftragseingang 17,9 Milliarden Euro, das Book-to-Bill-Verhältnis lag bei 1,57 und der Auftragsbestand stieg auf 162 Milliarden Euro. Der Umsatz wuchs vergleichbar um 18,5 Prozent auf 11,4 Milliarden Euro. Die Windkraftsparte Siemens Gamesa erzielte laut Mitteilung erstmals seit dem Geschäftsjahr 2022 wieder ein positives Quartalsergebnis und soll 2026 die Gewinnschwelle erreichen. Der Konzern bestätigte seine nach dem ersten Halbjahr angehobene Jahresprognose und erwartet die Profitmarge vor Sondereffekten am oberen Ende der Guidance-Spanne. Das Ergebnis je Aktie für das dritte Quartal des Geschäftsjahres 2026 lag laut Mitteilung bei 1,28 Euro.
Am Kapitalmarkt zeigt sich ein klar positives Bild: Von elf Analysten stufen neun die Aktie laut TipRanks-Daten mit Buy ein, einer mit Hold und einer mit Sell, das mittlere Kursziel liegt bei 207,66 Euro bei einer Spanne von 130,42 bis 250,81 Euro. Evercore ISI und Jefferies nannten am Mittwoch Kursziele von 250 beziehungsweise 215 Euro, jeweils mit Buy-Einstufung, während Deutsche Bank und RBC Capital am selben Tag 210 und 200 Euro als Kursziel ausgaben.
GE Vernova mit angehobener Prognose
Der US-Wettbewerber GE Vernova hatte Ende Juli seine Zahlen zum zweiten Quartal 2026 vorgelegt und dabei die Finanzprognose für das Gesamtjahr angehoben: Der Umsatz soll nun zwischen 45,5 und 46,5 Milliarden US-Dollar liegen, zuvor waren 44,5 bis 45,5 Milliarden US-Dollar avisiert. Der freie Cashflow wird mit 11,5 bis 12,5 Milliarden US-Dollar veranschlagt, deutlich mehr als die zuvor genannten 6,5 bis 7,5 Milliarden US-Dollar. Die bereinigte EBITDA-Marge soll gegenüber der bisherigen Prognose vom ersten Quartal 2026 unverändert bei 12 bis 14 Prozent liegen. Der Auftragseingang stieg organisch um 88 Prozent auf 24,2 Milliarden US-Dollar, der Umsatz kletterte um 22 Prozent auf 11,1 Milliarden US-Dollar, das bereinigte EBITDA erreichte 1,2 Milliarden US-Dollar bei einer Marge von 11,3 Prozent im zweiten Quartal.
CEO Scott Strazik verwies laut Unternehmensmitteilung auf einen Auftragsbestand von 176 Milliarden US-Dollar sowie anhaltendes Umsatzwachstum, Margenausweitung und eine erhebliche Generierung von freiem Cashflow als Treiber der Dynamik des Unternehmens, wie es hieß. Wachstumstreiber im Quartal waren vor allem die Segmente Power und Electrification, während Wind schwächer blieb.
Auch am Kapitalmarkt genießt GE Vernova hohes Vertrauen: Von 21 Analysten, die laut TipRanks-Daten die Aktie in den vergangenen drei Monaten bewertet haben, stufen 18 sie mit Buy ein, drei mit Hold und keiner mit Sell - in Summe ergibt sich ein Strong-Buy-Konsens. Das mittlere Kursziel liegt bei 1.276,50 US-Dollar bei einer Spanne von 949,00 bis 1.450,00 US-Dollar, was gegenüber dem zugrunde gelegten Kurs von 926,73 US-Dollar einem Aufwärtspotenzial von rund 37,7 Prozent entspricht. Zu den jüngsten Einschätzungen zählen ein auf 1.350 US-Dollar angehobenes Kursziel von Morgan Stanley sowie 1.450 US-Dollar von Guggenheim, beide mit Buy-Rating, während Mizuho mit einem Kursziel von 949 US-Dollar und Hold-Einstufung deutlich zurückhaltender bleibt.
Ein von Investing.com veröffentlichter Beitrag vom Mittwoch verwies zudem auf eine Einschätzung von Goldman Sachs, wonach Siemens Energy zu einem deutlich niedrigeren EV/EBITDA-Multiple als GE Vernova notiere.Bis zum nächsten großen Zahlentermin stehen für Siemens Energy mehrere Investorenveranstaltungen an, darunter eine Asien-Roadshow sowie die Commerzbank & ODDO BHF Corporate Conference. Dort dürften Anleger weitere Details zur geplanten Trennung des Industriegeschäfts sowie zum Fortschritt des Rebrandings zu Omterra erwarten.
Evelyn Schmal, Redaktion finanzen.net
Dieser Text dient ausschließlich zu Informationszwecken und stellt keine Anlageempfehlung dar. Die finanzen.net GmbH schließt jegliche Regressansprüche aus.
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Bildquellen: Siemens Energy AG, Siemens Energy AG
