NVIDIA-Aktie: "Big-Short"-Investor Burry hedgt Short-Wette trotz Rekordquartal und bleibt skeptisch
Kurz vor NVIDIAs Rekordquartal kauft Michael Burry ausgerechnet Kaufoptionen auf die Aktie, obwohl er gleichzeitig auf fallende Kurse setzt.
Werte in diesem Artikel
- Burry kauft NVIDIA-Calls als Absicherung kurz vor den Quartalszahlen
- NVIDIA übertrifft mit Umsatz und Ausblick die Erwartungen deutlich
- Burry wiederholt seine Warnung trotz starker Zahlen und Ausblick
Wenige Stunden bevor NVIDIA am 26. August seine Quartalszahlen vorlegte, kaufte Michael Burry Call-Optionen auf die Aktie und machte diesen Schritt selbst öffentlich. Der Investor, der 2008 mit seiner Wette gegen den US-Häusermarkt bekannt wurde, bezeichnete den Kauf ausdrücklich als Absicherung gegen seine deutlich größeren Short-Positionen, nicht als Wette auf steigende Kurse. Wenige Stunden später übertraf NVIDIA die Erwartungen der Wall Street deutlich. An seiner Warnung vor der Bewertung ändert das aus Burrys Sicht jedoch nichts.
Starke Zahlen, gemischte Kursreaktion
Im zweiten Quartal des Geschäftsjahres 2027, das am 26. Juli endete, stieg der Umsatz von NVIDIA auf 96,2 Milliarden US-Dollar, ein Plus von 106 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal. Finanzchefin Colette Kress kündigte zudem ein Umsatzplus von rund 70 Prozent für das Geschäftsjahr 2028 an, deutlich über der bisherigen Konsensschätzung von etwa 45 Prozent. Die erste Kursreaktion fiel dennoch uneinheitlich aus. Genau an dieses Muster, wonach die Aktie nach Quartalszahlen zuletzt öfter nachgab als zulegte, knüpft Burry seine fortgesetzte Warnung an.
Warum Burry trotzdem skeptisch bleibt
Laut TheStreet hält Burry die aktuelle Bewertung von NVIDIA für nicht vereinbar mit der vorherrschenden Markterzählung. Seinen eigenen Berechnungen zufolge liegt der innere Wert des Unternehmens unter dem aktuellen Marktwert. Zusätzlich äußert er sich dem Bericht zufolge besorgt über künftige Ausschüttungen an Aktionäre und über den Druck auf die Gewinne, sollten die milliardenschweren Investitionen in die KI-Infrastruktur nicht im erwarteten Tempo Erträge abwerfen. Die zeitgleich gekauften Call-Optionen ändern daran nach seiner eigenen Darstellung nichts: Sie sichern nur einen Teil seiner deutlich größeren Short-Position ab, sollte die Aktie kurzfristig weiter steigen.
Abschreibungs-Einwand bleibt Teil der These
Einem Bericht von TheStreet zufolge reicht Burrys Argumentation über das aktuelle Quartal hinaus. Er wirft großen Cloud-Anbietern vor, die Nutzungsdauer von NVIDIA-Hardware in ihren Bilanzen zu lang anzusetzen und dadurch Abschreibungen zu niedrig auszuweisen. Branchenweit summiere sich das zwischen 2026 und 2028 auf einen Fehlbetrag von rund 176 Milliarden US-Dollar, wodurch ausgewiesene Gewinne bei betroffenen Kunden höher ausfielen, als es die tatsächliche wirtschaftliche Nutzungsdauer der Chips rechtfertige. Diesen Einwand führe weiterhin an, um seine fortgesetzte Short-Position trotz starker NVIDIA-Zahlen zu begründen.
Ob sich Burrys Skepsis bestätigt, dürfte sich frühestens am dritten Quartalsbericht des Geschäftsjahres 2027 zeigen, den NVIDIA voraussichtlich im November dieses Jahres vorlegt. Erst dann wird sich zeigen, ob der langfristige Wachstumspfad von 70 Prozent tatsächlich Bestand hat, während Burrys Call-Optionen im Dezember verfallen.
Benedict Kurschat, Redaktion finanzen.net
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