Europas Hitzewellen eröffnen Milliardenmarkt für Anleger - Sind diese Aktien unterschätzte Gewinner?
Die Citigroup sieht in der niedrigen Verbreitung von Klimaanlagen in Europa einen langfristigen Wachstumstreiber für US-HVAC-Konzerne. Diese Aktien rücken in den Fokus.
Werte in diesem Artikel
• Europa hat deutlich geringere Klimaanlagen-Durchdringung als USA und Japan
• Citi sieht strukturelles Wachstum für Carrier, Trane und Johnson Controls
• Nachfrageentwicklung wird durch Hitze und Wärmepumpen-Technologie gestützt
Die aktuelle Hitzewelle in Europa ist für die Citigroup mehr als ein Wetterthema. In einer Analyse, aus der "Investing" zitiert, leitet die Bank eine langfristige Wachstumschance für US-Hersteller von Klima- und Lüftungstechnik ab. Der Grund liegt in einer Zahl: Während in den USA und Japan rund 90 Prozent der Haushalte eine Klimaanlage besitzen, waren es in Europa laut Daten der Internationalen Energieagentur von 2018 nur etwa 20 Prozent. Genau diese Lücke könnte sich schließen, je häufiger und heißer die Sommer werden. Profiteure wären laut Citi vor allem Carrier, Trane Technologies und Johnson Controls.
Warum der Kühlmarkt Europa das Argument ist
Der Kern der Idee ist die niedrige Ausgangsbasis. Ein Markt, in dem erst jeder fünfte Haushalt kühlt, hat naturgemäß mehr Wachstumsspielraum als einer, der fast gesättigt ist. Kommen häufigere und intensivere Hitzeperioden hinzu, verschiebt sich die Klimaanlage vom Luxus zur Anschaffung, die viele erst unter Druck tätigen. Die Lücke klafft vor allem im Wohnbereich, wo Nachrüstungen ein großes, bislang kaum erschlossenes Volumen bedeuten. Citi rechnet deshalb nicht mit einem einmaligen Sommereffekt, sondern mit einem strukturell steigenden Bedarf über Jahre. Verstärkt wird das durch die Energiepolitik: Moderne Wärmepumpen heizen und kühlen zugleich, und staatliche Förderung stützt die Nachfrage. Citi verweist auf Förderanträge für Wärmepumpen in Deutschland noch vor der aktuellen Hitzewelle, was auf eine intakte Nachfrage hindeute.
Carrier als Citis erste Wahl
Unter den drei Namen hebt Citi Carrier hervor. Mehr als 20 Prozent des Umsatzes entfallen auf den Geschäftsbereich Climate Solutions Europe. Nach eigenen Angaben hält Carrier in Europa den höchsten Marktanteil bei gewerblicher Klimatechnik und liegt im Wohn- und Leichtgewerbebereich auf Rang zwei. Das europäische Wärmepumpengeschäft wuchs im ersten Quartal im niedrigen zweistelligen Prozentbereich. Für Citi ist Carrier damit am direktesten an den europäischen Kühltrend gekoppelt. Trane Technologies und Johnson Controls sind in Europa kleiner aufgestellt, bieten aber auf den Markt zugeschnittene Produkte und dürften laut Citi ebenfalls profitieren, wenn Staaten, Unternehmen und Haushalte stärker in Kühlung und Energieeffizienz investieren. Damit zeichnet die Bank weniger eine Einzelwette als ein Branchenbild.
Was gegen die schnelle Wettergeschichte spricht
Doch ein Selbstläufer sind Aktien aus dem Kühlbereich nicht. Denn die These ist langsam: Die Ausstattung mit Klimaanlagen wächst über Jahre, nicht über einen Hitzesommer, und ein einzelnes Quartal bewegt die Gewinne kaum. Wie wenig der Kurs der Wettergeschichte folgt, zeigte ausgerechnet der vergangene Freitag, als alle drei Werte im breiten Marktabschwung deutlich nachgaben. Die Carrier-Aktie verlor an der NYSE 3,17 Prozent, zeigte sich am Montag weitere 0,22 Prozent tiefer bei 73,43 US-Dollar. Trane-Titel rutschten daneben um 5,08 Prozent ab, hier war aber mit einem Plus von 0,51 Prozent auf 480,35 US-Dollar eine positive Entwicklung zu sehen. Johnson Controls waren am Freitag um 4,87 Prozent abgesackt und zeigten sich 1,50 Prozent fester bei 140,47 US-Dollar.
Neben dem langsamen Ausbau der Ausstattung mit Klimaanlagen gibt es noch einen weiteren Gegenwindfaktor: Das Europageschäft mit Kühlung ist nur ein Teil des Geschäfts der Unternehmen. Selbst bei Carrier stammen gut 20 Prozent des Umsatzes aus Europa, bei den anderen weniger, der Rest hängt am globalen Bauzyklus, an Zinsen, an Wechselkursen und an Förderprogrammen, die sich ändern können. Günstig sind die Aktien zudem nicht: Die Bewertungen liegen beim rund 30-Fachen des Gewinns, bei Johnson Controls darüber.
Unterm Strich ist die Lücke beim Kühlmarkt Europa ein echter, mehrjähriger Rückenwind, und Citi bietet mit Carrier, Trane und Johnson Controls die naheliegenden Wege, ihn zu spielen. Es bleibt aber ein langsamer, zweitrangiger Treiber auf Unternehmen, deren Schicksal weiter am gesamten Bauzyklus hängt, keine Wette auf den nächsten Hitzerekord.
Claudia Stephan, Martina Köhler, Benedict Kurschat, Redaktion finanzen.net
Dieser Text dient ausschließlich zu Informationszwecken und stellt keine Anlageempfehlung dar. Die finanzen.net GmbH schließt jegliche Regressansprüche aus.
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| Datum | Rating | Analyst | |
|---|---|---|---|
| 10.10.22 | Citigroup Neutral | Credit Suisse Group | |
| 21.01.21 | Citigroup Hold | Joh. Berenberg, Gossler & Co. KG (Berenberg Bank) | |
| 03.07.20 | Citigroup Outperform | RBC Capital Markets | |
| 02.04.20 | Citigroup Hold | Deutsche Bank AG | |
| 08.01.20 | Citigroup Outperform | RBC Capital Markets |