Bitcoin-Wandel

KI verdrängt Krypto-Euphorie - Bitwise-CIO rechnet mit gedämpftem nächsten Bullrun

06.07.26 23:00 Uhr

KI statt Krypto-Euphorie: Warum Bitwise einen gedämpften nächsten Bullrun erwartet | finanzen.net

Matt Hougan, CIO von Bitwise Asset Management, erwartet einen gedämpften nächsten Krypto-Aufschwung. Ein struktureller Wandel in der Investorennachfrage treibt diese Einschätzung.

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• Bitwise-CIO Hougan prognostiziert einen langsameren, weniger volatilen Bullrun als in früheren Krypto-Zyklen
• Institutionelle Anleger und Wall Street-Berater verlagern ihre Aufmerksamkeit auf KI und Tokenisierung
• Stablecoin-Markt erreichte zuletzt einen Rekordwert von 322 Milliarden US-Dollar

Bitwise erwartet ruhigeren Bullrun

Matt Hougan, Chief Investment Officer des auf Krypto spezialisierten Vermögensverwalters Bitwise Asset Management, rechnet beim nächsten Aufschwung nicht mit der Dynamik vergangener Zyklen. Gegenüber CoinDesk erklärte er: "Ich denke, der kommende Bullenmarkt wird langsamer und weniger volatil sein als in der Vergangenheit." Gleichzeitig betonte Hougan, dass das Interesse registrierter Anlageberater und institutioneller Investoren in den USA an Bitcoin und digitalen Assets insgesamt auf historisch hohem Niveau liege. Die These ist also keine Absage an Krypto als Anlageklasse, sondern eine Einschätzung zur veränderten Marktstruktur.

KI und Tokenisierung entziehen dem Markt Aufmerksamkeit

Hougan sieht im Fokuswandel bei institutionellen und Wall-Street-nahen Investoren zwar nicht den Hauptgrund für den Kursrückgang, wohl aber einen Faktor, der die Erholung bremst. Angesichts wachsender Skepsis hätten diese Anleger in unsicheren Zeiten eher nach handfesten Alternativen gegriffen. Gemeint sind Stablecoins und die Tokenisierung realer Vermögenswerte. Zusätzlich lenkt der Aufstieg künstlicher Intelligenz als Investitionsthema Kapital und Aufmerksamkeit weg von der klassischen Krypto-Spekulation. Laut Hougan hat der Markt damit einen Teil seiner früheren, ausschließlich auf Kryptowährungen gerichteten Begeisterung verloren.

Bedeutungszuwachs von Stablecoins

Der Bedeutungszuwachs von Stablecoins lässt sich an konkreten Zahlen ablesen. Der Gesamtwert des Stablecoin-Marktes erreichte im Mai 2026 laut CoinDesk einen Allzeithöchststand von 322 Milliarden US-Dollar - mehr als die Devisenreserven von 95 Ländern weltweit, darunter Großbritannien, Kanada und die Vereinigten Arabischen Emirate. Die Investmentbank Citi prognostiziert, dass dieser Wert bis 2030 auf bis zu vier Billionen US-Dollar im optimistischen Szenario steigen könnte; das Basisszenario geht von 1,9 Billionen US-Dollar aus. Für Hougan ist die wachsende institutionelle Nachfrage nach digital abgebildeten Realvermögen einer der Faktoren, die die Gesamterholung des Kryptomarktes verlangsamen dürften.

Aktuelles Marktumfeld

Hougans aktuelle Einschätzung steht nicht im luftleeren Raum. Bereits im November 2025 beschrieb er in einem Auftritt bei CNBC die Stimmung kleiner Anleger als "maximale Verzweiflung" nach Monaten mit Liquidationen, Leverage-Ausfällen und schwindender Euphorie. Auf der anderen Seite verzeichnete Bitwise nach eigenen Angaben damals bereits kontinuierliche Zuflüsse von professionellen Investoren. Diese Zweiteilung des Marktes - erschöpftes Retail-Publikum auf der einen, stabil investierte Institutionen auf der anderen Seite - bildet den strukturellen Hintergrund für seine aktuelle These eines weniger volatilen nächsten Aufschwungs. Wann dieser einsetzt, ließ Hougan gegenüber CoinDesk offen.

Langfristiger Ausblick

Trotz der gedämpften Kurzfristerwartung bleibt Hougan ein überzeugter Bitcoin-Bulle. Wie CoinDesk berichtet, bekräftigte er im Rahmen desselben Interviews seine Prognose, dass Bitcoin innerhalb der nächsten zehn Jahre die Marke von einer Million US-Dollar überschreiten werde. Diese Langfristthese steht nicht im Widerspruch zu einem ruhigeren Bullrun, sondern setzt ihn voraus: Hougan skizziert damit eine strukturell reifere Marktentwicklung, in der Preisanstiege gradueller verlaufen als in den Zyklen von 2017 oder 2021 - getragen von institutionellen Dauerinvestoren statt von retail-getriebenem Spekulationskapital.

Paul Schütte, Redaktion finanzen.net

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