Infineon-Aktie freundlich: Goldman Sachs sieht den Weg zurück zum Rekordhoch
Goldman Sachs hebt das Kursziel für die Infineon-Aktie an und verweist auf bessere Wachstumschancen im KI-Geschäft. Damit rückt das jüngste Rekordniveau der Aktie erneut in den Fokus.
Werte in diesem Artikel
• Goldman Sachs erhöht Kursziel auf 88 Euro
• KI-Nachfrage stützt langfristige Wachstumsperspektiven
• Ausbau der Fertigung soll zusätzlichen Schub liefern
Der deutsche Halbleiterkonzern Infineon wird von einem Experten geadelt: Goldman-Sachs-Analyst Alexander Duval hat das Kursziel für Infineon am 11. Juni von 75 auf 88 Euro angehoben und die Einstufung auf "Buy" belassen. Begründung: ein höherer Bewertungsmultiplikator sowie größere Wachstumschancen durch die steigende Nachfrage nach KI-Chips.
Dabei erfolgt die Anhebung direkt auf ein Niveau, das der Markt bereits kennt: Anfang Juni markierte die Infineon-Aktie ein neues Allzeithoch bei 88,46 Euro. Seitdem hat die Aktie nach volatilen Tagen konsolidiert und notierte am Freitag auf XETRA letztlich bei 80,06 Euro mit einem Plus von 3,89 Prozent.
Seit Jahresbeginn kommt damit ein Plus von rund 105 Prozent zustande, was den DAX-Wert zu einem der stärksten europäischen Halbleiterwerte des laufenden Jahres macht.
Duvals Botschaft an den Markt lautet damit implizit: Das Allzeithoch war kein Ausreißer. Goldman Sachs gehört mit seinem Kursziel von 88 Euro dennoch zu den Optimistischeren im Analystenfeld. Bernstein Research sieht ebenfalls 74 bis 75 Euro, JPMorgan hob sein Ziel nach den letzten Quartalszahlen von 48 auf 74 Euro an.
Warum Infineon kein klassischer Chiphersteller ist
Infineon baut keine Grafikprozessoren und keine Rechenchips im eigentlichen Sinne. Das Unternehmen liefert Leistungshalbleiter, die in jedem modernen KI-Rechenzentrum die Energieversorgung regeln. Mit steigendem Strombedarf der KI-Infrastruktur wächst auch der Bedarf an genau diesen Komponenten. Bis 2030 könnte ein einzelner KI-Chip laut Unternehmensangaben mehr als vier Kilowatt elektrische Leistung benötigen. Infineon adressiert dabei die gesamte Energiekette vom Netzanschluss bis zur Spannungsversorgung direkt am Prozessor. Gemeinsam mit NVIDIA arbeitet der Konzern an einer 800-Volt-Gleichstromarchitektur, die eine zentralisierte Hochspannungsverteilung in Rechenzentren ermöglichen soll. Zum Einsatz kommen Silizium-, Siliziumkarbid- und Galliumnitrid-Bauteile.
Zahlen und Ziele: Wachstum mit konkreten Ankern
Die operative Entwicklung gibt dem Analysten-Upgrade Rückhalt. Im zweiten Geschäftsquartal 2026 erzielte Infineon einen Umsatz von 3,81 Milliarden Euro, ein Plus von vier Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal. Der Gewinn nach Steuern legte um 18 Prozent auf 301 Millionen Euro zu. CEO Jochen Hanebeck stellte für das Gesamtjahr einen Umsatz von mehr als 16 Milliarden Euro in Aussicht. Besonders das KI-Segment wächst schnell: Nach rund 700 Millionen Euro Umsatz im Geschäftsjahr 2025 peilt der Konzern für 2026 bereits rund 1,5 Milliarden Euro an, für 2027 dann 2,5 Milliarden Euro.
Fertigungsausbau als Commitment
Um die wachsende Nachfrage zu bedienen, investiert Infineon 2026 rund 500 Millionen Euro zusätzlich in neue Fertigungskapazitäten. Die neue Smart Power Fab in Dresden, spezialisiert auf Analog-Mixed-Signal- und Leistungshalbleiter, soll im Sommer eröffnen. Die geplante Segmentergebnis-Marge liegt bei rund 20 Prozent, nach 17,1 Prozent im zweiten Quartal. Infineon setzt damit nicht nur auf Umsatzwachstum, sondern erwartet zugleich eine Verbesserung der Profitabilität.
Risiken: Bewertung lässt wenig Spielraum
Nach einem Kursanstieg von über 100 Prozent seit Jahresbeginn ist in der Bewertung bereits erheblicher Optimismus eingepreist. Das durchschnittliche Analystenkursziel liegt unterhalb des aktuellen Kursniveaus: Die Bewertung von Goldman Sachs ist Ausreißer nach oben, nicht Konsens. Die Automobilsparte, nach wie vor größter Umsatztreiber, läuft weiterhin verhalten. Konjunkturelle Eintrübungen könnten das Industriesegment belasten. Und wer das Allzeithoch von 88,46 Euro als Zielmarke begreift, muss auch erklären, warum der Kurs von dort aus gut 13 Prozent korrigiert hat.
Claudia Stephan, Martina Köhler, Redaktion finanzen.net
Dieser Text dient ausschließlich zu Informationszwecken und stellt keine Anlageempfehlung dar. Die finanzen.net GmbH schließt jegliche Regressansprüche aus.
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