Aktien von Commerzbank und UniCredit im Fokus: Warum die EZB-Vorprüfung noch keine Übernahme-Genehmigung ist
Ein internes EZB-Papier soll keine Einwände gegen die Kontrollübernahme durch UniCredit erkennen lassen, doch bis zur endgültigen Entscheidung fehlen noch entscheidende Schritte.
Werte in diesem Artikel
- Internes EZB-Papier sieht offenbar keinen Grund zur Ablehnung der Übernahme
- BaFin kritisiert im Aufsichtsgremium das Vorgehen von UniCredit deutlich
- Endgültige Entscheidung fällt erst nach abgeschlossener Prüfung im Herbst
Ein internes, dem EZB-Aufsichtsgremium im Juni vorgelegtes Dokument soll laut Reuters keinen Grund erkennen lassen, die von der italienischen Großbank UniCredit angestrebte Kontrollübernahme der Commerzbank abzulehnen. Eine Genehmigung ist das ausdrücklich noch nicht, denn der Antrag war zu diesem Zeitpunkt unvollständig, und die abschließende Prüfung soll erst im September oder Oktober erfolgen.
Was das interne EZB-Papier wirklich aussagt
Das Dokument, über das Reuters am 12. August berichtete, formuliert dabei die Einschätzung, es gebe "keinen Grund zur Ablehnung" der Kontrollübernahme durch UniCredit. Zugleich erwartet die Aufsichtsbehörde einen "herausfordernden und langwierigen" Integrationsprozess und verlangt von der deutschen Aufsicht eine Abmilderungsstrategie, um Vertrauen innerhalb der Commerzbank aufzubauen, sowie schärfere Kontrollmechanismen bei UniCredit selbst. Entscheidend ist der Zeitpunkt: Das Papier wurde im Juni im Aufsichtsgremium besprochen, als der Antrag von UniCredit nach Reuters-Angaben noch unvollständig war. Eine vorläufige Einschätzung ohne Einwände ersetzt damit keine förmliche Genehmigung, sie markiert lediglich eine Zwischenstufe im laufenden Verfahren.
Im selben Gremium soll die deutsche Finanzaufsicht BaFin dem Bericht zufolge deutliche Kritik geäußert haben: Das Vorgehen von UniCredit während des monatelangen Übernahmeringens sei "aggressiv und teilweise intransparent" gewesen, zudem verwies die Behörde auf "bekannte Schwächen" innerhalb der italienischen Bank und forderte eine Stärkung von deren Verwaltungsrat. Den Vorsitz im Aufsichtsgremium, das die Einschätzungen der nationalen Aufseher vor der endgültigen EZB-Entscheidung bündelt, hat die Deutsche Claudia Buch inne.
Der Fahrplan bis zur Commerzbank-Entscheidung
Formal war dem Verfahren ein zweistufiger Prozess vorausgegangen: Die BaFin hatte den Antrag von UniCredit auf eine Mehrheitsbeteiligung an der Commerzbank als vollständig eingestuft und Ende Juli zur inhaltlichen Entscheidung an die EZB weitergeleitet. Damit läuft eine gesetzliche Prüffrist von 60 Arbeitstagen, die sich um bis zu 20 weitere Arbeitstage verlängern kann, sollte die EZB zusätzliche Informationen anfordern. Die abschließende Prüfung ist laut Reuters für September oder Oktober vorgesehen, die förmliche Entscheidung fällt am Ende das Aufsichtsgremium gemeinsam mit den nationalen Behörden, endgültig ratifiziert wird sie vom EZB-Rat.
UniCredit hatte sich über ein feindliches, rund 43 Milliarden Euro schweres Aktientauschangebot bereits rund 48 Prozent der Commerzbank-Anteile gesichert, was Widerstand von Management, Belegschaft und Bundesregierung ausgelöst hat. Vorstand und Aufsichtsrat der Commerzbank hatten den Aktionären in ihrer begründeten Stellungnahme empfohlen, das Angebot abzulehnen, unter anderem wegen einer aus ihrer Sicht fehlenden angemessenen Prämie und vager Synergiepläne. Laut FAQ der Commerzbank steht der Übergang der im Rahmen des Angebots angedienten, rund 17,6 Prozent der Aktien und der damit verbundenen Stimmrechte weiterhin unter dem Vorbehalt der erforderlichen behördlichen Genehmigungen; erst danach hätte UniCredit Zugriff auf bis zu 50 Prozent der Stimmrechte.
Grenzen der UniCredit-Kontrolle bei Commerzbank
Die Commerzbank betont in ihrem FAQ, dass die strategische und operative Führung auch nach einer möglichen Genehmigung beim eigenen Vorstand verbleibe. Selbst mit erhöhter Beteiligung könne die UniCredit nicht allein über wesentliche Strukturmaßnahmen wie einen Beherrschungsvertrag oder einen Squeeze-out entscheiden, da hierfür qualifizierte Mehrheiten von 75 Prozent beziehungsweise 90 bis 95 Prozent des Grundkapitals nötig seien. Diese Schwellen liegen deutlich über der von UniCredit gehaltenen Beteiligung von rund 48 Prozent und markieren eine wichtige Hürde für weitergehende Integrationsschritte.
Ob das interne EZB-Papier tatsächlich den Weg für eine Genehmigung ebnet, entscheidet sich erst mit der finalen Prüfung im Herbst und der anschließenden Ratifizierung durch den EZB-Rat. Bis dahin bleibt offen, wie BaFin und EZB auf die geforderten Kontrollmechanismen bei UniCredit reagieren und ob der nächste Zahlentermin am 5. November neue Details zum Stand der Integration liefert.
So bewegen sich die Aktien der Commerzbank und UniCredit
Zur Wochenmitte muss die Commerzbank-Aktie via XETRA zeitweise Verluste von 0,05 Prozent auf 38,98 Euro hinnehmen. Papiere der italienischen Großbank UniCredit notieren in Mailand nur 0,52 Prozent tiefer bei 82,95 Euro.
Benedict Kurschat, Redaktion finanzen.net
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