Intel-Aktie springt zweistellig hoch: Offenbar Großauftrag von Alphabet für spezielle KI-Chips erhalten
Der Tech-Gigant Alphabet hat sich offenbar vertraulich an Intel als Backup-Hersteller von Chips gewandt, um die hohe Nachfrage bedienen zu können.
Werte in diesem Artikel
• Alphabet soll Intel einen Auftrag über mehr als 3 Millionen KI-Chips erteilt haben
• Auch NVIDIA mit ähnlichen Überlegungen
• Großauftrag wäre ein wichtiger Meilenstein für Intels Foundry-Geschäft
Wie das US-Technologiemedium "The Information" unter Berufung auf mit der Angelegenheit vertraute Personen berichtet, hat die Google-Muttergesellschaft Alphabet nach monatelangen technischen Tests Intel mit der Produktion von mehr als drei Millionen spezieller KI-Chips für das Jahr 2028 beauftragt. Dabei soll es sich um sogenannte Tensor Processing Units (TPUs) handeln - eigens von Google entwickelte Prozessoren, die für das Training und den Betrieb großer KI-Modelle optimiert sind. Auch "Reuters" bestätigte, dass mehrere Branchenquellen auf eine engere Zusammenarbeit zwischen Alphabet und Intel hindeuten.
Branchenbeobachter sehen in einem möglichen Alphabet-Auftrag weit mehr als einen gewöhnlichen Produktionsvertrag: Sollte Intel tatsächlich mehrere Millionen KI-Chips für Google fertigen, wäre dies ein bedeutender Vertrauensbeweis für die technologischen Fortschritte des Konzerns, der seit Jahren Milliardenbeträge in den Aufbau eines eigenen Foundry-Geschäfts investiert, das externe Kunden mit modernsten Fertigungstechnologien versorgen soll.
Intel kämpft um die Rückkehr an die Spitze
Für Intel kommt die Nachricht zu einem entscheidenden Zeitpunkt. Der Konzern hat in den vergangenen Jahren Marktanteile verloren und musste insbesondere bei modernen Fertigungsverfahren Rückschläge hinnehmen. Gleichzeitig investiert das Unternehmen massiv in neue Produktionsstandorte und fortschrittliche Fertigungstechnologien, um wieder zu den führenden Akteuren der Branche aufzuschließen.
Die Strategie von Intel-Chef Lip-Bu Tan, der seit 2025 die Geschicke des Unternehmens lenkt, setzt stark auf den Ausbau der Auftragsfertigung. Ziel ist es, externe Kunden anzuziehen und Intel als unabhängigen Produktionspartner für die gesamte Technologiebranche zu etablieren. Große Aufträge von Unternehmen wie Alphabet könnten dabei helfen, die Auslastung neuer Fabriken sicherzustellen und das Vertrauen des Marktes in die Foundry-Offensive zu stärken.
KI-Unternehmen setzen auf Risikostreuung
Neben den technologischen Aspekten spielt auch die geopolitische Dimension eine wichtige Rolle. Die Konzentration eines Großteils der weltweiten Spitzenchipproduktion in Taiwan gilt seit Jahren als potenzielles Risiko für globale Lieferketten. Viele Unternehmen versuchen daher, ihre Abhängigkeit von einzelnen Fertigungsstandorten zu reduzieren. Die Zusammenarbeit mit Intel würde Alphabet zusätzliche Produktionsoptionen eröffnen und die Versorgungssicherheit für künftige KI-Generationen erhöhen. Ähnliche Überlegungen werden laut "The Information" auch NVIDIA nachgesagt. Der Marktführer für KI-Beschleuniger soll ebenfalls prüfen, Intel als ergänzenden Fertigungspartner einzusetzen, um langfristig flexibler auf die stark steigende Nachfrage reagieren zu können.
Signalwirkung für die gesamte Branche
Auch wenn weder Alphabet noch Intel die Berichte bislang offiziell bestätigt haben, sorgt die Nachricht bereits für Aufmerksamkeit an den Finanzmärkten. Investoren werten mögliche Aufträge dieser Größenordnung als Hinweis darauf, dass Intels milliardenschwere Investitionen in moderne Fertigungstechnologien erste Früchte tragen könnten. Entsprechend startete die Intel-Aktie am Montag an der NASDAQ durch und gewann letztlich 11,19 Prozent auf 110,27 US-Dollar.
Sollten sich die Berichte bewahrheiten, wäre dies nicht nur ein wichtiger Erfolg für Intel, sondern auch ein Zeichen für die beginnende Neuordnung der globalen Halbleiterindustrie. Der Wettlauf um die Vorherrschaft im KI-Zeitalter wird längst nicht mehr allein durch die Entwicklung leistungsfähiger Chips entschieden. Ebenso entscheidend ist die Frage, wer in der Lage ist, diese Chips in ausreichender Stückzahl und mit modernster Technologie zu produzieren.
Carolin Ludwig, Redaktion finanzen.net
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