NVIDIA-Aktie im Fokus: Umsatzbeteiligungsprogramm mit KI-Clouds offenbar ausgesetzt
Ein im Juli von NVIDIA gestartetes Finanzierungsmodell für KI-Cloud-Partner liegt offenbar schon wieder auf Eis, Kartellbedenken sollen einem Bericht zufolge intern für Unruhe gesorgt haben.
Werte in diesem Artikel
- NVIDIA-Mitarbeiter äußerten offenbar Sorgen vor kartellrechtlichen Prüfungen des Modells
- Kunden fühlten sich von Kontrollvorgaben des Chipherstellers verärgert
- Konzern betont, das Kernmodell zum Rechenleistungs-Zugang bleibe in Kraft
NVIDIA hat einem Bericht des Wall Street Journal zufolge Teile einer Finanzierungsinitiative ausgesetzt, die KI-Cloud-Unternehmen Kreditunterstützung gegen einen Anteil an ihren Umsätzen bot. Grund sollen interne Bedenken von NVIDIA-Mitarbeitern vor kartellrechtlichen Prüfungen gewesen sein. Der Chiphersteller selbst betont, sein grundsätzliches Geschäftsmodell für den Zugang zu Rechenleistung bleibe unverändert bestehen.
Rückzug nach kartellrechtlichen Bedenken
NVIDIA ist dem Bericht zufolge von Teilen einer Finanzierungsinitiative zurückgetreten. Die Zeitung berief sich auf mit der Sache vertraute Personen. Demnach äußerten NVIDIA-Mitarbeiter gegenüber aktuellen und potenziellen Kunden Bedenken, die Initiative könnte kartellrechtliche Prüfungen nach sich ziehen. Der Konzern sei in der Woche vor der Berichterstattung von dem Programm zurückgetreten, könne es aber noch überarbeiten oder in ein anderes Vorhaben integrieren. In den letzten Monaten hat die Skepsis der Anleger zugenommen, da NVIDIA Geld zurück in das KI-Ökosystem pumpt und damit Befürchtungen hinsichtlich seiner Rolle bei sogenannten "Circular Deals" schürt, die die Nachfrage künstlich in die Höhe treiben könnten.
Im Kern des Modells stand die Idee, Rechenkapazität von Cloud-Kunden zurückzumieten, falls diese sie nicht selbst verkaufen konnten, und zusätzlich zum Hardware-Verkaufserlös einen Anteil an deren Cloud-Umsätzen aus NVIDIA-gestützter Kapazität zu erhalten. Mitarbeiter berichteten dem Artikel zufolge zudem von Sensibilitäten hinsichtlich des Ausmaßes, in dem NVIDIA vorschreiben könne, wie seine Kunden ihr Geschäft betreiben. In frühen Wochen des Programms habe der Konzern demnach einige potenzielle Partner verärgert, etwa indem er ihnen mitteilte, Chips nur an genehmigte Kunden vermieten zu dürfen, und signalisierte, Kapazität lieber auf mehrere kleinere KI-Firmen als auf einen großen Abnehmer zu verteilen.
NVIDIA verweist auf ungebrochene Nachfrage
Ein NVIDIA-Sprecher erklärte gegenüber Reuters, das im Juli eingeführte Geschäftsmodell, das den Zugang zu Rechenleistung für das wachsende KI-Ökosystem öffne, bleibe weiterhin in Kraft und entwickle sich wegen hoher Nachfrage kontinuierlich weiter. Angekündigt hatten das Modell NVIDIA-Finanzchefin Colette Kress und Raj Mirpuri am 1. Juli dieses Jahres in einem Blogbeitrag, in dem NVIDIA ankündigte, mit AI-Clouds an mandantenfähigen KI-Fabriken zu arbeiten und die Ökonomie über Umsatzbeteiligung und Kreditunterstützung anzugleichen. Als erste Partner waren Sharon AI mit bis zu 40.000 Grace-Blackwell-GB300-Grafikprozessoren sowie Firmus Technologies mit einem KI-Fabrikcampus in Batam, Indonesien, vorgesehen.
Das nun offenbar pausierte Programm ist von einer größeren, am 10. August verkündeten Initiative zu unterscheiden: Gemeinsam mit Apollo, BlackRock, Blackstone, Brookfield, Goldman Sachs und KKR baut NVIDIA Finanzierungsplattformen auf, um mehr als 500 Milliarden US-Dollar an Drittkapital für den KI-Infrastrukturausbau zu mobilisieren. Auf der Ergebnis-Telefonkonferenz zum zweiten Geschäftsquartal des Fiskaljahres 2027 hatte NVIDIA laut Reuters erklärt, das Umsatzbeteiligungsmodell könne mittel- bis langfristig Milliarden an Umsatz generieren. Zusätzlich hatte NVIDIA im August geholfen, eine Finanzierung von 500 Milliarden US-Dollar von großen US-Finanzinstituten für seine Kunden zu arrangieren, und zugesagt, bis zu 105 Milliarden US-Dollar zu garantieren, um OpenAI beim Leasing eines großen Rechenzentrums zu unterstützen.
Zahlen, Ausblick und Analystenstimmen zur NVIDIA-Aktie
Im zweiten Geschäftsquartal des Fiskaljahres 2027, das Ende Juli 2026 endete, erzielte NVIDIA einen Umsatz von 96,2 Milliarden US-Dollar, ein Plus 106 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Für das laufende Quartal stellte der Konzern einen Umsatz von 108,0 Milliarden US-Dollar in Aussicht, mit einer Schwankungsbreite von plus/minus 2 Prozent, sowie eine Bruttomarge von 74,0 Prozent nach GAAP und Non-GAAP. Finanzchefin Kress verwies auf der Telefonkonferenz zudem auf die Diversifizierung der Kundenbasis: Hyperscaler blieben ein wichtiger Wachstumstreiber, doch das Nicht-Hyperscaler-Segment mit souveränen, regionalen NeoClouds sowie Enterprise-, Edge- und Air-Gap-Rechenzentren mache inzwischen rund die Hälfte des Data-Center-Geschäfts aus.
Die NVIDIA-Aktie beendete den Donnerstagshandel an der NASDAQ 8,74 Prozent fester bei 227,98 US-Dollar. Am Freitag notierte das Papier letztlich 4,57 Prozent tiefer bei 217,55 US-Dollar. Am Kapitalmarkt bleibt die Einschätzung auch nach erst kürzlich vorgelegten Zahlen mehrheitlich positiv: So liegt das mittlere Kursziel bei 323,37 US-Dollar, von den 29 bei TipRanks genannten Analysten, stufen alle die NVIDIA-Aktie mit buy ein.
Martina Köhler, Julia Walter, Benedict Kurschat, Bettina Schneider, Redaktion finanzen.net
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