Google-Mutter baut aus: Alphabets milliardenschwerer Rechenzentren-Deal in Europa - Aktie im Blick
Mit 13 Milliarden Euro sichert sich Google in Finnland enorme Rechenzentren-Kapazität, dazu kommt sogar ein Atomstrom-Deal.
Werte in diesem Artikel
- Google investiert in Finnland in Rechenzentren für Cloud und KI-Dienste
- Atomstrom sichert künftig einen Teil des Google-Energiebedarfs ab
- Anleger reagieren gelassen
Alphabet investiert nach eigenen Angaben mindestens 13 Milliarden Euro in digitale Infrastruktur in Finnland, die größte Einzelinvestition des Konzerns in Europa. Trotz der Summe reagierte die Alphabet-Aktie kaum, während sich mit Microsoft und ByteDance auch Wettbewerber im finnischen Rechenzentrumsmarkt engagieren.
Ausbau in Hamina, Kajaani, Muhos und Vaala
Die Google-Mutter investiert nach eigenen Angaben mindestens 13 Milliarden Euro in digitale Infrastruktur in Finnland, die künftig zentrale Google-Dienste wie Gemini, die Suche, Maps und YouTube antreiben soll. Das Programm läuft über die kommenden zwei Jahre und umfasst den Ausbau des bestehenden Rechenzentrums in Hamina sowie neue Standorte in Kajaani, Muhos und Vaala. Während der Bauphase sollen die Investitionen jährlich durchschnittlich 3,6 Milliarden Euro zum finnischen Bruttoinlandsprodukt beitragen und landesweit mehr als 37.000 Arbeitsplätze unterstützen. Rund 16.000 davon entfallen auf das Baugewerbe. Nach Inbetriebnahme rechnet Google mit etwa 7.000 dauerhaft gesicherten Stellen.
Googles Engagement in Finnland reicht bis 2009 zurück, als der Konzern eine ehemalige Papierfabrik in Hamina zu einem Rechenzentrum umbaute. Von 2023 bis 2025 arbeitete das Unternehmen dort mit mehr als 600 finnischen Zulieferern zusammen, darunter DNA, Elisa und Nokia. Bereits 2024 hatte Google angekündigt, eine Milliarde Euro in den Ausbau seines Rechenzentrumscampus in Finnland zu investieren, bevor nun das deutlich größere Programm folgt.
Atomkraft als neuer Baustein
Zur Absicherung des Strombedarfs schloss Google mit dem finnischen Energiekonzern Fortum einen Stromabnahmevertrag über 22 Jahre für das Kernkraftwerk Loviisa. Der Vertrag soll laut Fortum bis zu 50 Prozent der Anlagenleistung bis 2050 sichern und ist Googles erster Kernenergie-Deal außerhalb der USA. Investitionschefin Ruth Porat sagte gegenüber Reportern in Helsinki, die Vereinbarung sei ein wichtiger Grundstein für die weiteren Pläne des Unternehmens.
Zusätzlich unterzeichnete Google eine Absichtserklärung mit Fortum zur Prüfung neuer Erzeugungs- und Flexibilitätskapazitäten sowie Stromabnahmeverträge für Onshore-Windkraft mit Valorem und Suomen Hyötytuuli, die zusammen 629 Megawatt neu ans Netz bringen. Nahe dem Standort Kajaani soll zudem ein Batteriespeicher mit 94 Megawatt Ende 2027 in Betrieb gehen.
Alphabet-Aktie: Kursreaktion im Blick
An der Börse sorgte die Ankündigung für deutliche Abgaben: Die Alphabet-Aktie notierte im NASDAQ-Handel letztlich 2,09 Prozent tiefer bei 328,38 US-Dollar. Die Investition reiht sich in den ohnehin hohen Investitionsrahmen des Konzerns ein.
Für Alphabet-Aktionäre ändert die Finnland-Investition damit wenig an der grundsätzlichen Ausgangslage: Der Konzern baut sein Cloud- und KI-Geschäft seit Monaten mit Milliardensummen aus, und der Markt hat diesen Kurs bereits eingepreist. Dass die Aktie trotz der 13-Milliarden-Euro-Ansage kaum reagiert, spricht dafür, dass Anleger solche Meldungen mittlerweile als Teil des laufenden Investitionsprogramms lesen und nicht als eigenständiges Signal.
Bemerkenswerter aus Investorensicht ist der Atomstrom-Deal mit Fortum: Er zeigt, wie stark Energieversorgung inzwischen zum limitierenden Faktor beim weltweiten KI-Ausbau der Hyperscaler geworden ist.
Finnland hat sich derweil dank kühlem Klima und vergleichsweise günstigem, CO2-armem Strom zu einem gefragten Standort für Hyperscaler entwickelt, auch Microsoft und der TikTok-Eigentümer ByteDance bauen dort Rechenzentren auf. Finnlands Ministerpräsident Petteri Orpo sagte, die Entscheidung von Google sei ein Beleg für die Stärken des Landes.
Evelyn Schmal, Bettina Schneider, Martina Köhler, Redaktion finanzen.net
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