Aktien von Super Micro Computer & Co. im Visier: Hedgefonds erhöhen Short-Wetten auf KI-Werte
Hedgefonds haben ihre Wetten gegen Super Micro Computer, CoreWeave und Nebius im Juli weiter ausgebaut. Zuletzt konnten die Unternehmen jedoch mit starken Zahlen punkten.
Werte in diesem Artikel
- Short-Seller stocken ausgerechnet bei den stärksten KI-Infrastrukturwerten auf
- Starke Quartalszahlen bergen Short-Squeeze-Risiken für mehrere Werte
- Analysten bleiben bei Super Micro Computer gespalten
Hedgefonds haben ihre Short-Positionen bei Super Micro Computer sowie bei den KI-Infrastrukturfirmen CoreWeave und Nebius im Juli weiter ausgebaut, wie ein Bericht der Datenplattform Hazeltree zeigt. Alle drei Werte zählten zu den zehn am stärksten leerverkauften Aktien im Kundenstamm von mehr als 700 Hedgefonds.
Hazeltree-Bericht zeigt wachsende Short-Wetten
Der Hazeltree-Bericht vom 12. August dokumentiert, dass Super Micro Computer, CoreWeave und Nebius bereits im Juni zu den am stärksten leerverkauften Titeln im Hazeltree-Kundenstamm zählten, die Short-Positionierung im Juli aber bei allen drei Werten weiter zunahm. Der Philadelphia Semiconductor-Index fiel im Juli insgesamt um rund 20 Prozent, Südkoreas KOSPI-Index um rund 22 Prozent, jeweils der stärkste Monatsrückgang seit 2008. Hedgefonds bauten zudem bei NVIDIA, dem Grafikchip- und KI-Spezialisten, Long-Positionen ab und Short-Positionen aus, blieben laut dem Bericht aber in Summe netto long.
Hazeltree ordnete das Verhalten differenziert ein: Die Wall Street habe bei einigen der größten Profiteure der KI-Infrastruktur Gewinne mitgenommen, ohne den gesamten Trade aufzugeben, und stattdessen Kapital zu Unternehmen mit erkennbaren Monetarisierungs-Anzeichen verschoben. Bei gehebelten Halbleiterwetten sei demnach eher das Risiko reduziert worden als das KI-Engagement insgesamt.
Super Micro Computer: Rekordquartal trotz laufender Prüfung
Super Micro Computer legte am 11. August Zahlen zum vierten Fiskalquartal vor. Das Unternehmen verbuchte ein EPS in Höhe von 1,62 US-Dollar. Experten hatten mit 0,923 US-Dollar je Anteilsschein gerechnet. Der Umsatz stieg um 93 Prozent auf 11,12 Milliarden US-Dollar und verfehlte die Erwartung von 11,6 Milliarden US-Dollar nur knapp. Für das Geschäftsjahr 2027 stellte das Unternehmen einen Umsatz zwischen 65 und 72 Milliarden US-Dollar in Aussicht. Im vierten Quartal gingen zudem Neubestellungen von mehr als 60 Milliarden US-Dollar ein.
Der Verwaltungsrat führt parallel eine unabhängige Prüfung bestimmter Transaktionen im Zusammenhang mit Exportkontrollfragen durch, weshalb die Zahlen vorläufig und ungeprüft gelten. An der NASDAQ gab die Aktie am Montag um 3,9 Prozent auf 38,28 US-Dollar nach und schloss am Dienstag 2,27 Prozent tiefer bei 37,41 US-Dollar. Der Analystenkonsens stuft die Aktie mit 16 erfassten Häusern insgesamt neutral ein, bei drei Kaufempfehlungen, elf Halte-Einstufungen und zwei Verkaufsempfehlungen sowie einem mittleren Kursziel von 40,85 US-Dollar. JPMorgan, Northland Securities, Citi und Bernstein blieben im Zeitraum vom 12. bis 17. August bei Hold-Einstufungen mit Kurszielen zwischen 39 und 45 US-Dollar.
Nebius und CoreWeave als Short-Squeeze-Kandidaten
Bei Nebius, einem Anbieter von KI-Cloud-Infrastruktur, hatten Hedgefonds im Juli auch mit Blick auf die offengelegte Short-Position von Michael Burry auf fallende Kurse gesetzt, der seine Position bereits am 6. August bei 211,77 US-Dollar öffentlich gemacht und nach dem Kurssprung durch die Quartalszahlen bei rund 247 US-Dollar weiter aufgestockt hatte, parallel zu Shorts in Oracle und Micron Technology. Nebius meldete für das zweite Quartal 2026 einen Umsatzsprung um 454 Prozent auf 582,3 Millionen US-Dollar und ein bereinigtes EBITDA von plus 236,2 Millionen US-Dollar bei einer Marge von 41 Prozent, zudem verkürzte das Unternehmen die Amortisationszeit neuer Kapazitätsverträge auf unter zwei Jahre und meldete vier neue Großabschlüsse mit einem durchschnittlichen Gesamtvertragswert von jeweils über einer Milliarde US-Dollar. An der NASDAQ verlor die Nebius-Aktie am Montag 3,2 Prozent auf 268,85 US-Dollar und gab am Dienstag schlussendlich um 7,68 Prozent auf 248,19 US-Dollar ab.
CoreWeave, ein Anbieter von Cloud-Infrastruktur für KI-Workloads, übertraf mit seinen am 11. August im vorgelegten Zahlen die Schätzungen für das zweite Quartal, was Hazeltree als Beispiel für das Short-Squeeze-Risiko bei stark leerverkauften Werten wertete. Die Aktie legte am Montag an der NASDAQ um 0,7 Prozent auf 106,00 US-Dollar zu, fiel am Dienstag aber um 12,10 Prozent auf 93,17 US-Dollar zurück.
Als nächster Termin steht bei Super Micro Computer der Bericht zum ersten Quartal des Geschäftsjahres 2027 am 3. November 2026 im Kalender, der auch zeigen dürfte, ob die laufende Prüfung des Verwaltungsrats zu Exportkontrollfragen Auswirkungen auf die Geschäftszahlen hat. Die kommenden Hazeltree-Erhebungen werden zeigen, wie sich die Short-Positionen bei den drei Werten entwickelt haben.
Julia Walter, Bettina Schneider, Evelyn Schmal, Redaktion finanzen.net
Dieser Text dient ausschließlich zu Informationszwecken und stellt keine Anlageempfehlung dar. Die finanzen.net GmbH schließt jegliche Regressansprüche aus.
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