Neuer Kurstreiber für NVIDIA-Aktie? Huang erwartet Verdopplung der Chipverkäufe binnen eines Jahres
Jensen Huang prognostiziert eine Verdopplung der NVIDIA-Chipverkäufe binnen eines Jahres an, was Fragen zu Lieferketten und Kursverlauf aufwirft.
Werte in diesem Artikel
- Jensen Huang stellt eine Verdopplung des Chipabsatzes im nächsten Jahr in Aussicht
- Neue Benchmarkdaten zur Vera-Rubin-Plattform befeuern den KI-Handel
- Analysten sehen bei NVIDIA weiterhin klare Kaufsignale
NVIDIA-Chef Jensen Huang hat auf einem KI-Gipfel in Schottland angekündigt, dass sich der Chipabsatz des Unternehmens binnen eines Jahres verdoppeln dürfte. Anleger müssen sich nun die Frage stellen, ob die Ankündigung zu einem neuen Kurstreiber wird oder an Lieferengpässen scheitern könnte.
Huangs Ansage auf dem KI-Gipfel in Schottland
Am Rande eines von König Charles III. einberufenen KI-Gipfels in Dumfries House, Cumnock, erklärte Jensen Huang am Donnerstag laut "CNBC", er erwarte, dass NVIDIA im kommenden Jahr doppelt so viele Chips verkaufe wie im laufenden. Als Begründung nannte der Firmenchef Investitionen einzelner Staaten in lokale KI-Infrastruktur und Cloud-Rechenzentren. "Der Grund dafür ist, dass KI einen enormen Beitrag zum Nutzen verschiedener Branchen und Volkswirtschaften leistet; man sieht in fast jedem Land, in dem wir tätig sind, dass die Menschen in KI investieren wollen", wird der NVIDIA-CEO bei "CNBC" zitiert.
An dem Treffen nahmen auch Führungskräfte von Google DeepMind, OpenAI und Anthropic teil. Huang verband das Wachstumsversprechen mit einem Appell zu mehr Sorgfalt bei KI-Produkten und verglich die Technologie mit einer neu entwickelten Flugzeugturbine, die strenge Tests vor der Freigabe benötige.
Die Verdopplungs-Ansage übertrifft die offizielle Prognose, die NVIDIA beim Zahlenausweis für das zweite Geschäftsquartal Ende August abgegeben hatte: Damals stellte das Unternehmen für das Geschäftsjahr 2028 ein Umsatzwachstum von rund 70 Prozent in Aussicht, bei einer Q3-Umsatzprognose von 108,0 Milliarden US-Dollar.
Vera Rubin als technischer Hebel
Parallel zu Huangs Aussage veröffentlichte NVIDIA vorläufige MLPerf-Inferenz-Ergebnisse, die zeigen, dass die neue Vera-Rubin-NVL72-Plattform bis zum 3,7-fachen Inferenz-Durchsatz des Vorgängersystems GB300 im Qwen3-VL-Test erreicht. Vera Rubin ist demnach in die Serienfertigung eingetreten, erste Auslieferungen werden für den Herbst 2026 erwartet. CoreWeave hat laut Berichten bereits einen Multi-Rack-Cluster der neuen Architektur in Betrieb genommen. Sollte die Serienfertigung von Vera Rubin sich wie angekündigt beschleunigen, erscheint die Verdopplung der Stückzahlen plausibel.
Speicherknappheit als Risiko für NVIDIA
Ob sich die angepeilte Verdopplung allerdings tatsächlich realisieren lässt, hängt maßgeblich davon ab, ob Fertigungspartner wie TSMC ihre Kapazitäten entsprechend hochfahren können. Denn die eskalierende Speicherknappheit gilt als zentrales Risiko: Intel-Chef Lip-Bu Tan warnte laut Barron's, dass sich der aktuelle Engpass bis 2027 noch verschärfen könnte, mit Preisaufschlägen von teils dem Fünf- bis Siebenfachen.
Hinzu kommt ein Kapitalstruktur-Risiko: NVIDIA plant gemeinsam mit Partnern wie Apollo, BlackRock, Blackstone, Goldman Sachs und KKR, mehr als 500 Milliarden US-Dollar an Drittkapital für den Aufbau von KI-Infrastruktur zu mobilisieren. Ein Volumen, das bei nachlassender Nachfrage oder steigenden Zinsen zum Belastungsfaktor werden könnte. König Charles III. mahnte beim selben Gipfel zudem existenzielle Gefahren durch KI an und forderte Kontrollmechanismen.
Wird Huangs Prognose zum Kurstreiber für die NVIDIA-Aktie?
Die NVIDIA-Aktie beendete den NASDAQ-Handel am Donnerstag um 2,54 Prozent höher bei 219,34 US-Dollar, am Freitag notiert sie zeitweise 0,05 Prozent im Plus bei 219,46 US-Dollar.
Ob sich Huangs Verdopplungs-Versprechen jedoch als tragfähiger Kurstreiber erweist, dürfte sich erst zeigen, wenn sich das Mengenwachstum tatsächlich in Umsatz und Gewinn niederschlägt und NVIDIA konkrete Zahlen zur Auslastung der Vera-Rubin-Serienfertigung sowie zur Entwicklung der Speicherkosten vorlegt. Derweil bleibt die hohe Bewertung der Aktie ein Risiko für Anleger. Der Analystenkonsens für die NVIDIA-Aktie fällt laut "TipRanks" indes mit 30 Buy-Einstufungen bei 30 Analysen eindeutig aus, das mittlere Kursziel liegt bei 324,30 US-Dollar und signalisiert damit noch viel Luft nach oben.
Carolin Ludwig, Bettina Schneider, Redaktion finanzen.net
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