ifo-Geschäftsklima hellt sich weiter auf
Von Hans Bentzien
FRANKFURT (Dow Jones)--Der vom Münchener ifo-Institut erhobene Geschäftsklimaindex dürfte im August erneut gestiegen sein. Zwar könnten unter den wieder zunehmenden Corona-Infektionszahlen einzelne Bereiche des Dienstleistungssektors leiden, doch befindet sich die Industrie voll auf Erholungskurs. Das ifo-Institut veröffentlicht die Daten am Dienstag (10.00 Uhr). Am gleichen Tag kommt das Statistische Bundesamt (Destatis) mit der zweiten Veröffentlichung des deutschen Bruttoinlandsprodukts (BIP) für das zweite Quartal. Weitere wichtige Daten der Woche sind der Index der europäischen Wirtschaftsstimmung (Esi), das belgische Geschäftsklima und die französischen Verbraucherpreise für August.
Während nicht nur in Deutschland die öffentlichen Debatten über den Umgang mit steigenden Corona-Infektionszahlen an Hitze gewinnen (sollen die Behörden erneut das öffentliche Leben einschränken?), fördern Unternehmensumfragen einen zunehmenden Optimismus zutage, wonach sich die Geschäftstätigkeit vom tiefen Absturz im April und Mai erholen wird. Vor allem diese Geschäftserwartungen sind es, die den ifo-Index in den vergangenen Monaten steigen ließen.
Erholung der Geschäftslagebeurteilung bisher nur zaghaft
Vergleichsweise zaghaft sieht dagegen die Besserung aus, die die Unternehmen ihrer aktuellen Geschäftslage bescheinigen. Das muss sich ändern, sollen nicht Zweifel an der allenthalben erwarteten steilen Erholung des BIP im dritten Quartal aufkommen. Allerdings erwarten die von Dow Jones Newswires befragten Volkswirte, dass der Index der Lagebeurteilung im August nur auf 87,0 (Juli: 84,5) Punkte gestiegen ist.
Ein Zuwachs von 2,5 Punkten wäre auch nicht stärker als der Schnitt der beiden Vormonate (Juli 3,2 - Juni 2,4 Punkte). Volkswirte weisen andererseits darauf hin, dass wegen des tiefen Absturzes im April für die darauf folgenden Monaten ein stark positiver Basiseffekt zu berücksichtigen sei. Für die ifo-Erwartungen wird ein Anstieg auf 98,0 (97,0) prognostiziert und für den Headline-Index ein Anstieg auf 92,0 (90,5) Punkte. Das wäre der höchste Stand seit Februar.
Die am Freitag veröffentlichten Einkaufsmanagerindizes (PMIs) dürften den Optimismus bezüglich des Ifo-Index nicht gerade gestützt haben. Einem unerwartet deutlichen Anstieg des Industrie-PMI stand ein noch deutlicherer Rückgang des Dienstleistungs-PMI gegenüber. Das deutet darauf hin, dass die ifo-Lagekomponente keine positive Überraschung liefern dürfte.
Neben dem ifo-Index hat die Woche weitere Umfrageindikatoren zu bieten: Ebenfalls am Montag (15.00 Uhr) den Index des belgischen Geschäftsklimas, am Freitag (11.00 Uhr) den Index der europäischen Wirtschaftsstimmung (Esi) und gleichfalls am Freitag (8.00 Uhr) die Konsumklimaumfrage der GfK für September.
Details zum deutschen BIP-Einbruch im zweiten Quartal
Einen genaueren Blick zurück in die Abgründe des coronabedingten Konjunkturabsturzes ermöglicht die zweite Veröffentlichung von Destatis zum deutschen BIP im zweiten Quartal (Montag, 8.00 Uhr). In erster Veröffentlichung war ein BIP-Rückgang von 10,1 Prozent auf Quartalssicht gemeldet worden. Nun folgen die Details.
Die Deutsche Bundesbank hebt in ihrem aktuellen Monatsbericht den privaten Konsum und die Ausrüstungsinvestitionen als besondere Belastungsfaktoren hervor. Auch die Exporte sanken deutlich. Dagegen fuhr der Staat seinen Konsum hoch. Es ist angesichts der Dynamik des Geschehens nicht ausgeschlossen, dass Destatis auch die BIP-Veränderungsrate revidiert.
Deutsche Maastricht-Quote im ersten Halbjahr negativ
Zeitgleich veröffentlicht Destatis die sogenannte Maastricht-Quote Deutschlands für das erste Halbjahr. Sie dürfte wegen coronabedingter Mehrausgaben und Mindereinnahmen erstmals seit geraumer Zeit wieder negativ gewesen sein. Wirtschaftspolitisch gesehen hat das vorerst aber keine Bedeutung. Erstens rechtfertigt der tiefe Absturz der Wirtschaftsleistung ein Haushaltsdefizit, außerdem sanktioniert die EU-Kommission etwaige Regelverstöße wegen der Krise nicht.
Im ersten Halbjahr 2019 hatte Deutschland einen Maastricht-Überschuss von 2,7 Prozent verzeichnet, im Gesamtjahr 2019 war der Überschuss aber schon auf 1,4 Prozent geschrumpft, auch für das erste Quartal meldete Deutschland einen Überschuss von 1,4 Prozent. Die Steuereinnahmen hatten im ersten Halbjahr aber um 9,1 Prozent unter dem Niveau des Vorjahreszeitraums gelegen, zugleich verabschiedete die Regierung zwei Nachtragshaushalte.
Erste Verbraucherpreisdaten dieses Mal aus Frankreich
Weitere zweite BIP-Veröffentlichungen für das zweite Quartal kommen in der Woche aus den USA (Donnerstag, 14.30 Uhr) und Frankreich (Freitag, 8.45 Uhr) - letztere zeitgleich mit einer Schätzung der Verbraucherpreisentwicklung im August. Ein erster Hinweis auf den Inflationstrend im Euroraum kommt damit anders als sonst üblich nicht aus Deutschland, das seine Daten erst am Montag der darauffolgenden Woche veröffentlicht.
Weitere wichtige US-Daten sind die zum Auftragseingang langlebiger Wirtschaftsgüter (Mittwoch, 14.30 Uhr) und zu den privaten Einkommen Ausgaben (Freitag, 14.30 Uhr). Letztere beinhalten auch den Preisindex der persönlichen Konsumausgaben (PCE-Deflator), die von der US-Notenbank bevorzugte Inflationsmessgröße.
Die Europäische Zentralbank (EZB) informiert am Donnerstag (10.00 Uhr) über die Entwicklung von Kreditvergabe und Geldmenge im Juli. Diese Daten stehen seit Beginn der Corona-Krise unter besonderer Beobachtung, weil sie zeigen, wie die Banken auf die erhöhte Kreditnachfrage der Unternehmen reagieren.
Fed-Chairman Powell informiert über Strategieprüfung
Notenbanker aus aller Welt wollen bei dem jährlichen Symposium der Federal Reserve Bank of Kansas City die Herausforderungen des nächsten Jahrzehnts für die Geldpolitik diskutieren. Highlight dürfte die Rede von Fed-Chairman Jerome Powell zur Prüfung des geldpolitischen Handlungsrahmens der Fed werden, die live auf der Fed-Website übertragen wird.
Sollte sich die Fed zu einer Strategie der Preisniveausteuerung entschließen, würde das auch die Diskussionen innerhalb der EZB beeinflussen. Überflüssig zu sagen, dass das Symposium virtuell stattfindet und nicht in Jackson Hole.
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August 21, 2020 09:29 ET (13:29 GMT)